FifaMillionen für die Fußballgemeinde

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Fifa-Präsident Gianni Infantino zu Wochenbeginn bei der Versammlung des asiatischen Kontinentalverbands.
Fifa-Präsident Gianni Infantino zu Wochenbeginn bei der Versammlung des asiatischen Kontinentalverbands. Jennifer Gauthier/Reuters
  • Fifa-Präsident Gianni Infantino steht vor der Wahl 2027 unter Druck, da der Unmut über Skandale und WM-Probleme in der Fußballwelt wächst.
  • Die Fifa erhöht die WM-Prämien um 150 Millionen Dollar auf 871 Millionen, auch die Nicht-WM-Teilnehmer sollen profitieren.
  • Besonders die fehlende US-Steuerbefreiung und hohe Kosten bei der WM 2026 bereiten den Teilnehmerländern finanzielle Schwierigkeiten trotz höherer Fifa-Zuwendungen.
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Die vielen Probleme rund um die Fußball-WM 2026 und der Führungsstil von Gianni Infantino erzeugen in der Fifa zunehmend Unruhe. Nun versucht der Weltverband gegenzusteuern: Er erhöht die Zuwendungen für die Fußballfamilie.

Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner

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Mit dem ganz großen Empfang wird es nichts für den Fifa-Präsidenten Gianni Infantino. In Vancouver versammeln sich am Donnerstag die Delegierten des Fußball-Weltverbandes zu ihrem jährlichen Kongress, und die Fifa hatte eine sehr spezielle Anfrage an die örtliche Polizei gestellt. Sie bat darum, ihren Boss als Person der Sicherheitsstufe vier zu behandeln, also mitsamt langer Autokolonnen und dem Recht, auch bei Rot über jede Ampel zu brausen. Dieses Level, führten kanadische Medien genüsslich aus, stünde sonst nur Kanadas Premier und dem US-Präsidenten zu, es liegt knapp unter der Stufe eines Papst-Besuchs. Kaum wurde das Begehr publik, betrieb die Fifa hastig Schadensbegrenzung, um wenigstens den Patron aus der Spott-Linie zu nehmen: Der habe nichts mit der Anfrage zu tun und keine Kenntnis davon gehabt. Als würde Infantino auch den Stadtbus nehmen.

So oder so, der Vorfall passt perfekt zu Infantinos öffentlicher Wahrnehmung. Und auch innerhalb der Kickerbranche herrscht seit Langem der Eindruck, dass sich der Sportfunktionär für ähnlich unfehlbar hält wie das Oberhaupt der Katholiken. Seit 2016 dauert die filmreife Skandal-Ära des Italo-Schweizers an der Verbandsspitze nun schon, im kommenden Jahr soll sie unbedingt verlängert werden. 2027 tritt Infantino zum dritten und – gemäß der gültigen, aber ja stets veränderbaren Satzung – auch letzten Mal zur Wiederwahl an. Doch schon heute wächst die Nervosität im Präsidentenlager, der Wahlkampf hat bereits begonnen. Am Dienstag wurde der Wahlkongress 2027 an Marokkos Hauptstadt Rabat vergeben, ein besonders eng mit Infantino verknüpftes Land.

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Der Unmut über den Fifa-Herrscher hat auch im Fußball einen kritischen Punkt erreicht. Wegen der epischen Skandalchronik, vor allem aber wegen zahlloser Probleme und Aussetzer rund um die WM 2026 in den USA. Die symbiotische Nähe zu Donald Trump ist toxisch geworden. Zwar sind die traditionell schillernden Funktionäre des südamerikanischen Kontinentalverbands Conmebol kürzlich mit einer Wahlempfehlung pro Infantino vorgeprescht, aber das sind nur zehn der 211 Fifa-Mitgliedsverbände. Durch Afrika, dessen Fußball über die vergangenen Jahre von Vertrauten Infantinos regiert wurde, geht ein sportpolitischer Riss, immer mehr sind der Bevormundung aus Zürich überdrüssig. Und in Europa hat der Fifa-Boss ohnehin kein gutes Standing. Gerade hat der schwedische König Carl Gustaf eine persönliche Einladung Infantinos zur WM ausgeschlagen. Und schlimmer: Norwegens Verband will beim Kongress auf die Abschaffung des viel belächelten Fifa-Friedenspreises drängen, den Infantino kürzlich erfunden hat, um Trump zu umgarnen.

Das ist die Lage, in der Infantinos Verbandsmanager nun auf die älteste aller sportpolitischen Erfolgsmethoden setzen: mehr Geld für die Fußballgemeinde! Während die Fans rund um diese WM finanziell fast ausbluten und von den Tickets bis zur Unterkunft Rekordsummen berappen müssen, schüttet die Fifa viele zusätzliche Millionen aus; in jedem Fall an die Mitgliedsverbände und womöglich sogar an die Funktionäre dieser Verbände persönlich. Also an diejenigen, auf deren Stimmen Gianni Infantino angewiesen ist, wenn er wiedergewählt werden möchte.

Bekommt bald jeder Präsident eines Nationalverbands eine Art Aufwandsentschädigung von der Fifa?

Nach SZ-Informationen wird unter Fifa-Mitgliedern vor dem Kongress der Plan debattiert, dass künftig alle nationalen Präsidenten direkt eine Art Aufwandsentschädigung vom Weltverband erhalten sollen. Schon bisher gibt es mehr als drei Dutzend nationaler Spitzenfunktionäre, die in den Genuss fürstlicher Saläre kommen. Infantino selbst lässt sich rund sechs Millionen Dollar auszahlen, die übrigen Mitglieder seines 37-köpfigen Councils, darunter der Präsident des Deutschen Fußball-Verbandes, Bernd Neuendorf, kommen auf 250 000 Dollar pro Jahr. Ihr Wirken besteht darin, in luxuriösem Ambiente ein paar Sitzungen zu besuchen und dabei brav abzunicken, was ihnen Infantino und die Fifa-Administration vorsetzen.

Immerhin jeder sechste Mitgliedsverband der Fifa hat also schon einen Funktionär, der vom Weltverband ein dickes Geldbündel erhält. Bald könnten alle 211 Verbandschefs in den Genuss von Zuwendungen kommen. Eine Zahlung von 20 000 bis 30 000 Dollar pro Kopf und Jahr ist im Gespräch – viel Geld, zumal in zahllosen Weltregionen, in denen umständehalber gar nicht ernsthaft Fußball gespielt werden kann. Auf der Tagesordnung des Kongresses taucht dieser durchaus heikle Punkt bisher nicht auf, und auch mancher europäische Spitzenfunktionär hatte kurz vor Kongressbeginn keine Ahnung von der diskret geführten Debatte, die gleichzeitig in Afrika bereits den Siedepunkt erreicht hat. Bei Fifa-Versammlungen gibt es in den Tiefen der Agenda aber Einstiegsluken für Themen solcher Art. Eine Anfrage vom frühen Mittwochmorgen, ob so eine Bezahlung kommt oder ob sie das ausschließen kann, beantwortete die Fifa ausweichend: Sie verwies auf die Zeitverschiebung nach Vancouver – und ließ offen, ob sie das überhaupt kommentieren möchte.

In jedem Fall verteilt der Weltverband an anderer Stelle Wohltaten. Soeben hat er die Summe, die er an die 48 WM-Teilnehmer ausschüttet, um fast 150 Millionen Dollar erhöht. Denn viele Verbände sind äußerst unzufrieden mit der Finanzsituation rund um die WM. Zwar ist diese in vielerlei Hinsicht ein Turnier der Rekorde, vom Teilnehmerfeld bis zu den Kosten für die Sicherheit und die Zuschauer. Aber bei den einzelnen Nationen kommt tendenziell wenig an.

Jeder WM-Teilnehmer erhält garantiert 12,5 Millionen Dollar

Als Prämientopf waren zunächst insgesamt 727 Millionen Dollar vorgesehen, garantierte 10,5 Millionen für jeden Starter und 51,5 Millionen für den Weltmeister. Aber davon fressen die hohen Kosten, die bei diesem Turnier für Logistik und Unterkunft anfallen, vieles auf, die Dollar-Schwankungen tun ihr Übriges. Obendrauf, das ist für viele das größte Problem, kommt noch das Thema Steuern. Die bisher übliche Steuerbefreiung haben nur Kanada und Mexiko der Fifa gewährt, die USA sperren sich dagegen. Was, nebenbei, auch ein Grund ist dafür, dass anders als ursprünglich geplant die Frauen-WM 2031 noch nicht bei diesem Kongress in Vancouver an die USA vergeben wird: Es fehlen Visa- und Steuergarantien. Die Vergabe soll erst am Jahresende erfolgen. Bleibt Trump stur, hat Infantino eine weitere Großbaustelle – dies ist der einzige Bewerber.

Hauptbetroffene beim Thema Steuerlast sind Mannschaften, deren WM-Spiele ausschließlich oder hauptsächlich in den USA stattfinden. Dabei wird es besonders kompliziert, weil von Bundesstaat zu Bundesstaat verschiedene Steuersätze gelten. Das war schon bei der Klub-WM ein Thema, das die Teilnehmer verärgerte. Jetzt gilt das erst recht. Für kleinere Verbände wird es besonders schwierig, bei diesem Turnier ein finanziell gutes Ergebnis einzufahren – aber auch für große Nationen, die in den USA spielen, kann sich die WM bis zum Viertelfinale schnell zum Draufzahlgeschäft entwickeln. Am Dienstag beschloss das Council jedenfalls kurzfristig, noch einige Millionen draufzupacken. Der Gesamttopf wächst von 727 auf 871 Millionen Dollar, das Fixum pro Nation von 10,5 auf 12,5 Millionen – und obendrein gibt es Zuschüsse für die Kosten der Teamdelegationen und erhöhte Ticketkontingente über 16 Millionen.

Aber nicht nur die WM-Teilnehmer sollen mehr vom Geldsegen abhaben, sondern auch alle anderen – wenngleich die Fifa da nur generell verspricht, die verbleibenden Einnahmen zugunsten der 211 Mitgliedsverbände in den Fußball zurückzuführen. In der Fifa-Welt spielen die Entwicklungsgelder eine Schlüsselrolle. Sie betrugen im Vorjahr allein über das „Forward“-Programm knapp 500 Millionen Dollar, fürs nächste Jahr sind sogar 675 Millionen geplant. Bis zu 7,5 Millionen Dollar konnten manche Länder seit Programmbeginn 2023 abgreifen – zuweilen ist die Frage erlaubt, wie und wofür genau dieser Reibach mancherorts ausgegeben wurde.

Jetzt gibt es also wieder Nachschlag. Offen bleibt, ob all das Geld ausreicht, um Jubel zu erzeugen und die Nervosität an der spendablen Verbandsspitze einzudämmen.

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