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Finanzen im Profifußball:Juristisch höchst kompliziert

Die Forderung von Bayerns Ministerpräsident Söder, wonach hoch bezahlte Spieler in der Corona-Pandemie auf Teile ihres Gehalt verzichten sollen, erregt Aufsehen.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sprach von einem "Beitrag" zur Überwindung der Krise, der Kölner Geschäftsführer Horst Heldt von "populistischen Scheißausdrücken". In Fußball-Deutschland ist eine Diskussion über die Solidarität der Profis entbrannt. Forderungen, wonach hoch bezahlte Profis in der Corona-Pandemie auf Teile ihres Gehalt verzichten sollen, erregen Aufsehen. "Ich fände es in Ordnung, wenn Spieler, die ganz große Gehälter bekommen, zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebes gegenüber ihrem Arbeitgeber, ihren Vereinen, ein bisschen zurückhaltender wären mit dem Geld", sagte Söder der Bild.

Ministerpräsident Söder ehrt FC Bayern

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder regt einen Gehaltsverzichte von Fußballprofis an.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Die Reaktionen sind kontrovers. "Ich weiß, dass Fußballprofis ein soziales Gewissen haben. Ich finde es unverschämt, das öffentlich zu diskutieren und infrage zu stellen", sagte Heldt. Dagegen hält Christian Seifert die Aussage des bayerischen Ministerpräsidenten für nachvollziehbar. "Was Markus Söder gesagt hat, ist das, was viele Menschen denken", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL). Er wisse "von Klubs, die längst mit ihren Spielern darüber sprechen und vielleicht schon umgesetzt haben. Viele Akteure müssen ihren Beitrag leisten."

29.02.2020, xjpx, Fussball 1.Bundesliga, 1.FC Koeln - FC Schalke 04 emspor, v.l. Sportdirektor Horst Heldt (Koeln) (DFL

Horst Heldt, Manager beim 1. FC Köln, widerspricht dem Vorschlag von Bayerns Ministerpräsidenten.

(Foto: Jan Huebner/imago)

Das sieht Samir Arabi ähnlich. "Es gibt keine Denkverbote mehr. Es geht um vielmehr als um Einzelschicksale", sagte der Sport-Geschäftsführer des Zweitliga-Spitzenreiters Arminia Bielefeld dem Westfalen-Blatt. Auch Schalkes Finanzvorstand Peter Peters schloss Gespräche mit den Profis über das Gehalt nicht aus: "Grundsätzlich sprechen wir über alles, was helfen kann. Aber wir müssen die Themen in der richtigen Reihenfolge abarbeiten." Eine juristische Handhabe, einem Profi trotz der durch die Corona-Pandemie verursachten finanziellen Einbußen weniger Gehalt zu zahlen, haben die Vereine nicht.

"Ohne die Zustimmung eines Spielers ist eine Kürzung des Gehalts nicht zulässig", sagte der auf solche juristischen Fragen spezialisierte Rechtsanwalt Andrej Dalinger gegenüber Sport1. Wollen Spieler auf Teile ihres Gehalts verzichten, müsse das mit jedem "einzelnen Spieler individuell" ausgehandelt werden. Fraglich sei jedoch, "ob sich viele Spieler, für die die Situation wegen ausbleibender Prämien- und Sonderzahlungen bereits mit Gehaltseinbußen verbunden ist, hierzu bereit erklären", kommentierte der Jurist. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke äußerte sich bereits am Sonntag in der ARD ähnlich skeptisch: "Das wird sicherlich geprüft werden. Aber ich bin, was das angeht, nicht der Zuversichtlichste."

© SZ vom 19.03.2020 / dpa
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