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Fifa: Skandal bei der WM-Vergabe:Nichts als Empörung

Der jüngste Skandal um zwei Fifa-Funktionäre zeigt: Der Fußball geriert sich als Hüter des Fairnessgedankens - verkauft ihn aber heimlich in den Hinterzimmern.

Als Joseph S. Blatter am Mittwochabend ans Rednerpult trat, um einen "traurigen Tag für den Fußball" einzugestehen, stand neben ihm ein Wimpel mit dem Spruch: "My Game Is Fair Play." Slogans wie dieser begleiten den Präsidenten des Weltfußballverbandes Fifa durch sein Leben als Funktionär. 22 Männer oder Frauen, zwei Tore, ein Ball - dieser Blick auf den Fußball ist ihm längst viel zu klein geworden.

WM 2010 - Gruppenauslosung - WM-Pokal

Den Fußball fest in Händen: Fifa-Präsident Sepp Blatter.

(Foto: dpa)

Den Friedensnobelpreis würde er nicht ablehnen, hat Blatter die Welt bereits wissen lassen; dass die Fifa ihn verdient hätte, steht für ihn außer Zweifel. In Interviews berichtet Blatter gerne, wie er im Züricher Fifa-Hauptquartier hin und wieder in den hauseigenen Andachtsraum hinuntersteigt, um dort, nur so für sich, "Großer Gott, wir loben dich" zu singen - wogegen nichts zu sagen wäre, drängte sich nicht der Eindruck auf, selbst in der mit Onyx ausgekleideten Fifa-Kapelle würde vor allem gesungen, um anschließend der Welt davon zu erzählen.

Fairness, Teamgeist, Jugend, Weltfrieden. Das sind Motive, die nirgendwo so greifbar, so lebendig, so emotional transportiert werden können wie mit Hilfe des Sports. Manche sagen sogar, sie sind der Kern des Sport, zumindest war er einmal so gedacht worden. Das Problem dabei ist, dass diese Leitmotive des Sports auch vermarktet werden, exklusiv von den Organen des Sports. Bei jeder Vergabe einer Welt- oder Europameisterschaft, bei allen Olympischen Spielen wird so ein Milliardenspiel angestoßen. Fernseh- und Werberechte gehören ebenfalls dazu. Und wenn dann noch die WM- oder EM-Tickets unter das Volk gebracht werden, ist es das erneut: ein Milliardenspiel, das niemand kontrolliert.

Im Dezember darf ein Zirkel von 24 Funktionären darüber befinden, wo die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 stattfinden. Nun wurden zwei Mitglieder dieses Fifa-Exekutivkomitees dabei gefilmt, wie sie ihre Stimmenzum Kauf anboten. Der eine wollte 570000 Euro, der andere 1,6 Millionen - selbstverständlich nicht für sich selbst, bloß für wohltätige Projekte. Die Geschichte erzählt eine Menge darüber, wie es zugeht im Fairness-Teamgeist-Weltfrieden-Betrieb namens Fifa. Noch mehr aber gibt die Reaktion ihres Präsidenten Aufschluss.

Die beiden Sünder wurden suspendiert, aber nicht für immer - sondern vorerst für 30, eventuell für 50 Tage. Ob sie trotz der konkreten Sachlage werden mitstimmen dürfen bei der Ausrichter-Kür, hat die Fifa ausdrücklich offengelassen. Falls sie außen vor bleiben, wird das aber sicher nicht daran liegen, dass Blatter "den Fußball vor jeglicher Manipulation und schlechtem Verhalten schützen" will, wie er nun suggeriert. Sondern schlicht daran, dass sich die beiden haben erwischen lassen. Über andere Mitglieder der Fifa-Exekutive haben längst Kommissionen und Gerichte geurteilt - auch sie haben sich in ihren Ämtern bereichert. Sie dürfen trotzdem die Hand heben für einen der Kandidaten.

Einen Einblick in die Gepflogenheiten gab vor etwa zwei Jahren ein Prozess vor dem Strafgericht im schweizerischen Zug: 138 Millionen Franken Schmiergeld, stellte das Gericht fest, seien an "hochrangige Sportfunktionäre" geflossen, nur in den Jahren 1999 bis 2001, und nur über die Konten einer einzigen Rechte-Agentur. Das kann man jetzt mal hochrechnen. Dann bekommt man eine Ahnung davon, wie gewaltig er ist: der Preis der Werte im Sport.

Wer nun die berechtigte Frage stellt, ob dieses Monopol Korruption und Vetternwirtschaft nicht gerade provoziert, erntet beim Fifa-Präsidenten nichts als Empörung. Wie könne man bloß einem Verband misstrauen, der quasi das Urheberrecht auf den Fair-Play-Gedanken besitzt? "My Game Is Fair Play." Am Donnerstag, die Krokodilstränen noch in den Augenwinkeln, sollte Joseph S. Blatter übrigens die Ehrenmitgliedschaft des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verliehen werden.

WM-Comic

Wie Blatter entscheidet