Florian Lipowitz hielt kurz den Daumen nach oben, dann rollte er allein weiter Richtung Ziel. Nach seinem Unfall auf der zweiten Etappe der Deutschland Tour gab der Radsport-Shootingstar leichte Entwarnung, wie schlimm es den Gesamtdritten der Tour de France aber wirklich erwischt hat, blieb zunächst offen.
„Es schaut so aus, als hätte ich mir nicht ganz so doll wehgetan. Wir müssen einen genauen Check machen und dann schauen wir, wie es weitergeht“, sagte Lipowitz im ZDF. Betroffen ist vor allem die rechte Hand. Es gehe jetzt darum, „ob ich den Lenker halten kann oder nicht“, ergänzte der 24-Jährige.
Der Ulmer war 16 Kilometer vor dem Ziel in einer Linkskurve von der Straße abgekommen und frontal gegen einen Stromkasten geknallt, nach einer kurzen Behandlungspause konnte er weiterfahren. Letztlich kam Lipowitz abgeschlagen über acht Minuten nach Tagessieger Jhonatan Narváez als 102. ins Ziel von Arnsberg. Als „eine Schrecksekunde“ beschrieb Lipowitz' Sportlicher Leiter Bernhard Eisel vom deutschen Topteam Red Bull-Bora-hansgrohe den Unfall.
Auch den deutschen Meister Georg Zimmermann erwischte es in derselben Kurve, allerdings etwas schlimmer. Der Augsburger kam zu Fall und blieb zunächst liegen. Bereits in der Anfangsphase der 189 hügeligen Kilometer von Herford nach Arnsberg im Sauerland mit 2399 Höhenmetern war Zimmermann, der die Tour de France zuletzt nach einem Crash vorzeitig beenden musste, gestürzt.Im kuriosen Finale der Königsetappe setzte sich Narváez (UAE Emirates-XRG) aus einer Dreiergruppe heraus durch. Der letztlich zweitplatzierte Riley Sheehan (Israel-Premier Tech) hatte wenige Meter vor dem Zielstrich bereits siegessicher die Arme nach oben gerissen, der Ecuadorianer Narváez raste aber noch vorbei. Dritter wurde zeitgleich der norwegische Prolog-Sieger Sören Waerenskjold (Uno-X Mobility), der zugleich die Gesamtführung von Lipowitz' Teamkollegen Danny van Poppel übernahm.
Der Unfall von Lipowitz und das Blaue Trikot des Gesamtführenden verloren: Für das Red-Bull-Team verlief der Freitag überhaupt nicht nach Wunsch. „Kein perfekter Tag“, meinte Eisel.Lipowitz hatte vor seinem Unfall trotz der Nachwehen einer Erkältung bis zu seinem Unfall unermüdlich für van Poppel gearbeitet. Ohne die wichtige Unterstützung war der Niederländer in der Entscheidung letztlich chancenlos. Bester Deutscher wurde der Tübinger Marius Mayrhofer auf Rang vier acht Sekunden hinter dem Spitzentrio.
Am Samstag auf der dritten Etappe geht es erneut wellig zur Sache. Auf den 175,7 Kilometern von Arnsberg nach Kassel warten 2720 Höhenmeter auf die Fahrer, die größte Herausforderung birgt der Buttenberg zur Hälfte des Rennens, auch kurz vor dem Ziel geht es kurz bergauf. Am Tag darauf endet die Tour mit einer Flachetappe nach Magdeburg.


