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Fifa-Präsident Sepp Blatter:Fifa in Erklärungsnot

Das Papier passt zu den Vorwürfen von Senderchef Browne. Der behauptet, er habe die WM-Rechte an der WM 2002 für 2,5 Millionen Dollar erworben, den Verkauf belegten Dokumente der damaligen Fifa-Partneragentur ISL. Im August 1999 erhielt Browne den Vertrag. Nach dem Bankrott der ISL fielen die Rechte an den Kirch-Konzern, der 2002 insolvent ging. Aus den Geschäftswirren landeten Brownes Rechte am Ende wieder bei Warner. Er sagt, er habe sein Geld nie wiedergesehen. Eine Klage in der Schweiz sei erwogen, aber eingedenk der Kosten wieder fallengelassen worden.

Fifa-Vizepräsident Warner erlöste aus dem Weiterverkauf der von Browne übernommenen Rechte seinerzeit 4,25 Millionen Dollar. Er trat im Vorjahr nach Korruptionsvorwürfen zurück, Warner hatte Blatters Herausforderer Mohamed Bin Hammam unterstützt. Er behauptet, die Fifa habe ihm auch die WM-Rechte für 2018/2022 angeboten, gegen seine Unterstützung für Blatter. Die Fifa ließ diesen Vorwurf bisher unbeantwortet.

CSTN-Chef Browne legt einen Briefwechsel mit Blatter nach einem Treffen in Zürich im November 2002 vor, dabei ging es um Kompensationzahlungen der Fifa für den karibischen Sender. Browne schreibt Blatter, die Aussicht auf künftige Rechtedeals und "eine Kulanz-Zahlung von 3,5 Millionen Dollar würden unsere herzliche Diskussion beenden".

Blatter schreibt am 23. November, er sei froh, dass ihm Browne zustimme: "Was immer falsch lief, es lief ohne mein Zutun falsch." Er lobt Brownes Wunsch, die Rechte-Affäre "ohne Turbulenz auf dem Markt" zu regeln, als "ehrenwert". Er habe seine Finanzabteilung mit der Klärung beauftragt. Sobald er wisse, "in welchem Umfang unsere Unterstützung machbar ist, werde ich Sie unterrichten und bin sicher, dass wir zu einer positiven Lösung kommen." Am 31. Januar 2003 bekräftigt Blatter: "Ich habe positive Bewegungen in Ihrer Fernseh-Sache versprochen. Diese sind eingeleitet, es gibt nur noch eine kleine Verzögerung."

Der Vorgang CSTN/Warner könnte heute verjährt sein. Trotzdem bringt er die Fifa in Erklärungsnot, für die jetzt ein Reformkomitee unter dem Schweizer Compliance-Experten Mark Pieth transparente Strukturen erarbeiten soll. Die Kommission will so wenig wie Blatter die Vergangenheit beleuchten. Doch Affären wie diese rütteln an der Glaubwürdigkeit des Reformprozesses. Zumal dieser unter Blatters Regie abläuft: Er hat Pieth geholt und muss dessen Vorschläge absegnen, gemeinsam mit einer Exekutive, die von manchen Beschlüssen erst hinterher erfährt.

© SZ vom 26.01.2012/ebc

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