Klub-WM mit 24 Teams Infantino auf Crashkurs mit dem Fußball

Was hat Fifa-Boss Gianni Infantino eigentlich wirklich vor?

(Foto: AP)

Das nächste Riesen-Turnier soll kommen: die Klub-WM mit 24 Teams. Dem Fifa-Autokraten geht es nur noch um blindwütige Geldvermehrung.

Kommentar von Thomas Kistner

Die neue Klub-WM kommt! Mit 24 Mannschaften! Das nächste Riesenturnier! Jedenfalls hat Fernando Sarney das dem ZDF verraten: "Ja, wir werden diese Entscheidung treffen." Sarney ist Fifa-Ratsmitglied und Spross einer korruptionsumwitterten Politikerkaste in Brasilien. Und er weiß offenbar schon, was das Fifa-Council beschließen wird, wenn es am Freitag in Miami zum Thema Klub-WM tagt. Aber ist das so?

In Südamerikas Funktionärskreisen ist das Wort des Fifa-Präsidenten noch Gesetz, auch Sarney zählt zu Gianni Infantinos Büchsenspannern. Rituell schieben die Kameraden zwischen Anden und Zuckerhut Infantinos Pläne an, die Aufstockung der Katar-WM 2022 auf 48 Teams war ebenfalls ihr Vorstoß - das Projekt steht am Freitag auch auf der Agenda.

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Bloß: In der Ära Infantino lässt sich kaum noch seriös über Zukunftsprojekte des Fußballs reden. Dem Autokraten geht es allein um blindwütige Geldvermehrung: blindwütig, weil er bei der Umsetzung seiner Klub-WM-Pläne keine Diplomatie kennt. Er riskiert sogar den Bruch mit der Europa-Union Uefa. Sollte über die Klub-WM in Miami tatsächlich abgestimmt werden, wollen Europas Vertreter das Votum boykottieren. Dann dürfte es dem Rest der Welt schwerfallen, Investoren zu finden, die mehr als Kleingeld zahlen wollen für eine Klub-WM ohne Europas Spitzenklubs.

Das alles signalisiert nichts Gutes

Die wahre Crux an den neuen Turnierformen ist etwas, das die vom Fußballgeschehen abgeschnittenen Kleinstmitglieder der Fifa nicht interessiert: Die Klub-WM und die globale Nations League, Infantinos nächstes Lieblingsprojekt, sind nur Vorwände. Sie werden als Rechtfertigung gebraucht für einen Deal, bei dem Infantino umfassende Fifa-Rechte auslagern und Investoren unter anderem aus der Golf-Region zum Mitbesitzer des Weltfußballs machen will. Das verraten interne Papiere. Und das verrät der schlampige Umgang mit den Formaten. Wie die konkret aussehen sollen? Eh wurscht. Eine neue Welt-Nationenliga: Was sagen die Inhaber der milliardenschweren WM-Rechte dazu, wenn künftig ein Weltnationenligameister nebenher ausgekartelt wird? Was sagt das Publikum: Wird es Autokorsos drehen?

Und die Klub-WM mit 24 Teams: ManCity gegen Hekari United, Barcelona gegen Mamelodi Sundowns. Wo unter den Top Ten der Dinge, die die Welt nicht braucht, rangiert so ein Format? Doch Infantino will nun den Confed-Cup 2021 für sein Klub-WM-Projekt opfern.

Die Frage ist, warum der Fifa-Chef das funktionierende System des Fußballs zerstören will. Selbst wenn es tatsächlich nur um die neuen Formate ginge, wäre der konkrete Ansatz ja falsch: Die Fifa orientiert sich nicht an der sportlichen Entwicklung, sondern an einer Milliardenofferte aus nebulöser Ecke, um die herum sie ein sportliches Produkt zurechtschustern will. Irgendwas halt. Ist womöglich schon Geld nach Zürich geflossen? Die Frage drängt sich auf. Infantinos rigoroser Eifer, sein Crashkurs mit der Uefa, die Geheimhaltung aller Geschäftspläne - das signalisiert nichts Gutes.

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