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Fifa-Boss Gianni Infantino:Gelogen? Egal!

FIFA weist Vorwürfe gegen Infantino zurück

Immer Ärger: Gianni Infantino.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Die Fifa versucht, den Privatjetflug von Präsident Gianni Infantino zu rechtfertigen und umkurvt den Kern des Vorwurfs einfach. Und der DFB? Der gibt eine Ehrenerklärung ab für den Skandal-Patron.

Gianni Infantino, nächstes Kapitel: Für Aufregung sorgt nun die Privatjet-Affäre des Fifa-Präsidenten. Infantino war 2017 per Charterflug von einem Termin aus Surinam in die Schweiz heimgekehrt, bei seinen Compliance-Aufpassern ließ er die Buchung mit einem angeblichen Geschäftstreffen rechtfertigen, das es nie gab. Wie gegenüber der SZ, so verteidigte der Weltverband den Patron am Wochenende auch auf internationale Medienanfragen: Der Flug habe "Regeln und Vorschriften der Fifa" entsprochen.

Dabei umkurvt die Fifa weiter den Kern des Vorwurfs: dass der Flug per Falschaussage erschwindelt wurde. Infantinos Assistent Mattias Grafström hatte Compliance-Chef Tomaz Vesel (Slowenien) als Grund für die teure Privatjet-Reise ein Treffen mit Uefa-Präsident Aleksander Ceferin in Nyon präsentiert. Tatsächlich weilte Ceferin an jenem Tag (12. April 2017) in Armenien. Ihr am Kern der Affäre vorbeizielendes Dementi dekoriert die Fifa mit Lobliedern auf Restriktionen, die unter Infantino seit 2016 stattgefunden hätten: Die Kosten für Privatflüge seien "erheblich gesunken", sie dürften "nur bei Bedarf" erfolgen. Was die Affäre zurück auf Start setzt: Wieso gab die Fifa-Spitze einen Bedarf für den Surinam-Flug an, der erfunden war? Warum wurde Compliance-Chef Vesel Tage danach nicht der wahre Anlass genannt?

Diese Frage ist offen - und die Causa Vesel wäre ein Fall fürs Ethikkomitee. Gab der Chefaufseher grünes Licht aufgrund einer Lüge: Warum reagiert er jetzt nicht? Oder erfuhr er später den wahren Reisegrund: Wie ging er damit um, dass ihm zuerst ein Fake-Termin genannt worden war? Vesel ist abgetaucht. Das rückt die Rolle des Mannes, der im Hauptberuf Rechnungsprüfer der slowenischen Staatsausgaben ist, stark in den Fokus. Zumal er im Fifa-Nebenjob ungefähr das Vierfache seines Beamtensalärs kassiert.

Unkommentiert lässt Vesel auch einen anderen Vorgang. 2016 hatte er über einen anderen Privatflug Infantinos in Russland zu befinden. Seine Bewilligung sandte er an Grafström, erhielt sie mit Ergänzungen in seinem eigenen Text zurück - und der Bitte, diese Anmerkungen zu berücksichtigen. Vesel spurte, er ergänzte seine eigene "Entscheidung" mit Vorgaben, die direkt aus dem betroffenen Chefbüro kamen.

Rechtsexperten fordern, dass die Flug-Affäre unter dem Aspekt möglicher Geschäftsuntreue untersucht wird

Die Schweizer Justiz ist ausgelastet mit Eskapaden um Infantino. Dazu zählt das gerade angelaufene Amtsenthebungsverfahren gegen Bundesanwalt Michael Lauber, der sich von Infantino zu Geheimtreffen hatte verlocken lassen, ebenso wie eine Strafanzeige gegen den Fifa-Boss, die von der Berner Kantonsjustiz geprüft wird. Rechtsexperten fordern, dass auch die Flug-Affäre unter dem Aspekt möglicher Geschäftsuntreue untersucht wird.

Und die Fußballfunktionäre? Die schließen nach alter Sitte die Wagenburg. Auch der Deutsche Fußball-Bund, dessen Vize Rainer Koch im Fifa-Governance-Komitee sitzt, das speziell "die Aufgabe hat, Unabhängigkeitsprüfungen durchzuführen" - und dessen neuer Präsident Fritz Keller, der jüngst mit scharfer Kritik am Luxusgebaren reicher Profis Schlagzeilen machte. Auch hat sich der neue DFB soeben eine weitere Selbst-Untersuchung auferlegt: Wirtschaftsdetektive sollen die Sünden der Vergangenheit durchforschen.

Aber was ist mit der Gegenwart, wenn es nicht um protzige Kicker geht, sondern um windige Funktionäre? Auf SZ-Anfrage zur Infantino-Affäre gibt der DFB eine Ehrenerklärung ab für den Skandal-Patron: "Nach Kenntnis des DFB lag im Zusammenhang mit der Reise die Genehmigung der zuständigen Compliance-Stelle der Fifa vor. Daher geht der DFB davon aus, dass sie in Einklang mit den Regularien stattfand und - falls darüber hinaus nötig - die Fifa die nötigen Schritte einleiten wird, um den Sachverhalt offen und transparent aufzuklären." Transparenz in eigener Sache. Der neue DFB traut Infantino das glatt zu.

© SZ vom 25.05.2020/sonn
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