Fifa: Skandal bei WM-Vergabe:Wer stimmt ab am 2. Dezember?

Und so wird es spannend sein, zu beobachten, ob Tamarii und Amadu tatsächlich am 2. Dezember der Abstimmung fernbleiben müssen. Es tut sich da ja ein verfahrenstechnisches Problem auf: Die Mitglieder der Exekutive werden keineswegs von der Fifa gewählt oder bestellt, sondern von den Kontinentalverbänden gesandt. Was wohl bedeutet, dass die Fifa ein Mitglied gar nicht rauswerfen kann. Selbst wenn ihm ein Fehlverhalten einwandfrei nachgewiesen ist. So hatte die Fifa gegen den Nigerianer Amadu bislang nichts einzuwenden, obwohl der vor zwei Jahren schon wegen Korruption aus seinen nationalen Ämtern geflogen war.

Die ebenfalls suspendierten Aloulou, Diakite, Fusimalohi und Bhamjee spielen bei der WM-Vergabe überhaupt keine Rolle mehr, weil sie gar nicht mehr Mitglieder der Exekutive sind. Worin ihr Fehlverhalten im Hinblick auf die Endrunden 2018 und 2022 besteht, ist bislang nicht bekannt. Ausdrücklich verweist die Fifa aber auch hier, dass es sich um eine "provisorische Suspendierung" handle.

Zumindest bei Bhamjee hatte der Weltverband aber schon früher gewusst, mit wem er es zu tun hat: Während der WM 2006 in Deutschland war er nach Botswana heimgeschickt worden, weil er beim Verticken von WM-Karten gefilmt worden war. Zur Erinnerung: Wer bei der WM in Südafrika eine Eintrittskarte vor dem Stadion oder im Internet verkaufte, riskierte eine Haft von bis zu fünf Jahren. Unter anderem wegen dieses neuen Gesetzes hing den Gerichten in Südafrika der Ruf nach, ein Werkzeug der Fifa zu sein.

In Zürich mussten die Fifa-Funktionäre nun die Frage beantworten, ob man denn angesichts der neuen Entwicklungen nicht davon ausgehen müsse, dass der Verband als solches ein korruptes Unternehmen sei. Empörung regte sich daraufhin vorne am Pult: Das Vergehen Einzelner könne doch nicht auf das Ganze übertragen werden!

Dabei steht seit Juli dieses Jahres fest, dass Funktionäre Gelder kassiert haben, die für den Verband bestimmt waren. Das Strafgericht des Schweizer Kantons Zug teilte damals mit, dass Fifa-Funktionäre eingeräumt haben, offenkundige Schmiergelder in Millionenhöhe kassiert zu haben. Damit wendeten diese ein Verfahren ab und damit den Nebeneffekt, dass ihre Namen öffentlich gemacht worden wären. Dies war ihnen eine Strafzahlung von 5,5 Millionen Schweizer Franken wert.

Das Ganze spielte sich während des Strafprozesses rund um den Konkurs des Sportrechtevermarkters ISL ab. Darin flog auf, dass im Zuge von Großveranstaltungen Funktionäre der Fifa, des Internationalen Olympischen Komitees und anderer Sportverbände mit mindestens 138 Millionen Franken bestochen worden waren. Als Geldempfänger wurde unter anderem der Brasilianer Ricardo Teixeira bekannt, Schwiegersohn des ehemaligen Fifa-Chefs João Havelange, aktueller Fifa-Vizepräsident und Chef des brasilianischen Verbands. Teixeira spielt heute eine Schlüsselrolle bei der WM 2014 in Brasilien - und wird am 2. Dezember auch darüber abstimmen, wer die Endrunden 2018 und 2022 erhält.

© sueddeutsche.de/jja
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