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Fifa-Präsident Sepp Blatter:Schweizer in der karibischen Zange

Neue Dokumente rund um den Verkauf von WM-Fernsehrechten bringen Fifa-Chef Sepp Blatter in die Bredouille. Neben Ex-Vizepräsident Jack Warner erhebt auch ein offenbar geprellter Rechtekäufer schwere Vorwürfe. Blatters Strategie des Aussitzens genügt nicht mehr.

Thomas Kistner

Der Fußball-Weltverband Fifa hatte sich einen "Info-Stopp" auferlegt, er wollte die Vorwürfe seines langjährigen Vizepräsidenten Jack Warner kommentarlos aussitzen. Warner behauptet, die Fifa habe ihm die Fernseh-WM-Rechte für die Karibik seit 1990 für symbolische Billigpreise zugeschanzt, weil er den Präsidenten Joseph Blatter bei dessen Wahlkämpfen unterstützt habe.

FIFA President Blatter speaks during a news conference at the Europa Hotel in St. Petersburg

In der Zange: Fifa-Boss Sepp Blatter.

(Foto: REUTERS)

Aussitzen reicht jetzt als Strategie nicht mehr: Warner legt erstmals ein Papier vor, das seine Behauptung stützt. Und die Fifa bestätigt die Authentizität, bestreitet aber den damit verbundenen Vorwurf. Zugleich kündigt der Chef des karibischen Fernsehsenders CSTN, Selby Browne, eine öffentliche Anhörung zu dem Fall mit Zeugen und Juristen in London im Februar an. CSTN hatte 1999 die karibischen Fernsehrechte für die WM 2002 erworben, sie wurden dem Sender jedoch später wieder abgenommen - und gingen zum Schleuderpreis an Warner.

Browne sagt, er werde Dokumente zu den damaligen Vorgängen offenlegen, dazu Briefe von Fifa-Vorständlern, in denen diese die Insidergeschäfte mit Warner rügen (einige Papiere liegen der SZ vor). Zudem verfügt Browne über Briefe von Blatter aus den Jahren 2002 und 2003, in denen dieser mitteilt, den entstandenen Schaden beheben zu wollen.

So gerät die Fifa in die Zange von Warner und dem nach Aktenlage offenbar geprellten Rechtekäufer CSTN. Warners Vorstoß ist brisant. Er legt eine handgeschriebene Notiz von Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke vor, die zeigen soll, dass ein Insider-Deal mit Blatter stattfand. Die Notiz sei den TV-Verträgen für 2010/14 beigelegen und lautet: "Jack, hier ist die Vereinbarung, unterschrieben vom P. Dieses Geschäft ist nicht durch alle üblichen Gremien und Kommission gegangen. Deshalb bitte ich, es vorläufig nicht öffentlich zu machen." P. ist die in der Fifa übliche Abkürzung für Präsident.

Die Fifa erklärte am Mittwoch: "Ja, das Papier scheint authentisch zu sein. Die Frage ist vielmehr: Um welches Agreement handelt es sich? Was ist der Kontext?" Grundsätzlich dürfe der Präsident Vereinbarungen allein unterzeichnen, die er erst hinterher den zuständigen Gremien vorlege. "Wenn Warner gebeten wird, noch nicht an die Öffentlichkeit zu gehen, dann nur, um die entsprechenden Gremien vorher zu informieren", hieß es.

Diese Lesart stärkt indes den Eindruck, dass Blatter wichtige Dinge allein entscheidet - im vorliegenden Fall mutmaßlich sogar eine TV-Rechtevergabe - und der Vorstand nachträglich darüber "informiert" wird. Zu klären wäre, ob all die Rechtevergaben an Warner, der seit 1990 bedient wurde, stets mit der zuständigen Fifa-Exekutive fachlich diskutiert oder ihr jeweils nur mitgeteilt wurde. Letzteres dürfte kaum von den Statuten gedeckt sein. Die TV-Rechte sind das höchste Wirtschaftsgut der Fifa.

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