Flick in Hoffenheim Trennung als Provinzposse

Ihre Zusammenarbeit ist nun Geschichte: Dietmar Hopp (links) und Hansi Flick.

(Foto: dpa)

Den Abschied von Hansi Flick aus Hoffenheim versteht nur, wer die speziellen Regeln dieses Klubs kennt. Hier wird eifersüchtig um die Gunst des Mäzens Dietmar Hopp gerangelt.

Kommentar von Christof Kneer

Vor ein paar Jahren hätte man diese schlechte Nachricht vielleicht sogar für eine gute Nachricht gehalten. Dass die Leute im Stadion in Sinsheim bei Rückpässen zu pfeifen beginnen und der TSG Hoffenheim ein Zuschauerproblem attestiert wird, würde ja immerhin bedeuten, dass es in Hoffenheim überhaupt Fans gibt, nicht wahr? Vor zehn Jahren stand die TSG im Zentrum der Traditionsklubs- versus Kommerzklub-Debatte, die TSG war damals sogar umstrittener als RB Leipzig, was aber auch damit zusammenhängen könnte, dass es RB vor zehn Jahren noch gar nicht gab. Heute arbeiten sich Traditionalisten vorwiegend an RB ab, während Hoffenheim eher als ... ja was eigentlich gilt?

Die TSG 2018 ist eine gute Nachricht für Dortmund, Schalke, Leverkusen, Gladbach und, ja, auch RB Leipzig. Nach Lage der Dinge haben all diese Klubs, die einen eigenen Wettbewerb um die besten Plätze hinter dem FC Bayern austragen, einstweilen einen Konkurrenten weniger. Noch im Sommer galt die TSG als akute Bedrohung vor allem für die Traditionsmarken, es gab in Hoffenheim plötzlich Fans und dazu ein Team, das sich um die Champions League bewarb und von einem Trainer geführt wurde, der demnächst Dortmund oder Bayern, vielleicht sogar beide zusammen trainieren würde.

Trennung von Flick als Provinzposse

Und nun? Ist die TSG Achter, der gehypte Trainer ist dauergenervt, und tagesaktuell kommt die Meldung, dass Hansi Flick, der neue Geschäftsführer Sport, die TSG wieder verlassen wird.

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Der Klub und der Sport-Geschäftsführer verkünden die Trennung. Flick hatte ursprünglich einen Fünfjahresvertrag unterzeichnet.

Die Trennung vom branchenweit geschätzten Flick ist eine Provinzposse, die man nur verstehen muss, wenn man die speziellen Regeln dieses Klubs kennt, in dem viele eifersüchtig um die Gunst des Mäzens Dietmar Hopp rangeln. Einige dieser Menschen haben nun offenbar auch Flick den Eintritt in dieses spezielle Milieu verwehrt, ausgerechnet einem Mann, der aus der Gegend stammt und als Jogi Löws Weltmeister-Assistent und späterer DFB-Sportdirektor genügend Farbe gehabt hätte, einmal fürs große Ganze zu stehen.

So müssen sie am Hofe Hopps erst mal mit einem wenig schmeichelhaften Image leben: jenem, dass der Hof halt doch nicht groß genug ist, um seine guten Leute zu halten. Zuletzt hat die TSG ja auch drei Spieler an den FC Bayern verloren (Rudy, Süle, Wagner), der vierte folgt im Sommer (Gnabry), ein weiterer wird nach Schalke überlaufen (Uth).

Wofür die TSG außer ihrer anerkannt guten Jugendarbeit stehen will, ist zunehmend weniger erkennbar. Es sei denn, es geht ihr darum, als Farmteam des FC Bayern wahrgenommen zu werden.

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