Hansi Flick:Er hat immerhin nicht Nein gesagt

Nationalmannschaft paddelt auf Mittelmeer

Lange zusammen beim DFB: Joachim Löw (rechts) und Hansi Flick.

(Foto: Markus Gilliar/dpa)

Hansi Flick ist der logische Wunschkandidat auf die Nachfolge von Joachim Löw als Bundestrainer. Der Coach des FC Bayern verweist auf seinen Vertrag bis 2023 - aber er sagt auch nicht ab.

Von Sebastian Fischer

Es gab mal eine Zeit, da waren Pressekonferenzen mit Hansi Flick für den deutschen Fußball von nachrangiger Bedeutung, da legte er selbst großen Wert drauf. Acht Jahre lang, von 2006 bis 2014, war Flick der Assistent von Bundestrainer Joachim Löw, und acht Jahre lang sagte er damals mit großer Überzeugung so gut wie nichts von Relevanz, wenn er mal selbst während einer Welt- oder Europameisterschaft auf dem Pressepodium saß. Die Neuigkeiten sollte der Chef verkünden, so sah er das.

Am Freitagmittag saß Hansi Flick, der Trainer des FC Bayern, für eine Videopressekonferenz vor der Kamera, wie es gerade mindestens einmal pro Woche der Fall ist, immer vor einem Spiel des Bundesliga-Tabellenführers. Streng genommen hat Flick auch diesmal keine Neuigkeiten verkündet - mal abgesehen davon, dass am Samstag im Auswärtsspiel bei Werder Bremen Rechtsverteidiger Benjamin Pavard nach seinem positiven Corona-Test in den Kader zurückkehrt. Und doch sagte Flick etwas für den deutschen Fußball sehr Relevantes. Jedenfalls möglicherweise.

"Ich habe Vertrag bis 2023 und möchte hier bei Bayern München noch sehr erfolgreich arbeiten und mehrere Titel gewinnen", sagte Flick. Spekulationen darüber, wie seine Zukunft aussehe, "verbieten sich". Doch auf die Nachfrage, ob das nun ein klares Nein zu einer möglichen Zukunft als Bundestrainer sei, sagte Flick: "Ich habe alles dazu gesagt." Und damit hatte er nach Logik der Branche immerhin nicht Nein gesagt.

Flick lächelt fröhlich - und lobt Joachim Löw

Als Flick am Mittag den Presseraum an der Säbener Straße betrat, war es ziemlich genau drei Tage her, dass sein früherer Chef Joachim Löw angekündigt hatte, nach der Europameisterschaft in diesem Sommer nach 15 Jahren als Bundestrainer zurückzutreten. Schon am Tag der Mitteilung hatte sich der erste von drei gemeinhin zu den Favoriten auf seine Nachfolge auserkorenen Trainern dazu geäußert: Jürgen Klopp, Coach des FC Liverpool, erklärte mehrmals, er habe ja schon einen Job. Favorit Nummer zwei, Ralf Rangnick, betonte dagegen sehr bewusst, derzeit keinen Job zu haben. Lothar Matthäus, zunächst mal nur Kandidat aus Folklore, sagte nun in einem Bild-Podcast, sich Gedanken zu machen, wenn die Bundestrainer-Frage auf ihn zukäme. Und für U21-Trainer Stefan Kuntz, ebenfalls wohl eher ein Außenseiter-Kandidat, gehört es sich als DFB-Angestellter nicht, sich zu voreilig zu Wort zu melden. Hansi Flick, Favorit Nummer drei, konnte nun nicht mehr anders.

Er ergriff das Wort, ohne die erste Frage abzuwarten, und sprach über das Thema, "das für alle aktuell und wichtig ist". Er lächelte fröhlich. Dann lobte er Löw, sprach über seine sehr erfolgreiche und schöne Zeit beim Deutschen Fußball-Bund, für den er nach 2014 noch bis 2017 als Sportdirektor gearbeitet hatte. Und so leitete Flick dazu über, dass er auch beim FC Bayern gerade eine sehr erfolgreiche und schöne Zeit habe. Doch das ist es ja unter anderem, was ihn für DFB-Direktor Oliver Bierhoff und dessen Suche nach einem Löw-Nachfolger so interessant machen dürfte.

Flick, 56, hat in seinen inzwischen mehr als 16 Monaten als Cheftrainer des FC Bayern nicht nur sechs Titel gewonnen und eine der erfolgreichsten Spielzeiten der Vereinsgeschichte verantwortet. Flick hat das auch in einer Art und Weise getan, mit der er schon mal ein paar Nationaltrainer-Fähigkeiten andeutete. Kleines Beispiel: Sein größter Erfolg, der Gewinn der Champions League, war ein Turniersieg im Sommer, vorbereitet nicht zuletzt auf seine Initiative durch ein Trainingslager an der Algarve, begleitet von der Wahl eines Hotels mit einem Golfplatz nebenan, auf dem Thomas Müller mit den Kollegen abschlug - ähnlich wie einst beim WM-Titel in Brasilien 2014. Waren es im November 2019 die Weltmeister von damals, die Flick beim FC Bayern den Einstand als Chef erleichterten, wären es beim DFB nun die Champions-League-Sieger von 2020, die den Übergang nahezu nahtlos gestalten würden.

Es braucht also nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass Flick ein Wunschkandidat von Bierhoff sein könnte. Zumal der sich noch vor Löws Entschluss zum Ärger von Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge zur Aussage hatte hinreißen lassen, Flick den Job "absolut" zuzutrauen. Die Äußerungen des DFB-Direktors und des zweiten Kandidaten Rangnick scheinen sich zudem in einem Punkt womöglich nicht ganz miteinander zu vertragen. Bierhoff sagte am Donnerstag in einer Pressekonferenz mit Löw und DFB-Präsident Fritz Keller: "Wir haben absolut keine Zeitnot." Rangnick sagte dagegen: "Für mich ist es in erster Linie eine Frage des Timings. Im Moment bin ich frei." Wie schnell er aber schon nicht mehr frei sein könnte, zeigte die Meldung vom Freitagnachmittag, dass Rangnick Sportvorstand bei Schalke 04 werden könnte.

Dass Flick trotz seines Vertrags bis 2023 und trotz seiner bestehenden Titelziele in München demnächst frei für den Bundestrainerjob sein könnte, wird gemeinhin auch auf ein nicht immer ganz unkompliziertes Verhältnis zu seinem aktuellen Sportchef Hasan Salihamidzic zurückgeführt. Was das betrifft, äußerte sich Flick am Freitag versöhnlich. In jeder Partnerschaft könne es mal zu Unstimmigkeiten kommen, das sei ganz normal. In Bremen könnte ein Grund für diese Unstimmigkeiten mal wieder zur Sprache kommen: Lucas Hernández, der teuerste Transfer der Klubgeschichte und unter Flick meist Ersatz-Linksverteidiger, könnte für den mit muskulären Problemen beschäftigten Alaba als Innenverteidiger auflaufen - auf jener Position, auf der ihn Salihamidzic gerne öfter sähe und in Zukunft sieht.

Ob Flick ihn dort in der kommenden Saison einsetzen wird? Oder ob er sich dann doch vielleicht um die Abwehrprobleme der deutschen Nationalmannschaft kümmern muss? Ein Vertrauter Flicks dürfte die Gedanken des Bayern-Trainers dazu übrigens womöglich schon kennen, er hat am Montag mit ihm telefoniert. Joachim Löw, erzählte Flick, habe ihm schon einen Tag vor der Öffentlichkeit von seinem geplanten Rücktritt berichtet.

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