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Fifa-Kandidat Infantino:Gemeinsam im Sportpromi-Treff Camp Beckenbauer

Fifa

Die acht Bewerber um die Fifa-Präsidentschaft (von links oben im Uhrzeigersinn): Jérôme Champagne (Frankreich), Prinz Ali bin Al Hussein (Jordanien), Michel Platini (Frankreich), Tokyo Sexwale (Südafrika), David Nakhid (Trinidad&Tobago), Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa (Bahrain), Musa Bility (Liberia) und Gianni Infantino (Schweiz).

(Foto: dpa (5), Xinhua/Imago, Reuters, AFP)

Für den Afrika-Block steht Tokyo Sexwale. Am Kap hat er einst an Nelson Mandelas Seite gekämpft, später Millionen im Diamantengeschäft verdient. Seine Befürworter versuchen ihn als Seiteneinsteiger zu promoten, was er nicht wirklich ist. Zwar hat er keine Erfahrung in Fußball-Spitzenämtern, aber er saß schon in Südafrikas Organisationskomitee für die WM 2010. Gewiss sein kann er sich wohl auch der Unterstützung des früheren Blatter-Vertrauten Champagne, obwohl dieser offiziell erst einmal selbst kandidiert. Eng beisammen sind sie nicht nur im Palästina/Israel-Komitee der Fifa, das erst jüngst geschaffen wurde und Sexwale erstmals den Kommissionsvorsitz in einem Fifa-Gremium verschaffte. Das Duo weilte im September auch beim Sportpromi-Treff Camp Beckenbauer, wo das eingesessene internationale Funktionärstum den Südafrikaner plötzlich auf sein Schild hob.

So besehen vermeldet die Presseagentur Bloomberg nun zur Unzeit, dass Sexwale die Verstrickung in eine US-Korruptionsermittlung zum Minengeschäft in Südafrika drohe. Das dritte Schwerkaliber ist Scheich Salman. Seit 2013 regiert der Mann aus Bahrain den Asienverband AFC, er genießt überdies die Unterstützung des Strippenziehers Scheich Al-Sabah aus Kuwait. Am Montag meldete Salman seine Kandidatur an. Er hat aber ein enormes Manko: Menschenrechtsorganisationen heben immer wieder Salmans dubiosen Part bei der blutigen Niederschlagung der Demokratie-Bewegung in Bahrain 2011 hervor.

Als Mitglied der Herrscherfamilie soll er mitgeholfen haben, Sportler und Trainer zu identifizieren, die unter den Protestierern waren; einige mussten ins Gefängnis, manche wurden gefoltert. Salman bestritt das stets, wurde aber ebenso wenig konkret wie bei anderen Vorwürfen, die ein intransparentes Geschäftsgebaren des AFC nahelegen. Die düsteren Fragen um den Mann aus Manama dürften wohl vom Fifa-Ethikkomitee abzuklären sein: Das nimmt einen Integritätscheck aller Kandidaten vor. Sollten am Ende die drei Blockvertreter im Ring stehen, wird es eng für Europa. Die Verbände Asiens und Afrikas stehen oft beieinander und dürften zu einer Bündnisform finden - sofern die Fifa-Ethiker das zulassen.

© SZ vom 27.10.2015
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