Para-Langlauf-Weltcup im Bayerischen WaldEin 500-Einwohner-Dorf im Ausnahmezustand

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Noch ist es ruhig beim SV Finsterau, Südkoreas Para-Team trainiert aber bereits im Bayerischen Wald.
Noch ist es ruhig beim SV Finsterau, Südkoreas Para-Team trainiert aber bereits im Bayerischen Wald. FIS Para Cross-Country World Cup Finsterau/oh

Für Finsterau ist die Ausrichtung des Para-Langlauf-Weltcups eine Ehre – und ein Kraftakt zugleich. An Kuchen immerhin dürfte es nicht fehlen, nach einem Spendenaufruf des Bürgermeisters.

Von Mads Poschardt

Im kleinen Ort Finsterau im Bayerischen Wald werden in der kommenden Woche so viele Gäste wie Einwohner sein. Rund 500 Menschen umfasst die Gruppe aus Para-Athleten und Betreuern, die vom 13. bis 18. Januar zum Para-Langlauf-Weltcup in das 500-Einwohner-Dorf in Niederbayern reisen. Empfangen werden sie vom SV Finsterau. Der Verein hatte sich im vergangenen Jahr erfolgreich um die Austragung beworben. Seitdem sind rund 100 Mitglieder und Helfer mit der Vorbereitung beschäftigt. Alle ehrenamtlich. „Da ist wirklich keiner dabei, der sein Brot mit Wintersport verdient“, sagt Stefan Dorner, der die Medienarbeit übernimmt. „Das macht es so besonders, hier mitzuarbeiten. Es geht nur um die Sache.“

Bis weit in den Dezember hinein hatten sie aufgrund von Schneemangel um die Umsetzung gezittert, doch die niedrigen Temperaturen um Neujahr ließen eine Beschneiung der Loipe zu. Der Schneesturm in den Tagen danach blies die letzten Zweifel weg. „Jetzt sind wir alle ein bisschen belohnt worden für den Einsatz der vergangenen Monate. Jetzt sind die Bedingungen perfekt“, sagt Dorner.

Der SV Finsterau wurde 1957 als Fußballverein gegründet. Weil seine Mitglieder so wintersportbegeistert sind und es die Loipen im Ort schon gab, schwenkten sie hier irgendwann um. 1987 trugen sie den ersten großen Wettkampf aus. Tobias Angerer und Jochen Behle waren für die deutsche Langlaufmeisterschaft zu Besuch. Seitdem haben sich die Mitglieder nach und nach zu Experten für Präparierung, Catering und Gastfreundschaft gemacht. Immer wieder richten sie internationale Veranstaltungen aus. Zuletzt den Para-Langlauf-Weltcup vor sechs Jahren.

Beim SV Finsterau rechnen sie mit ein paar Hundert Zuschauern pro Tag, der Eintritt ist frei

Dieses Mal sind so viele Athleten dabei, wie nie zuvor. Im Paralympics-Winter ist der Weltcup nahe der tschechischen Grenze eine der drei Stationen, bei denen man sich für den Höhepunkt qualifizieren kann. Seit Anfang der Woche schon ist das südkoreanische Team da. Insgesamt reisen über 200 Athletinnen und Athleten aus 27 Ländern an. Für den Tourismusverband der Ferienregion Bayerischer Wald, der sich um die Unterbringung kümmert, keine leichte Aufgabe. Schließlich müssen viele Zimmer barrierefrei sein. Dann kam im Dezember noch diese Nachricht: Unter neutraler Flagge lässt der Ski-Weltverband Fis nach einem Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs Cas auch wieder russische und belarussische Athleten zu Wettkämpfen zu. Daraufhin meldete sich direkt eine russische Delegation von über 30 Athleten und Betreuern an. Aber auch diese Hürde wurde genommen.

Am Dienstag wird die Eröffnungsfeier mit dem Einzug der Nationen abgehalten. Die Rennen in den verschiedenen Handicap-Klassen (stehend, sitzend, sehbehindert) und über Distanzen vom Sprint (ein Kilometer) bis zur mittleren Distanz (zehn Kilometer) finden von Mittwoch bis Sonntag statt. Beim SV Finsterau rechnen sie mit ein paar Hundert Zuschauern pro Tag, auch haben sich schon einige Schulklassen aus der Region angemeldet für die Wettkämpfe, die jeden Tag um 10 Uhr morgens beginnen und keinen Eintritt kosten. Insgesamt gehe es hauptsächlich darum, „die Menschen in der Region für diesen Sport zu begeistern“, betont Dorner.

Das Catering bewerkstelligen zwei Frauen aus dem Vereinsumfeld. Sie kochen jeden Tag für die mehr als 500 Menschen. Zuvor hat schon der Bürgermeister die Gemeindemitglieder zu Kuchenspenden aufgerufen. Dorner rechnet sogar damit, dass es am Ende mehr Kuchen gibt, als gegessen werden kann. Die Kuchenverkäufe sind, wie Dorner sagt, auch kein unwesentlicher Teil des Finanzierungskonzepts. Neben Geldern regionaler Sponsoren und den Anmeldegebühren der Athleten sorgen sie auch dafür, dass der SV Finsterau wohl sogar einen leichten Gewinn machen kann.

Und auch der Pistenbully-Fahrer, der im Hauptjob Lkw fährt, wird einiges zu tun bekommen. Besonders für die Wettbewerbe der Sehbehinderten und Blinden muss die Loipe perfekt präpariert sein. Am Wochenende schneit es wohl stark.

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