Fifa-Präsidentschaftswahl:Raus aus Blatters Diktatur

Fifa-Präsidentschaftswahl: Luis Figo, 42, will dem Weltverband weiter zur Verfügung stehen: "Aber erst, wenn nachgewiesen ist, dass die Fifa keine Diktatur ist."

Luis Figo, 42, will dem Weltverband weiter zur Verfügung stehen: "Aber erst, wenn nachgewiesen ist, dass die Fifa keine Diktatur ist."

(Foto: Mohammed Al-Shaikh/AFP)
  • Luis Figo hat seine Kandidatur für die Wahl zum Fifa-Präsidenten zurückgezogen.
  • Der Portugiese will damit wohl die Chancen des verbliebenen Blatter-Herausforderers Prinz Ali Hussein verbessern.
  • Figo übt harte Kritik an den Fifa-Strukturen. Sie seien undemokratisch. Es habe keine einzige öffentliche Debatte gegeben.

Von Thomas Kistner

Völlig zermürbt im Blatter-Reich: Gestern haben in Michael van Praag und Luis Figo zwei Herausforderer hingeworfen. Noch vor Monaten hatten sie behauptet, es gäbe demokratische Gepflogenheiten im Fußball-Weltverband Fifa; dass dem nicht so ist, teilt Figo nun zerknirscht mit. Acht Tage vor der Präsidentenkür beim Fifa-Konvent in Zürich steigen die zwei europäischen Herausforderer aus einem Rennen aus, das stets aussichtslos für sie war.

Als letzter Opponent Sepp Blatters bleibt Prinz Ali bin-Hussein im Ring zurück. Auch der jordanische Königsspross ist auf dem Ticket der Europa-Union Uefa unterwegs, die sich erklärtermaßen die Beendigung der skandalumtosten Ägide des Amtsinhabers zum Ziel gesetzt hat.

Figo kritisiert Demokratiemangel bei der Fifa

Aber auch dem Prinzen werden nicht einmal Außenseiterchancen eingeräumt. Wie stark Blatters Lobby ist in jener Fußballwelt, die er als seine Familie bezeichnet und betrachtet, machte der entnervte Ex-Kandidat Figo publik. Bei den Kongressen der Kontinental-Verbände von Asien, Afrika sowie Nord- und Südamerika in den vergangenen Monaten war ihnen, als offizielle Fifa-Kandidaten, keine Minute Rederecht eingeräumt worden. Was den Sportsgeist von Funktionären illustriert, die vor den WM-Spielen riesige Fahnen mit dem Slogan Fairplay ins Stadion tragen lassen.

Portugals Fußball-Ikone Figo beschrieb in seiner Rücktrittsadresse das Klima innerhalb der Fifa-Familie. "Ich stehe nicht zur Verfügung für das, was eine Wahl des Fifa-Präsidenten genannt wird. In den letzten Monaten habe ich Vorfälle in der ganzen Welt beobachtet, die jeden, der sich einen freien, demokratischen und sauberen Fußball wünscht, nur beschämen können", schrieb er.

Persönlich habe er erlebt, "wie Verbandspräsidenten zunächst Fifa-Führungspersonen mit dem Teufel verglichen - und am nächsten Tag, offiziell auf der Bühne, mit Jesus Christus. Mir wurde das nicht erzählt, ich habe es selbst erlebt." Der Vorwurf zielt auf Osiris Guzman, der Fußballboss der Dominikanischen Republik hatte Blatter beim Kongress des Nord-/Mittelamerika-Verbands Concacaf mit Jesus und Martin Luther King verglichen. 2011 war Guzman für mehrere Monate wegen Korruption suspendiert worden.

Blatters Herausforderer seien am Reden gehindert und der Patriarch zugleich hofiert worden, beklagt Figo. "Es gab keine einzige öffentliche Debatte." Unfassbar sei auch, dass Blatter kein Wahlprogramm veröffentlicht habe. Figo will weiter zur Verfügung stehen: "Aber erst, wenn nachgewiesen ist, dass die Fifa keine Diktatur ist."

Hoffen auf Prinz Ali

Van Praag übt sich offiziell weiter in Diplomatie, er hofft auf Prinz Ali. Aber der Niederländer hatte schon zu Beginn seiner Kandidatur von der Realität in der Fifa so wenig Ahnung, dass er Blatter gar einen Beraterjob anbot für den Fall, dass der verliere. Intern hat Van Praag ähnliche Erlebnisse wie Figo berichtet. Beim Kongress des Afrika-Verbandes Caf, berichtete er holländischen TV-Leuten, hätten sich Delegierten nicht mal getraut, an öffentlich zugänglichen Plätzen mit ihm zu sprechen. Zu dieser Angst vor Denunziantentum in Blatters Fußballwelt passte, dass die Kandidaten auch beim Caf-Konvent nicht sprechen durften. Geredet hat Blatter allein.

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