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Flügelflitzer:Batmans linke Klebe

Egal ob Ente oder Eichhörnchen - Tiere auf dem Spielfeld haben es im Profisport nicht leicht. Jetzt streckte ein Basketballer eine Fledermaus nieder. Kommt bald der Tier-Schiedsrichter?

Sepp Maier ist eine bayerische Frohnatur. In seiner aktiven Zeit als Torhüter war er für jeden Spaß zu haben. Egal ob Sandburgenbauen im Strafraum, kuriose Clownauftritte oder seine Biographie mit dem Titel "Ich bin doch kein Tor" - langweilig wurde es mit dem ehemaligen Bayern-Torwart nie. Unvergessen ist auch sein legendärer Hechtsprung im Jahr 1976 nach einem dreisten Erpel, der munter auf dem Spielfeld herumzuwatschelte. Sepp Maier war sofort da, machte sich lang und flog in Richtung Eindringling. Aber das Tier war schneller und entkam. Stellen wir uns die Situation einmal aus der Sicht des Tieres vor: Nichtsahnend und vom Stadionlärm verstört, fliegt urplötzlich ein menschlicher Körper heran, dessen riesige Handschuhe einem an die Federn wollen. Ein Schock.

Sepp Maier (Zweiter v.l.) und seine Kameraden im Duell mit einem Schwan im Jahr 1976. Im gleichen Jahr bekam es der damalige Bayern-Torwart auch mit einer Ente auf dem Platz zu tun.

(Foto: Foto: imago)

Tiere in Sportstadien haben es nun wirklich nicht leicht, ja sie schweben in Lebensgefahr. Schreckenszustände dürfte auch das scheue Eichhörnchen durchlebt haben, das 2006 sage und schreibe zehn Minuten lang auf dem Spielfeld des Londoner Highbury Stadions umherirrte. Beim Champions League Spiel zwischen Arsenal und Villareal sauste der nervöse Nager immer wieder auf den Platz, weil er vor lauter Verzweiflung nicht mehr wusste wohin. Immerhin hatte der damalige Arsenal-Torwart Jens Lehmann erbarmen und ließ das Tier in Ruhe.

Knockout per Baseball

Weniger Glück hatte ein Vogel, der bei einem Spiel der nordamerikanischen Baseballliga MLB in die Flugbahn des vom Pitcher geworfenen Balles geraten war. Das Duell zwischen dem mit knapp 160 km/h abgefeuerten Wurfgeschoss und dem Federvieh konnte letzteres nur verlieren. Ein dumpfer Schlag, ein paar wehende Federn und der Vogel lag am Boden. Mit solch einer Granate rechnet man als friedlich umherfliegender Vogel ja auch nicht.

Einer Taube erging es im Januar diesen Jahres ähnlich. Beim Warmschießen vor dem FA-Cup-Duell zwischen Ipswich und dem FC Chelsea schoss Michael Ballack den Vogel ab - besser gesagt die Taube. Sie war zu nah ans Tor geraten, Ballacks rechte Klebe setzte es Schach-Matt - zumindest für einige Sekunden: Denn nach einer Verschnaufpause flog die Taube leicht benommen wieder weg - und hält sich in Zukunft mit Sicherheit von Stadien und fliegenden Bällen fern.

Ob das auch die Fledermaus macht, die am vergangenen Samstag, also ausgerechnet am Halloween-Wochenende, von dem argentinischen NBA-Spieler Manu Ginobili von den San Antonio Spurs attackiert wurde? Im Spiel gegen die Sacramento Kings hatte sich das Flugtier in der Halle der Texaner verirrt. Der Kings-Spieler Kevin Martin war beim Korbleger noch entgeistert zurückgeschreckt und wich dem Tier verängstigt aus. Auf den Rängen brach großes Gelächter aus. Dann schlug die Stunde des Basketball-Derrwischs Ginobili: Mit einer blitzschnellen und ebenso kräftigen Linken holte der 1,98 Meter Hühne das im Tiefflug befindliche Vieh auf den Boden der Tatsachen zurück.

Ginobilis Hieb hatte gesessen. Der Argentinier hob das reglose Tierchen wie eine Trophäe in die Luft und übergab es unter dem Gejohle der Fans einem Ordner. "Oh, Manu knocked it out of the air!", rief der Kommentator jubelnd als ginge es um einen krachenden Slam Dunk. Was der Moderator von NBA.tv, etwas fragwürdig, als "einen der coolsten Momente der NBA-Geschichte" bezeichnete, hat im Sport eine lange Tradition - das können die verirrten Enten, Eichhörnchen, Vögel und nun auch die Fledermaus sicher bestätigen: Ein Tier in einer Sportarena lebt gefährlich.

Was sagen die Tierschützer?

Man stelle sich nun einmal vor, wohin diese Angriffe langfristig führen könnten: Tierschützer werden bald auf den Plan gerufen, die vehement gegen die Viecherhetze protestieren, der Landesbund für Vogelschutz sendet Spielbeobachter ins Stadion, die den korrekten Umgang mit tierischen Flugfremdkörpern auf dem Platz überprüfen. Und, wer weiß das schon genau, vielleicht liegen sie ja schon in den Schubladen des DFB, die Maßnahmenkataloge zur Einführung eines Tier-Schiedsrichters ("Tor nicht gegeben wegen Vogelirritation des Gegners"). Denkbar wäre auch ein Verbot jeglicher Art von Gewaltschüssen zum Schutz der Tiere. Wer zu hart draufhaut, gefährdet verirrte Tauben, Spatzen, Flugenten und eben Fledermäuse. Von gezielten Angriffen wie dem Linkshaken Ginobilis ganz zu schweigen.

Wie es der bemitleidenswerten Fledermaus inzwischen geht, ist übrigens nicht überliefert. Klar ist aber, dass ihr K.O.-Auftritt zumindest einige vermeintlich furchtlose NBA-Riesen in San Antonio wie ängstliche Kirchenmäuse aussehen ließ, so schnell hüpften sie beiseite. Anders der herzhaft zupackende Manu Ginobili, der am Ende doch nicht ganz so mutig war, wie gedacht: Auf seiner Facebook-Seite gab der Hühne bekannt, dass er sich gleich nach seinem Intermezzo mit dem Tier einer Tollwutimpfung unterzog. Auch um seine Fans sorgt er sich und rät ihnen, ihre Hände von "jeglichem Getier wie Fledermäusen, Stinktieren, Waschbären oder Ratten" zu lassen. In NBA-Kreisen trägt er seither den Spitznamen "Batman", Sepp Maier müsste demnach der "Entenmann" statt die "Katze von Anzing" sein und Jens Lehmann der ... aber lassen wir das.

Start der NBA-Saison

Im Westen viel Neues