FK Astana in der Champions League Vorzeigeprojekt des Regimes

Trainer Stanimir Stoilow (rechts) bereitet sich mit seinem Team auf die Champions League vor.

(Foto: AFP)
  • Der FK Astana ist der wohl ungewöhnlichste Klub, der an der Champions League teilnimmt.
  • Den schnellen Erfolg verdankt er der politischen Unterstützung des autoritären Regimes.
Von Johannes Aumüller

Als Sascha Franz 2010 sein Amt beim FK Astana antrat, hat er erst einmal gestaunt. Über die Stadt, die sie in der kasachischen Steppe am Reißbrett hochgezogen haben, über den neuen Flughafen, auch über das neue Stadion, das wegen der extremen Witterungsschwankungen mit Kunstrasen und einem verschließbaren Dach ausgerüstet ist. Die sportliche Qualität war damals auch schon besser als aus der Ferne geurteilt, "unteres Erst-, gutes Zweitliga-Niveau", sagt Franz, der in Astana zusammen mit Holger Fach zwei Jahre lang tätig war und heute als Co-Trainer bei Darmstadt arbeitet.

Aber dass es mit dem Klub so schnell bergauf gehen würde, dass er am Dienstag bei Benfica Lissabon sein Debüt in der Gruppenphase der Champions League gibt, das hätte er damals auch nicht gedacht.

Kasachische Delegation in Monaco

Es ist nun sechs Jahre her, dass Europas Fußballverband (Uefa) seinen Qualifikationsmodus für die Champions League umgestellt hat und für die Titelträger nicht ganz so starker Fußballnationen jeweils fünf Plätze in der Gruppenphase reserviert sind. Seitdem hat sich das Establishment des Betriebs daran gewöhnt, auch mal Außenseiter wie Cluj, Debrecen oder Razgrad in der Vorrunde zu begrüßen - oder die Weißrussen von Bate Borissow, die ihren Qualifikationszweig bereits zum vierten Mal erfolgreich bewältigt haben und bald schon selbst zum Fußball-Establishment gehören. Aber dieser FK Astana aus der Hauptstadt Kasachstans ist der vielleicht ungewöhnlichste und außenseiterischste Außenseiter, der sich die Startberechtigung erkämpft hat.

In Europa waren sie jedenfalls arg erstaunt, als zur Auslosung der Gruppenphase in Monaco auch eine kasachische Delegation anreiste. Es hat auch zu der einen oder anderen kleineren Irritation geführt, wie sie in Astana mit etwas Verdruss bemerkt haben. Das seriöse britische Blatt Independent schrieb versehentlich von einer "afghanischen Mannschaft FK Astana". Ein gewisser Lukas Podolski, der inzwischen für Astanas Gruppengegner Galatasaray Istanbul aufläuft, hinterließ als Reaktion auf die Auslosung in den sozialen Netzwerken ein ironisches "Kann es kaum erwarten" mitsamt Borat-Abbildung - jener Kunstfigur des Komikers Sacha Baron Cohen, die Kasachstan schon manches Mal lächerlich gemacht hat.

In Astana selbst sind sie übrigens nicht ganz so überrascht wie im Westen Europas. Der Klub ist nicht zuletzt auch ein politisches Projekt. Schon seit ein paar Jahren versucht Kasachstans Regierung um den autoritären und seit 1990 herrschenden Präsidenten Nursultan Nasarbajew, den Sport als Botschafter des Landes einzusetzen. Die Welt kennt (und beargwöhnt) bereits seit Längerem das Rad-Team Astana. Die frühere Hauptstadt Almaty kämpfte zuletzt um die Austragung der Olympischen Winterspiele 2022 und unterlag nur knapp Peking, obwohl sie das bessere Konzept hatte. Und Teil III des kasachischen Sportaufbruches ist eben der Fußball.