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Finale der Fußball-EM:Ronaldo weint auf dem Platz

Er ließ sich von den Medizinern der Portugiesen zur Seitenlinie begleiten und, einmal dort angekommen, rund zwei Minuten lang behandeln. Sie versuchten, den Schmerz mit Eis zu betäuben, legten ihm einen Verband ums linke Knie. Unter dem Jubel der portugiesischen Fans kehrte er zurück aufs Feld. Wie kein Zweiter hat Ronaldo seinen Körper in eine Rüstung verwandelt. Doch das war nicht genug, um der Pein zu entgehen: Als die 24. Minute lief, war die Tragik vollkommen wie der traurigste aller Fados. Ronaldo signalisierte, dass er ausgewechselt werden müsse.

Da saß er nun, mit zusammengekniffenen Lippen, die Arme hinter dem Körper in den Rasen gebohrt, und machte keine Anstalten mehr, den Platz aus eigener Kraft zu verlassen. Er forderte die Trage. Als die Sanitäter bei ihm angelangt waren, und er die Motte verscheucht hatte, die sich auf seine Wange gesetzt hatte, übermannte es ihn wieder. Die Tränen kehrten zurück. Und mit ihnen die Gedanken an all das, was nicht mehr werden würde.

Es gab nichts Tröstendes

Es gibt ja kaum etwas, was er nicht gewonnen hätte. Die Champions League, den Weltpokal für Klubs, die spanische, die englische Meisterschaft, drei Weltfußballer-Titel. Unter anderem. Doch in diesen Tagen träumte Cristiano Ronaldo nur davon, Portugal zum ersten internationalen Titel zu führen. Er, Ronaldo, wollte der Hauptdarsteller dieser Tat werden. Nani, dem Ronaldo die Kapitänsbinde um den Arm band, legte ihm die Hand in den Nacken und sprach ihm Tröstendes zu. Doch es gab nichts Tröstendes.

Auch nicht, als er rücklings auf der Trage lag und Tränen über seine Wangen liefen, und er kaum mitbekam, dass sich viele Fans von ihren Sitzen erhoben, um ihm zu applaudieren, als er den Platz verließ. Zum Ende der regulären Spielzeit kehrte Ronaldo dann auf die Bank der Portugiesen zurück, er trug eine Trainingsjacke, darunter seine kurze Hose, und so sah eben auch jeder seinen Verband am linken Knie. In der Unterbrechung vor der Verlängerung lief Ronaldo dann zu seinen Kameraden - und immer noch kullerten ihm die Tränen über die Wangen. Während der Verlängerung konnte er nicht mehr an sich halten, bei den Chancen der Portugiesen war er stets der erste auf der Bank, der aufsprang. Und auch als Eder in der 109. Minute das Tor des Abends erzielte, hörte Ronaldo nicht auf zu weinen.

Doch diesmal weinte er vor Glück. In den letzten elf Minuten war der sonst so coole Kapitän dann sichtlich aufgelöst, wie ein zweiter Trainer dirigierte er die Mitspieler. Kurz vor dem Ende der Verlängerung rempelte Ronaldo den eigentlichen Trainer, Fernando Santos, gar an. Der Mann, der sich sonst so gerne inszeniert, schien alles um sich herum vergessen zu haben. Vor der Siegerehrung streifte ihm Nani wieder die Kapitänsbinde über, es sollte jetzt Ronaldo vorbehalten sein, diese Trophäe als Erster in die Luft zu heben. Und so nahm Ronaldo den silbernen Pokal, er schaute ihn sich genau an, küsste ihn, reckte ihn empor. Dann hüpfte er auf und ab.

© SZ vom 11.07.2016/ebc
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