bedeckt München
vgwortpixel

Justiz-Affäre um Fifa-Präsident:Ein Meeting, das zu einem heiklen Zeitpunkt stattfand

Das geschah offenbar erst im Kontext der Ermittlungen eines Wallisers Sonderanwalts in der Sache. Damian Graf war von der Kantonsjustiz beauftragt worden, einem internen Aspekt dieser Affäre nachzuspüren: dem Verhältnis zwischen Infantino und einem mit ihm befreundeten Walliser Oberstaatsanwalt - dieser hatte die BA-Treffen für den Fifa-Boss eingefädelt. Zwar erwähnten Bundesanwaltschaft und Infantino ihr drittes Treffen zunächst auch gegenüber dem Sonderermittler nicht. Dann aber fand Graf Hinweise auf dieses stille Meeting im Juni 2017, das auf erneuten Vorhalt von der BA eingeräumt wurde. Auf SZ-Anfrage dazu erklärte die Berner Behörde umständlich, sie sei auf Hinweise gestoßen, die "auf ein weiteres Treffen zwischen Bundesanwalt Michael Lauber und Fifa-Präsident Gianni Infantino im Juni 2017 schließen lassen". Demnach scheinen sich schon Recherchen im eigenen Haus als schwierig zu gestalten.

Nun sieht sich die BA - immerhin die oberste Anklagebehörde der Schweizer Justiz - dem Verdacht ausgesetzt, das eigene Aufsichtsorgan nicht korrekt unterrichtet zu haben. Die AB-BA will sich bis zum Abschluss der Vorabklärungen, die wohl bis Anfang Mai dauern würden, nicht weiter zur Sache äußern. Die Bundesanwaltschaft wiederum betont nur generell die Wichtigkeit von Koordinierungstreffen. Mehrere Anfragen, warum nicht die BA selbst, sondern die Fifa diese Treffen anstoßen konnte, beantwortete die BA ebenso wenig wie konkrete Anfragen zum diskret gehaltenen dritten Treffen.

Fakt ist, dass auch dieses Meeting zu einem heiklen Zeitpunkt stattfand. Im Frühjahr 2017 lief noch die Untersuchung der BA in der TV-Rechte-Sache. Und klar war, dass Infantino eine Sperre durch die damaligen Chefs der Fifa-Ethikkammern drohte, sofern ihn die BA in dem Verfahren auch nur als "Auskunftsperson" klassifizieren sollte. Das ist ein Spezialstatus im Schweizer Recht, zwischen Zeuge und Beschuldigtem. Im Mai 2017 ließ Infantino laut Grafs Ermittlungsreport das dritte Treffen einfädeln - und zur selben Zeit entfernte er die kritischen Chefethiker Hans-Joachim Eckert und Cornel Borbely aus ihren Ämtern und ließ offenkundig unkritische Figuren installieren. Einige Monate nach dem Juni-Treffen stellte die BA die Ermittlungen zu dem TV-Deal ein.

All das wirft die Frage auf, ob die BA in der Lage ist, noch angemessen mit der Fifa und vor allem mit Infantino umzugehen. Sonderermittler Graf fand auch heraus, dass der Fifa-Boss dem Staatsanwalt, der ihm die Kontakte zur BA-Spitze herstellte, unentgeltliche Leistungen im Gegenwert von bis zu 20 000 Euro zukommen ließ - auf Fifa-Kosten. Derart wertvolle Geschenke sind gemäß Fifa-Regeln untersagt. Schweizer Juristen werfen die Frage auf, ob die federführende BA daher nicht gegen Infantino wegen des Verdachts auf Untreue ermitteln müsste. Auch dazu sagt die BA bisher nichts.

Sportpolitik Ein Freund, ein guter Freund

Sportpolitik

Ein Freund, ein guter Freund

Das seltsam enge Verhältnis von Fifa-Boss Infantino zu einem Schweizer Oberstaatsanwalt hat auch einen Sonderermittler beschäftigt - sein Papier gibt Einblick in eine Justizposse.   Von Thomas Kistner