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Fifa-Präsidentschaftsswahl:Blatters Gefälligkeit irritiert

Kann im Wahlkapf schalten und walten, wie er will: Fifa-Präsident Sepp Blatter

(Foto: Mohammed Al-Shaikh/AFP)
  • Europas Fußball positioniert sich früh gegen eine Wiederwahl von Fifa-Chef Sepp Blatter - nur Österreichs Verbandschef ziert sich.
  • Zu seinem Schaden ist das nicht: Ein von ihm protegiertes Sozialprojekt erhält 100 000 Dollar.

Von Thomas Kistner

Es läuft der heiße Wahlkampf in der Fifa, die Herausforderer geraten unter die Lobbywalze von Sepp Blatter. Die Dreier-Angriffsspitze, mit der ihm die Europäische Fußball-Union (Uefa) zu Leibe rücken wollte, ist entnervt zerfallen. Der seit 1998 amtierende Fifa-Chef ist in seinem Reich nicht zu packen. Wobei sich nun zeigt, dass Blatters Tentakel über die Fußballzwerge in aller Welt hinausreichen, die sich von ihm und seinem Weltverband fürstliche Fördergelder erhoffen für ihre marginalen Spielbetriebe. Auch tief ins Feindeslager ist der Schweizer offenbar eingedrungen - und nun hat der österreichische Fußball ein Problem.

ÖFB-Präsident Leo Windtner wird vorgeworfen, mutmaßlich dank Blatters Intervention eine 100 000-Dollar-Spende der Fifa akquiriert zu haben - am ÖFB vorbei. Die Summe ist bestimmt für ein Sozialprojekt in Afrika, bei dem die Gattin des ÖFB-Chefs Schirmherrin ist.

Am Wochenende berichtet das Magazin News über die diskrete Fifa-Gabe; auf SZ-Nachfrage am Freitag bestätigten Szenekenner die Vorgänge. Namentlich will derzeit niemand genannt werden, "aus sportpolitischen Gründen", wie es heißt.

Das von Windtner, beruflich Generaldirektor der Energie AG, angetriebene Projekt ist eine Fußballakademie für Kinder in Kenia. Sie steht unter Kuratel eines Linzer Freundeskreises und verspricht via Homepage: "Nicht jeder wird Profi, aber jeder profitiert." Nicht nur von Spenden der Caritas und anderer bekennender Wohltäter, sondern auch von der Fifa. Das birgt Interessenskonflikte schon wegen der Art und Weise, wie die Hilfe zustande kam. Als die Niederösterreicher 2013 zunächst selbst um Fördergeld angefragt hatten, hatte die Fifa abgewunken. Dann schaltete sich der ÖFB-Chef ein. Bei einem Termin in Franz Beckenbauers Camp im Sommer 2014 soll er Blatter auf die Sache angesprochen haben. Und der Fifa-Grande soll nach der Beckenbauer-Devise "schaun mer mal" reagiert haben.

Im Herbst, als Blatter wieder mit scharfer Kritik in aller Welt zu kämpfen hatte, auch wegen des Streits um den Report zu den WM-Vergaben 2018 an Russland und 2022 an Katar, fiel Windtner mit gefälligen Äußerungen über den Fifa-Boss auf: "Ich sehe derzeit keine Alternative zu Blatter", sagte er Ende November der Fußball-Website 90minuten.at. Da war in Europas Fußballkreisen längst ausgemacht, dass man die Ära des affärenumtosten Fifa- Patriarchen mit vereinten Kräften beenden wolle. Schon im Juni verkündete Präsident Michel Platini, die Uefa werde auf jeden Fall gegen Blatter votieren; auch Funktionäre wie Wolfgang Niersbach bekannten sich früh zur klaren Linie: Erst jüngst bekräftigte der DFB-Präsident, er werde für Blatters Gegenkandidaten stimmen.

Zufall oder nicht: Kurz nach Windtners freundlichen Worten für den Fifa-Boss wurde das Projekt seiner Linzer Freunde in der Fifa zur Förderung bewilligt. Seltsamerweise aber blieb ein Haken an der Sache. Die 100 000 Dollar wurden vom Weltverband im März zunächst auf das "Konto für Fifa-Entwicklungsprogramme des ÖFB" überwiesen. Zu Recht, wie die Fifa der Wiener Verbandszentrale am 13. März mitteilte, schließlich sei der Antrag "durch den ÖFB eingereicht" worden. Das kam bei den Geförderten nicht gut an: Laut News und von Insidern bestätigt, schickte der ÖFB das Geld nach Zürich zurück. Der ÖFB unterstütze zwar das Afrika-Projekt, sei "aber sonst in keiner Weise involviert". Von Verbandsseite wird auch gegenüber News bestritten, dass es ein Engagement für das Projekt gegeben habe: "Wir als ÖFB haben keinen Antrag gestellt", wird Generaldirektor Alfred Ludwig zitiert. Dem steht das Fifa-Schreiben gegenüber, dass der ÖFB den Antrag eingereicht habe.

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