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Fifa-Präsident:Strafverfahren gegen Infantino

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Fifa-Chef Gianni Infantino (Archivbild aus dem Jahr 2017).

(Foto: imago/Ulmer)

Gianni Infantino droht als Präsident des Weltfußballverbands das Aus. Die Schweizer Justiz eröffnet ein Strafverfahren - die Fifa müsste ihn jetzt suspendieren.

Von Claudio Catuogno und Thomas Kistner

Die Schweizer Justiz hat ein Strafverfahren gegen den Fifa-Präsidenten Gianni Infantino eröffnet. Es geht dabei um geheime Treffen zwischen dem Chef des Fußball-Weltverbandes und dem Leiter der Bundesanwaltschaft, Michael Lauber. Das teilte die Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA) am Donnerstag in Bern mit.

Auch gegen einen Schulfreund Infantinos, den Walliser Oberstaatsanwalt Rinaldo Arnold, wird ermittelt. Und um gegen Lauber ebenfalls ein Strafverfahren eröffnen zu können, wird beim Parlament in Bern die Aufhebung von dessen Immunität beantragt.

Ende Juni hatte die AB-BA den Juristen Stefan Keller, der im Hauptberuf Präsident des Ober- und Verwaltungsgerichts des Kantons Obwalden ist, zum außerordentlichen Staatsanwalt des Bundes ernannt. Er sollte mehrere Strafanzeigen prüfen, die gegen Bundesanwalt Lauber, Fifa-Präsident Infantino und weitere Personen eingegangen waren.

Ein ähnlicher Fall hat Sepp Blatter das Amt gekostet

Nun kam Keller zu dem Schluss, "dass im Zusammenhang mit den Treffen von Bundesanwalt Michael Lauber mit dem Fifa-Präsidenten und dem Walliser Oberstaatsanwalt Anzeichen für ein strafbares Verhalten bestehen. Es geht dabei um Amtsmissbrauch (Art. 312 StGB), Verletzung des Amtsgeheimnisses (Art. 320 StGB), Begünstigung (Art. 305 StGB) und die Anstiftung zu diesen Tatbeständen." Weitere Straftatbestände und Verfahrenseröffnungen blieben vorbehalten, hieß es in deiner Mitteilung der AB-BA.

Lauber, Infantino und Arnold hatten sich mehrmals zu Geheimtreffen verabredet, obwohl Laubers Bundesanwaltschaft in mehreren Verfahren rund um die Fifa ermittelte. Eines dieser Treffen wollen alle Beteiligten sogar vergessen haben. Dies nannte erst vor wenigen Tagen ein Schweizer Gericht als abwegig. Lauber hat deshalb seinen Rücktritt eingereicht. Um gegen ihn zu ermitteln, muss in Bern die Immunitätskommission des Nationalrats und die Rechtskommission des Ständerats zustimmen.

Gemäß der Fifa-Statuten müsste der Weltverband Infantino bis zum Abschluss des Strafverfahrens suspendieren. Ein ähnlicher Fall hatte im Jahr 2016 Infantinos Vorgänger Sepp Blatter das Amt gekostet.

© SZ.de/ebc
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