Fifa-Regel für Flüchtlinge:Wenn Fußball nicht verbinden darf

Beim Würzburger FV zum Beispiel könnte er spielen, obwohl dessen U17 in der Landesliga spielt, viel höherklassiger also als die U17 des Lokalrivalen. Das würde aber auch bedeuten, dass Hassan zu einem Verein müsste, in dem er bislang niemanden kennt. Ein Mitarbeiter des betreuten Wohnheims, in dem Hassan untergebracht ist, sagt dazu: "Dabei war das ohnehin schon ein mutiger Schritt von dem Jungen. Die meisten trauen sich gar nicht, einem Verein beizutreten." Kickers-Jugendleiter Kraft hadert mit der Regelung: "Wenn ein junger Mensch zu uns kommt, um Fußball zu spielen - und wir haben Bedarf -, dann darf das nichts mit der ersten Mannschaft zu tun haben, ob er hier spielen darf oder nicht."

Letztlich ist die Regelung für so genannte unbegleitete Minderjährige, wie Hassan einer ist, nicht der Realität entsprechend. Erstens wird in Deutschland grundsätzlich ein vom Gericht bestellter Vormund zugewiesen. Man darf davon ausgehen, dass es sich bei diesen Personen nicht um dubiose Spielervermittler handelt. Zweitens wird so dem Breitensport die integrative Funktion genommen, und das nur, weil es im Profifußball schwarze Schafe gibt. Die Kickers sind von dem Fifa-Reglement in besonderem Maße betroffen, denn der Regionalligist hat sich mit dem Projekt "Kickers hilft" das Ziel gesetzt, Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund die Integration in Deutschland zu erleichtern.

Keine Ambitionen, Profi zu werden

Hassan selbst hat gar keine Ambitionen, Profi zu werden, im Verein glaubt auch niemand, dass er es jemals in die erste Mannschaft schaffen könnte. Der 16-Jährige, der in Wohnheim und Schule als sehr aufgeschlossen und positiv beurteilt wird, hat noch eineinhalb Jahre Schulzeit vor sich, dann hofft er auf einen Ausbildungsplatz.

Kickers-Jugendleiter Kraft hat Verständnis dafür, dass Hassan nun ein Probetraining beim Würzburger FV absolviert hat. Der Junge selbst glaubt, wenn er dort erst einmal ein paar Mitspieler kennengelernt und Vertrauen gefasst hat, dann werde er sicherlich dem Verein beitreten. Und bald auch schon mit einem Trikot spielen können.

Bisher hat Hassan sich schließlich weder von Bürgerkriegen noch von bürokratischen Hürden aufhalten lassen. Er geht weiter davon aus, dass der Fußball verbindet.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB