Fifa-Präsidentschaftswahl:Keine Regel verbietet Blatter den Rücktritt

Natürlich könnte Blatter jederzeit zurücktreten, er könnte es auch noch am Freitag beim Kongress tun - keine Regel verbietet das. Es gibt aber Gründe, die nahelagen, dass er unbedingt dagegen ankämpfen muss, über Nacht aus dem Präsidentenbüro gejagt zu werden. Völlig unvorbereitet. Ohne die Geschäfte einem Nachfolger übergeben zu können, der sein Vertrauen hat. Und ohne alle anderen sensiblen Dinge in der Zentrale des Weltverbands so richten zu können, wie er sie sich wünscht.

Dabei wächst der Druck auf ihn stündlich. Sponsoren meutern, Top-Partner Visa droht offen mit Rückzug. Es brauche sofortige "Veränderungen", lässt die Kreditkartenfirma wissen. Sie habe die Fifa informiert, "dass wir sonst unser Sponsoring neu überdenken". Wütende Politiker in Deutschland, England, Frankreich fordern Blatters Rücktritt, Aktivisten ziehen nach Zürich, selbst erste Fußballprofis formulieren Abschiedsbriefe an ihn. Und doch: All das ist das kleinere Dilemma. Denn die Drohung der US-Justiz liegt ja nun sogar in offiziellen Statements vor: Diese Zugriffe seien nur der Anfang. "Die erste Etappe", wie ein Schweizer Behördensprecher auch mit Blickauf die parallelen WM-Ermittlungen sagt. Dass die angekündigten nächsten Schritte auf den Patriarchen zielen könnten, legt dere Kommentar der US-Justizministerin Loretta Lynch nahe: Es brauche einen umfassenden Neustart in der Fifa.

Blatter hat den Niedergang des Verbandes seit 34 Jahren in den Spitzenämtern als Generalsekretär und Präsident (seit 1998) begleitet. Er ist politisch Hauptverantwortlicher für den Geschäftsmorast, in dem seine Fifa versinkt. Auch die paar Erkenntnisse, die auf dem Tisch liegen, zeigen das vertraute Schema, nach dem über Jahrzehnte windige Fußballdeals abgewickelt wurden: Provisionen unter Funktionärsfreunden, Geschäfte mit Marketingleuten, die mit Schmiergeld für günstig erworbene Rechte danken. Entwicklungs- oder Immobilienprojekte mit Fußballgeld, die auf von Funktionärsfamilien erworbenem Land errichtet werden. Und anderes.

Dass die Zugriffe am Mittwoch, die im Kern lateinamerikanischen Funktionären galten, nur eine Aufwärmübung sein könnten, legt auch der Umstand nahe, dass die FBI-Ermittlungen zumindest von 2011 bis 2013 bei der Abteilung "Organisierte Kriminalität in Eurasien" angesiedelt waren, vielleicht sind sie es bis heute. Schon den Dollarmillionen, die der frühere Fifa-Vorstand Chuck Blazer einst aus den Kassen des nord- und mittelamerikanischen Kontinentalverbandes Concacaf auf eigene Firmenkonten in der Karibik geschleust hatte, ging diese Spezialeinheit nach.

Es wird mehr passieren. Blatter weiß das. Es wissen auch Funktionäre, die sich lange gegen das Uefa-Votum pro Prinz Ali stemmen wollten. Spaniens Villar Llona, der sich bereits gegen anstehenden Justiz-Ärger in Zürich gewappnet haben soll, war ein großer Befürworter Katars. Und die Vertreter Russlands sträuben sich. Wladimir Putin, Hausherr der Fußball-WM 2018, geißelte das FBI-Vorgehen bereits scharf.

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