Fußball-WeltverbandFifa will WM an Investoren verkaufen – Dringlichkeitstreffen von Europas Verbänden

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An den Plänen von Gianni Infantino (li.) ist Berichten zufolge auch der Bruder von Donald Trumps Schwiegersohn interessiert. Technologie-Investor Joshua Kushner will wohl mit seinem Fonds einsteigen.
An den Plänen von Gianni Infantino (li.) ist Berichten zufolge auch der Bruder von Donald Trumps Schwiegersohn interessiert. Technologie-Investor Joshua Kushner will wohl mit seinem Fonds einsteigen.
Jose Breton/NurPhoto/Imago
  • Fifa-Präsident Gianni Infantino plant, 20 Prozent der Anteile an Weltmeisterschaften über ein neues Unternehmen an private Investoren zu verkaufen.
  • Die Uefa reagiert mit scharfer Kritik und erwägt einen Boykott der WM, da eine Grenze überschritten werde.
  • An den Plänen ist auch Joshua Kushner beteiligt, der Bruder von Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner.
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Fifa-Präsident Gianni Infantino plant, Anteile der Männer-, der Frauen- und der Klub-WM an private Investoren abzugeben – mit Hilfe aus dem Trump-Umfeld. Die Uefa reagiert entschieden.

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Titelverteidiger Spanien fehlt 2030 im eigenen Land, das französische Milliardenensemble um Kylian Mbappé schaut nur zu – und auch Jürgen Klopp bleibt die Chance auf den WM-Thron mit dem DFB-Team verwehrt? Ganz auszuschließen ist all das nach dem aufsehenerregenden Investorenplan der Fifa offenbar nicht mehr. Zwischen dem Weltverband und der Uefa droht die ultimative Eskalation, laut Sky, ESPN und Bloomberg wollen die Europäer über einen möglichen Boykott der Weltmeisterschaft sprechen.

Noch in der laufenden Woche soll es nach SZ-Informationen diesbezüglich eine digital veranstaltete Dringlichkeitssitzung geben. Die neueste Milliardenidee von Gianni Infantino schlug laut einer von der britischen Tageszeitung Times nicht namentlich genannten Insidern wie eine „Atombombe“ ein. „Viele im europäischen Fußball sehen die Pläne der Fifa als absoluten Angriff auf den Fußball an. Diese Haltung teile ich“, sagte Hans-Joachim Watzke dem kicker: „Hier wird eine Grenze überschritten.“ Gespräche hätten gezeigt, dass hierüber unter den europäischen Mitgliedsverbänden „Einigkeit“ herrsche.

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„Bei der WM standen sechs europäische Teams im Viertelfinale und drei im Halbfinale. Wenn sich der europäische Fußball geschlossen gegen die Pläne wehrt, hat das sehr viel Gewicht“, führte der deutsche Ligapräsident und Vize-Präsident des Uefa-Exekutivkomitees aus. Der europäische Dachverband selbst nehme „diese Angelegenheit äußerst ernst. Das sollten auch alle nationalen Fußballverbände tun“, hieß es in einer Stellungnahme der Uefa. Es werde eine Grenze überschritten, „die die führenden Institutionen des Fußballs niemals überschreiten dürfen“.

Das sehen höchste politische Kreise ähnlich. „Hände weg von unserem Sport“, schrieb EU-Sportkommissar Glenn Micallef bei X: „Die unaufhaltsame Kommerzialisierung des Fußballs hat sich zu einem zerstörerischen Faktor entwickelt. Kommerzieller Erfolg sollte den Fußball stärken, nicht ihn verschlingen.“ Das Vorhaben werfe „wichtige wettbewerbsrechtliche Fragen“ auf. Die Weltmeisterschaft sei „kein Produkt“ und „nie jemandes Eigentum“, monierte der britische Premierminister Andy Burnham.

Die englische Times, der Telegraph und die Financial Times hatten am Dienstag berichtet, dass Infantino über eine neu zu gründende Tochterfirma namens Fifa Forward Enterprise (FFE) 20 bis 30 Prozent der Anteile an der Fußball-WM an private Investoren abtreten will. „Vorbehaltlich“ der Zustimmung durch eine Mehrheit der Mitgliedsverbände und des Councils, in dem auch DFB-Chef Bernd Neuendorf sitzt, soll laut Fifa die Investorengruppe von Thrive Capital angeführt werden. Der Investmentgesellschaft steht Joshua Kushner vor, der Bruder von Jared Kushner, der wiederum der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump ist.

Infantinos Verbindungen zu Trump stehen nicht erst seit dem aufsehenerregenden Fall Balogun bei der WM im Fokus. Diese enge Beziehung habe mittlerweile „eine finanzielle Dimension erreicht, die dem Fußball tief schadet“, schrieb der ehemalige Fifa-Boss Sepp Blatter, der einst selbst die Kommerzialisierung des Weltverbandes eingeleitet hatte. Es sei „ein skandalöser Ausverkauf unseres gemeinsamen Erbes“, sagte Nick McGeehan als Direktor der Menschenrechtsorganisation FairSquare auf SID-Anfrage.

Auch die nord- und mittelamerikanische Konföderation Concacaf zeigte sich „zutiefst besorgt über das Fehlen eines ordnungsgemäßen Verfahrens“. Infantino versprach den Mitgliedsverbänden derweil eine Verdopplung der Gelder durch den möglichen Deal. Das Vorhaben sehe „aus wie ein Wahlkampf, der mit der Zukunft des Fußballs finanziert wird“, kritisierte Spaniens Ligapräsident Javier Tebas mit Blick auf die anstehenden Wiederwahl Infantinos im Frühjahr 2027: „Die Entwicklung darf nicht dazu genutzt werden, Stimmen oder Schweigen zu kaufen.“ Infantino sei „nicht die Lösung für die Führung der Fifa. Er ist das Problem“.

Dieser Gedanke reift offenbar bei vielen Mitgliedsverbänden der Uefa immer mehr heran. Dennoch bleibt abzuwarten, ob anders als im Fall Balogun der lautstarken Kritik letztlich auch Taten wie ein möglicher WM-Boykott folgen.

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