Die Finals:Auch Speed-Kanu-Polo? Ja, unbedingt!

Lesezeit: 2 min

Die Finals: Beim Speed-Kanu-Polo muss der Ball in ein Tor in zwei Metern Höhe.

Beim Speed-Kanu-Polo muss der Ball in ein Tor in zwei Metern Höhe.

(Foto: Juergen Engler/Imago/Nordphoto)

Manche Sportarten bleiben im Kampf um die Aufmerksamkeit hinter anderen zurück - besonders der Fußball dominiert alles. Die Finals in Berlin sind der richtige Weg gegen die Monotonie.

Kommentar von Volker Kreisl

Muss man jetzt auch noch Speed-Kanu-Polo zeigen? Da paddeln Vier gegen Vier durchs Becken, und fischen, werfen und schlagen den Ball ins oder aus einem Tor, das zwei Meter über dem Wasser in der Luft hängt. Schnell wird es dadurch, dass ein Angriff nur 30 Sekunden dauern und der Spieler den Ball nur fünf Sekunden halten darf. Klingt schwierig, aber muss man so was jetzt auch im TV bringen?

Speed-Kanu-Polo läuft gerade im Rahmen einer Multiple-Sports-Veranstaltung, den Finals 2022 in Berlin, die noch bis Sonntag diverse Deutsche Meister ermitteln. Die Finals sind eine weitere Erfindung von Sportmanagern, die das olympische Prinzip aufnehmen und Sport im geballten Angebot darreichen. 14 Disziplinen suchen also ihre nationalen Besten, die großen wie Leichtathletik, Turnen und Schwimmen, die mittleren wie Fechten, Rudern und Triathlon und die kleinen wie Rad Trial oder Speed-Kanu-Polo. Um die Frage zu beantworten: Ja, auch ein solches Paddelspiel im Fernsehen um die Deutsche Meisterschaft muss dazugehören.

Die wachsende Unwucht im Sport, in dem nicht nur der Fußball sondern auch Großsparten wie Tennis die Berichterstattung überlagern, macht es durchaus wertvoll, einmal im Jahr eine Klein-Sause mit in Sportredaktionen manchmal gemeinerweise Rest-Sportarten genannten Disziplinen zu veranstalten. Das Format, seit 2019 zweimal erprobt und einmal wegen Corona ausgefallen, hat sich bewährt.

Die TV-Übertragungen und Berichte verleihen den Finals eine Art Olympiagefühl

Die Finals sind sicher nicht der Anfang einer neuen Ordnung, aber sie fördern mehr Aufmerksamkeit für das verästelte bundesweite Sportangebot. Das Ganze passiert dabei mit einer gewissen Leichtigkeit. Deutsche Meisterschaften haben zwar für junge Leistungssportler und deren Karriere einen wichtigen - aber für den normalen Zuschauer nur einen durchschnittlichen Stellenwert. Der Reiz dieser Veranstaltung ist ein anderer. Es geht darum, ein Fest zu feiern. Das bedeutet immer: Viele kommen an einem Ort zusammen, nutzen die Chance, sich kennenzulernen, zu feiern, weitere Zuschauer anzulocken und somit Werbung für ihren Sport zu machen.

Den zweiten Effekt schafft das Fernsehen, in diesem Fall das öffentlich-rechtliche. Die Übertragungen und Berichte verleihen dem Ganzen eine zweite Art Olympiagefühl, den Effekt, dass neben den Zuschauern auf den Rängen im Hintergrund noch ein viel größeres Publikum zuschaut. Zudem kann dies direkt Werbung für den Nischensport bringen. Die meisten kleineren der Finals-Verbände hätten ohne das Prinzip Gesamtpaket keine Chance auf derart viel Sendezeit. Das gesamte Berliner Angebot, zu dem auch die seit Montag parallel laufenden Wettkämpfe der Special Olympics zählten, hat bislang alle Facetten des Sports gebracht. Auch wenn erwartungsgemäß erst am Wochenende ein Millionenpublikum dabei ist, so gab es schon unter der Woche harte Entscheidungen, etwa die Niederlage von Marcel Nguyen, des Olympiazweiten von 2012 am Barren, dessen Vortrag misslang.

Turnen zählt wie Leichtathletik oder Rudern zu den ehrwürdigen Sportarten, die seit über 100 Jahren betrieben werden. Speed-Kanu-Polo auch. Begonnen hatte da alles, ähnlich dem Fußball, auf der Insel. In Schottland wurde dieser Sport bereits 1880 betrieben, statt in Kanus saßen die Cracks in Fässern, weshalb von Speed aber noch keine Rede sein konnte. Auch nicht von schnellen Geschichten, Direktübertragungen und dem Kampf um Publikum und Sponsoren.

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