FootballLänger als ein Mordprozess

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Tom Brady wird die ersten vier Spiele der kommenden Saison keinen Ball werfen - er wird gesperrt.
Tom Brady wird die ersten vier Spiele der kommenden Saison keinen Ball werfen - er wird gesperrt.
Elise Amendola/AP

Die Deflategate-Affäre um New Englands Footballer zieht sich hin: Spielmacher Tom Brady geht gegen seine Sperre vor. Es geht um möglichen Betrug beim Titelgewinn 2015.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

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463 Tage. So lange dauert diese Affäre nun schon, der sie in den Vereinigten Staaten den nicht gerade überraschenden Namen Deflategate gegeben haben. Dem Footballklub New England Patriots und dessen Spielmacher Tom Brady wird vorgeworfen, im Halbfinale der Saison 2014/2015 zu wenig Luft in die Bälle gepumpt und sich damit einen illegalen Vorteil auf dem Weg zum Titelgewinn verschafft zu haben. Ein Berufungsgericht in New York hat am Montag entschieden, dass Brady deswegen für die ersten vier Spiele der kommenden Saison gesperrt wird, die Patriots eine Million Dollar Strafe bezahlen und in den nächsten beiden Jahren bei der Verpflichtung von Nachwuchsspielern auf jeweils eine Wahl verzichten müssen.

463 Tage. Als die Ermittlungen der US-amerikanischen Profiliga NFL begannen, war Donald Trump noch ein skurriler Geschäftsmann mit einer witzigen Castingshow. Sepp Blatter war Fifa-Chef, Wolfgang Niersbach noch DFB-Präsident und Franz Beckenbauer der geniale Einfädler des Sommermärchens. Boston, die Heimatstadt der Patriots, war der Favorit auf die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2024, Los Angeles hatte keine Chance. 463 Tage. Der Mordprozess gegen den ehemaligen Footballprofi O.J. Simpson vor mehr als 20 Jahren dauerte nur 458 Tage.

Auf dass das Geldvermehren ungemindert weitergehen kann

Er ist sehr wahrscheinlich, das haben die Ermittler der NFL festgestellt, dass die Patriots damals betrogen haben, und dass Brady die Untersuchungen durch das Zerstören seines Mobiltelefons mit belastenden Textnachrichten behindert hat. Wer sich nun wundert, warum dem Klub die Meisterschaft 2015 nicht aberkannt wird und Brady den Titel als wertvollster Akteur des Endspiels behalten darf, dem sei gesagt: Die NFL ist kein Verband wie Fifa oder DFB, sondern ein wirtschaftlich orientiertes und denkendes Unternehmen.

In der NFL sind alle Klubs gleichberechtigt vertreten, die Verantwortlichen entscheiden ganz offen so, dass es ihrem Produkt und damit den Einnahmen möglichst nicht schadet und das Geldvermehren ungemindert weitergehen kann. Die Strafe gegen die Patriots und Brady ist hoch genug, dass sich die NFL fürs harte Durchgreifen auf die Schulter klopfen darf. Sie ist niedrig genug, dass ein größerer Skandal vermieden wird. Und all das Gedöns um Deflategate sorgt zudem dafür, dass die Menschen auch in der spielfreien Zeit über die Liga debattieren.

Diese Affäre ist ja auch nach 463 Tagen noch nicht vorbei, sogar ein Anrufen des Obersten Gerichtshofes gilt als wahrscheinlich - schließlich haben Brandys Anwälte am Freitag Ted Olson verpflichtet, der im Jahr 2000 George W. Bush vor eben diesem Gericht gegen Al Gore repräsentierte. Eine Anhörung beim Supreme Court gilt zwar als aussichtslos, doch könnte Brady diese Mittel ausschöpfen, um weiter für die Patriots auflaufen zu dürfen. Er ist 38 Jahre alt, sein Vertrag gilt noch für zwei weitere Spielzeiten. Das Endspiel in seiner vermutlich dann letzten Saison findet am 4. Februar 2018 statt. Noch 650 Tage.

© SZ vom 01.05.2016 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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