Finanzkrise bei 1860 München Prima Schulden

Zweitligist 1860 München und Investor Ismaik stehen kurz davor, ihre Finanzlücke zu schließen - und haben aus diesem Anlass einen Lösungsansatz für künftige Investitionen gefunden. Allerdings stehen noch wichtige Unterschriften aus.

Von Markus Schäflein und Philipp Schneider

Im Fanartikel-Shop des Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München gibt es seit kurzem einen neuen Artikel zu erwerben. Eine Spardose. Gefertigt ist diese Dose in Form eines Löwen aus Polyresin, einer Art flüssigem Kunstharz, das als absolut bruchfest, witterungssicher und frostbeständig gilt. Eine feine Sache also.

Investor Hasan Ismaik will dem TSV 1860 München helfen, den von der DFL geforderten Liqiditätsnachweis bis zum 13. Januar zu erbringen.

(Foto: dapd)

Mit etwas Glück wird sich dieser neue Artikel ganz vortrefflich verkaufen und so den jährlichen Gewinn der Fanartikel GmbH von zuletzt 140.000 Euro im nächsten Jahr weiter in die Höhe treiben - von dem der Großteil wiederum ohne Umwege direkt in die Spardose von Investor Hasan Ismaik fließen könnte.

Am Sonntagabend jedenfalls saß 1860-Präsident Dieter Schneider vor seinem PC und las alle E-Mails, die Ismaik und sein Vertreter Hamada Iraki übers Wochenende geschickt hatten. "Ich arbeite mich durch die schriftlichen Fassungen dessen, was wir in den vergangenen Tagen kreuz und quer am Telefon geklärt haben", sagte Schneider, "den einen oder anderen Klärungsbedarf" entdeckte er dabei noch.

Die Pläne: Der e.V. soll seine Anteile an der Fanartikel GmbH dem Investor überschreiben. Geschäftsführer Robert Schäfer hofft, dass die Unterschriften von Statthalter Iraki und Präsidium des e.V. bis Mitte der Woche geleistet werden; dazu stehen noch die nötigen Unterschriften der Hauptversammlung aus, einem Gremium, in dem das Präsidium des e.V. vertreten ist.

"Wir stehen noch in Verhandlungen", sagte 1860-Vizepräsident Franz Maget, "bislang haben wir uns lediglich gegenseitig zugesichert, dass wir die DFL-Auflagen (bis zum 13. Januar 2,3 Millionen frisches Kapital, d. Red.) bis zum Stichtag erfüllen wollen."

Sowohl Kaufpreis als auch Laufzeit sind dabei noch nicht abschließend festgelegt. Der Vorschlag Ismaiks, der derzeit im Raum steht, sieht eine Million Euro für 20 Jahre vor. In diesem Jahr lag der Gewinn der GmbH bei 140.000 Euro, es gab jedoch bereits Geschäftsjahre mit Gewinnen von über 200.000 Euro. Bis zu einer - ebenfalls noch zu verhandelnden - Obergrenze fließt der gesamte Gewinn auf das Konto von Investor Ismaik, falls die Gesamtsumme jene Obergrenze überschreitet, wird sie unter den Vertragspartnern aufgeteilt.

In dem Vorschlag wird die Grenze mit etwa 120 000 Euro beziffert - was zu einem kleinen Rechenexempel einlädt: 20 Jahre à 120 000 Euro gleich 2,4 Millionen Euro, dazu ein satter Anteil der Mehreinnahmen im Falle eines Aufstiegs (was bei einer Laufzeit von 20 Jahren selbst bei Sechzig nicht vollkommen abwegig ist) - macht unterm Strich bei vorsichtiger Schätzung zwischen drei und vier Millionen Euro, die es für eine Million zu haben gibt.

TSV 1860 München

Gefangen zwischen Tradition und Chaos