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Fifa:Es wird eng für Platini

Seine Chancen auf eine Mehrheit im gut 200 Stimmen umfassenden Wahlkonvent standen gut: Als Asien-Chef hatte Bin Hammam das Gros der 50 Voten seines Kontinents hinter sich, dazu das der ebenso stimmstarken Afrikaner, denen er vielfältige Hilfsleistungen zukommen ließ. Auch Blatters langjähriger Stimmenbeschaffer Jack Warner unterstützte ihn. Der Boss des Nord-/Mittelamerikaverbandes Concacaf brachte ein 35-Voten-Paket in die Wahl ein; vergeblich umgarnte Blatter im Wahlkampf den einstigen Verbündeten.

In der Konstellation stand und fiel für Blatter alles mit den Europäern. Und diese schmiedete Platini beim Uefa-Kongress im März 2011 zu einem Block zusammen, der sich lautstark zu Blatter bekannte. Ein Signal sandte das auch für alle Unentschlossenen aus, und für alle, die gern die Nähe zum europäischen Fußball suchen. Bisher gelang es den Suspendierten nicht, überzeugend darzutun, warum sie sich just in diesem Machtgetümmel einer uralten Millionenrechnung erinnert haben.

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Gibt es einen neuen Schlüsselzeugen?

Vielleicht kann aber dazu der dritte Mann Erhellendes beisteuern: Jérôme Valcke, lange Zeit Blatter-Intimus, der als Generalsekretär über jeden Geschäftsvorgang informiert war. Valcke kommt, sieht man die zeitlichen Abläufe, womöglich die wahre Schlüsselrolle in der Millionen-Frage zu. Er selbst steht seit Monaten im Fokus ermittelnder Behörden, still bastelte er im September an einem lukrativen Abschied. Doch hinein in die Abfindungsverhandlungen musste ihn die Fifa suspendieren, als neue Vorwürfe - aus dem WM- Ticketbereich - gegen den General erhoben wurden. Von der Fifa darf er nichts mehr erwarten, und von den internationalen Ermittlungen nichts Gutes.

Gibt es also vielleicht einen neuen Schlüsselzeugen? Manches spricht dafür. Sieben Tage nach Valckes Rauswurf erzwang die Bundesanwaltschaft bei der Fifa die Entsiegelung von dessen Mailverkehr. Dafür machte sie sogar Druck über ein ungewöhnliches öffentliches Statement: Die Fifa gewähre nur "Zugang zu Valckes E-Mail-Account, wenn gewisse Bedingungen erfüllt werden. Insofern hat der Generalbundesanwalt noch immer keinen Zugang zu Valckes E-Mails". Am Abend lenkte die Fifa ein. Tags darauf saßen Blatter und Platini vor den Ermittlern und präsentierten die Story vom verspäteten Gehaltsnachschlag.

Nun wartet der Uefa-Vorstand gespannt, ob der suspendierte Platini am Donnerstag - über Mittelsmänner? - Erhellendes über das Zwei-Millionen-Rätsel beibringen kann. Falls nicht, "können wir ihn nicht länger unterstützen", sagt der dänische Delegierte Allan Hansen.

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