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Fußball-Weltverband:Infantinos irrer Plan in Afrika

Fifa-Boss Gianni Infantino

Fifa-Boss Gianni Infantino

(Foto: Markus Schreiber/AP)
  • Präsident Gianni Infantinos Fifa hat das Chaos im afrikanischen Verband Caf weiter vergrößert.
  • Ein besonders irrer Plan: ein modernes Stadion für jedes der 54 Länder.

Am Wochenende spielte Gianni Infantino seine Stärke aus: Er lächelte das selbst verursachte Chaos in Afrika weg. Beim Treffen mit den 54 Fußballverbänden des Erdteils in Rabat/Marokko verzauberte er deren Führer mit Versprechen für zeitnahe Milliardeneinkünfte, die jeder vernünftigen Grundlage entbehren. Aber der Fifa-Boss musste gut Wetter machen: Beim Afrika-Verband Caf hatte sein Weltverband die Probleme derart verschlimmert, dass er nun den stillen Ausstieg sucht.

Infantinos Weltverband hatte Anfang August die Führung des Caf an sich gerissen, Generalsekretärin Fatma Samoura wurde für sechs Monate als "Generaldelegierte" eingesetzt. Die Zeit ist abgelaufen, in Rabat wurde gestern beschlossen, dass Samoura wieder zurück nach Zürich soll.

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Zwar hatte der seit 2017 amtierende Caf-Chef Ahmad Ahmad, umtost von Korruptionsvorwürfen und Ermittlungen, den Verband im Eiltempo heruntergerockt; doch war dieser Ahmad, wie auch Samoura, Infantinos Wahl. Und schon vor dem jähen Aufstieg im Fußballgeschäft war dieses Pärchen beruflich recht eng verbandelt: Ahmad war in Madagaskar Fischereiminister, die Senegalesin Samoura war dort Delegierte des UN-Ernährungsprogramms.

Das akkumulierte Können, das die zwei Ernährungsexperten in den Fußball einspeisten, hat Afrika in Turbulenzen gestürzt. Höhepunkt bildete im Oktober die Kündigung des bis 2028 laufenden Fernsehvertrages für die Afrika-Meisterschaften mit dem Langzeitpartner Lagardère über eine Milliarde Dollar. Die wütenden Franzosen streben per Schiedsgericht eine Kompensation von 90 Millionen Dollar an. Und Caf hat keinen Sendepartner mehr. Samoura war in die Caf-Zentrale in Kairo eingerückt, die Strippen zog dort aber ein anderer Infantino-Getreuer, der Italiener Mario Galavotti. Unter dem schillernden Advokaten wurde der Lagardère-Vertrag gecancelt. Eingedenk der intransparenten Führungsstruktur im Caf prüfen auch andere Rechte-Partner ihre Engagements, bestehende wie zukünftige. Das führte dazu, dass der Caf sogar die afrikanischen Qualifikationsspiele für die WM 2022 in Katar, die im März hätten starten sollen, in den Herbst verschieben musste. Schließlich sollen diese Spiele im Fernsehen zu sehen sein, gegen Entgelt. Aber wer soll übertragen? Einen TV-Partner gibt es nicht mehr.

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