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Finanzkrise bei 1860 München:Eine Million reicht nicht

Festgeschrieben werden soll nach Wunsch des Vereins zumindest, wie der Investor diese Gewinne dann in die Spielbetriebs-KGaA investiert. "Zu den Stellschrauben, an denen wir jetzt noch drehen können, gehört neben Kaufpreis und Laufzeit auch die Verwendung der Erlöse", meinte Maget. Zur ebenfalls wichtigen Frage, ob der Investor die Fanartikel GmbH weiterveräußern kann, sagte Schneider: "Wir machen uns über alle Eventualitäten sehr gute Gedanken."

TSV 1860 München

Gefangen zwischen Tradition und Chaos

Weil diese Million Euro nicht reicht, um das kurzfristige Finanzierungsloch zu füllen, kommt ein Darlehen in Höhe von 1,3 Millionen Euro dazu - das der Investor der KGaA zu einem Zins von fünf Prozent zur Verfügung stellt. Laut Geschäftsführer Schäfer muss dieses Darlehen von der KGaA nur getilgt werden, falls diese in einem Geschäftsjahr Gewinn erwirtschaftet (was zuletzt in der Saison 2006/07 der Fall war) oder Erlöse aus Spielertransfers erwirtschaftet.

Auch Schneider, der stets vor erneuter Verschuldung warnte, kann daher mit dieser Lösung leben: "Es ist eine Art von Darlehensverträgen, die nicht zur Überschuldung führen", sagte er. "Ob und inwieweit sie dann zurückgezahlt werden, ist offen - jedenfalls nur, wenn es liquiditätsmäßig möglich ist."

Diese Darlehen - mit Rangrücktrittserklärung, also eigenkapitalersetzendem Charakter - können demnach nicht zu einer Insolvenz führen; sie seien das Modell, in dem von Ismaik auch Investitionen in Spieler getätigt werden könnten: "Das ist das System, wie man es künftig handhaben kann", sagte Schneider. So haben die Löwen nicht nur ihre Finanzlücke gefüllt, sondern aus diesem Anlass offenbar auch einen Lösungsansatz für die Zukunft gefunden.

Ungeklärt ist dennoch, ob bis Ende der Transferperiode (31. Januar) noch Zugänge kommen. Dem Vernehmen nach soll Ismaik bereit sein, noch im Winter gut eine Million Euro für Transfers (Darlehensbasis) bereitzustellen. "Das ist eine Entscheidung, die der Investor treffen muss, weil es sein Geld ist", sagt Maget. "Er muss zu dem Ergebnis kommen: Unter diesen Bedingungen mache ich es. Und wir müssen darauf achten, dass es nicht zu einer Verschuldung der KGaA kommt - und dass 50+1 gewahrt wird."

Die Investorenseite hatte nämlich die Tage zwischen den Jahren genutzt, um sich bei der DFL zu erkundigen, ob von den im Kooperationsvertrag getroffenen Regelungen abgewichen werden könnte. Nachdem die DFL alle Vorschläge ablehnte - einen vermeintlich neutralen Mediator ebenso wie Entscheidungsbefugnisse für den paritätisch besetzten Beirat -, gibt es nun zumindest Anzeichen, dass auch die Investorenseite zu dem Ergebnis gekommen ist, dass sich 50+1 nicht aushebeln lässt.

Nun müssen sich Klub und Investor nur noch in den Details der vorrangigen Deals einigen, bis 13. Januar spätestens. "Wir werden das vielleicht auf den vorletzten Drücker machen", sagt Schneider, "aber nicht auf den letzten."