Finanzen beim 1. FC Nürnberg:Was passiert mit der Anleihe?

"Ich verstehe, dass wir hier an etwas kratzen, das einmal für viele bedeutsam war", sagte Aufsichtsratschef Thomas Grethlein. Er sei aber der Meinung, dass das Sicherungsinstrument gar nicht greifen würde - das Grundstück würde dennoch in die Insolvenzmasse fließen, mit dem Nießbrauchrecht zwar, aber "die restlichen Vereine wären dann gar nicht in der Lage, es zu erhalten und zu finanzieren". Meeske, der sich mit seiner offenen Rede zur äußerst schwierigen Finanzsituation einigen Kredit bei den Mitgliedern erworben hatte, drängte auf eine schnelle Entscheidung. "Da kommt natürlich der Begriff ,Tafelsilber ins Pfandhaus' auf, und es wirkt jetzt, als sei es eine Reaktion auf die zwei Millionen Verlust", sagte Meeske zu dem Plan, den es schon vor seinem Antritt gab: "Aber vorrangig geht es um die Anleihe."

Die im kommenden Frühjahr fällige Rückzahlung der Fan-Anleihe, mit der das neue Verwaltungsgebäude errichtet wurde, musste der Club vor einem halben Jahr gegenüber der Deutschen Fußball-Liga absichern, um die Lizenz zu erhalten; daher ließ sich Bader, der übergangsweise auch die Finanzen betreute, auf einen Deal mit einem "alternativen Finanzierungspartner" (Meeske) ein. Um den Partner wird ein großes Geheimnis gemacht, die Aussage eines Redners auf der Versammlung, dass es sich dabei um den Vermarkter Sportfive handele, bestritt aber niemand. Der Deal ist offenbar enorm hoch verzinst, daher würde ihn Meeske gerne beenden. Und das ist seinen Angaben nach nur bis Jahresende möglich: "Sonst läuft ein jahrelanger Vertrag zu ungünstigen Konditionen."

Aufsichtsratswahl des 1. FC Nürnberg

Bei der Aufsichtsratswahl des 1. FC Nürnberg haben sich die vier Favoriten durchgesetzt. Der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly wurde von den Mitgliedern mit 789 Stimmen im Amt bestätigt. Der Unternehmer Hanns-Thomas Schamel, der sein Amt in dem Gremium aus Protest gegen die ehemaligen Vorstände niedergelegt hatte und bei der vergangenen Versammlung mit einer Opposition gegen Martin Bader und Ralf Woy gescheitert war, erhielt diesmal mit 673 Stimmen ebenso ein deutliches Votum. Er sei "begeistert von den neuen Vorständen, die das Konzept verfolgen, das ich seit 2010 fahre", erklärte Schamel. Auf Christian Ehrenberg, der aus gesundheitlichen Gründen pausiert hatte, entfielen 552 Stimmen. Das Trio wurde für drei Jahre gewählt. Der frühere Radioreporter Günther Koch landete im ersten Durchgang auf Rang vier der 12 Bewerber (467 Stimmen) und wurde in einem zweiten Wahlgang mit 398 Stimmen als Nachrücker für zwei Jahre gewählt. Damit ist das neunköpfige Gremium wieder komplett. Erneut keine Chance hatte der frühere Nürnberger Fußballprofi Marc Oechler, der 2011 nicht wiedergewählt wurde und seitdem immer wieder kandidiert (199 Stimmen).

Er verstehe den "hehren Grundsatz", der dem Nießbrauchrecht zugrunde liege, sagte Meeske: "Aber er hat den Verein in teure alternative Finanzierungen gedrängt." Der Club könne sich "um eine Million Euro pro Jahr entlasten", wenn er stattdessen das Grundstück beleihen würde. Zudem sollen so Infrastrukturmaßnahmen - etwa das so genannte Ministadion für den Nachwuchs, ein neuer Kunstrasenplatz und die Hallensanierung - ermöglicht werden.

Viel Überzeugungsarbeit nötig

Selbst der mahnende frühere Schatzmeister Kemper stellte angesichts dieser Voraussetzungen fest, dass eine Beleihung zur Rückzahlung der Anleihe wohl sinnvoll sei: "Jetzt ist der Karren eben im Dreck." Seine Idee war, die Beleihung zur Abstimmung mit Obergrenzen für Höhe und Laufzeit zu versehen; dieser Vorschlag wurde auch von Gerd Lederer, dem zweiten Vorsitzenden des Dachvereins, und weiteren altgedienten Mitgliedern unterstützt. Meeske war allerdings nicht begeistert: "Dann müssten wir für jede weitere Anpassung wieder durch alle Einzelvereine."

Und Versammlungsleiter Dr. Adrian, der in alter Tradition mal wieder keinen Vornamen hatte, setzte Meeskes Version nach der Aussprache zackig durch. 448 Ja-Stimmen bedeuteten angesichts der leeren Halle 92 Prozent. Nun müssen noch die weiteren Abteilungen überzeugt werden. Meeske baut auf das "Grundverständnis, dass es einen gesunden Fußballbereich braucht, um den Dachvereinsgedanken zu erhalten". Ganz so einfach wie Sonntagnacht um halb zwölf wird die Überzeugungsarbeit allerdings nicht werden.

© SZ vom 13.10.2015/ebc
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