bedeckt München 26°

Fifa-Funktionär Ricardo Teixeira:Keine Sorgen in der Heimat

In der Heimat braucht sich Teixeira keine Sorgen zu machen. Obwohl aufflog, dass er als Chef des WM-Organisationskomitees einen Bereicherungsvertrag mit sich selbst abgeschlossen hat: Danach ist er an WM-Gewinnen zur Hälfte beteiligt, etwaige Verluste trägt nur der CBF. Nach Ruchbarwerden der Affäre soll der Kontrakt geändert worden sein, nur: Kontrolliert hat das niemand. Die Regierung scheut Affären vor der globalen Fußballsause, und der einst allmächtige Sender TV Globo ist auf Schmusekurs.

Fifa-Wahl: Pressestimmen

"Irgendwas riecht faulig bei der Fifa"

Denn im Land tobt eine Fernsehkrise. TV Globo wird seit einigen Jahren von Rede Record attackiert. Die Senderkette des Kirchensektierers Edir Macedo will Globo schon deshalb auslöschen, weil der Sender einst aufgedeckt hatte, wie Macedo seinen Leuten das Eintreiben der Spenden von Gläubigen einbläut. Macedos "Universalkirche" ist eine Geldmaschine, die im Fokus anhaltender Ermittlungen steht.

Nun warb Record zahlreiche Globo-Leute ab und tritt auch auf dem Sportmarkt gegen Globo an: Es ergatterte die Exklusivrechte an den London-Spielen 2012, dazu die Panam-Spiele 2011 und 2015. Doch an den WM-Rechten biss sich Record die Zähne aus. Die Bande zwischen Fußballboss Teixeira und Globo-Chefunterhändler Marcelo Campos Pinto hielt.

Auch im Kampf um die Rechte an der nationalen Liga ging es heiß her: Die Chefs der Klub-Vereinigung "Clube dos 13" inszenierten ein Bieterverfahren, zum Missfallen vieler Vereine, Record bot ein Vermögen - Globo zog sich zurück. Dann stiegen erste Klubs aus, und Stunden vor der Vergabe warf Record das Handtuch. Globo hatte diskret Einzelverträge mit den größten Klubs abgeschlossen.

Der Bischof tobte, seine Senderkette wütet nun gegen Teixeira und Globo. Die Republikaner, Macedos parlamentarischer Arm, fordern eine Untersuchung zum WM-Deal der CBF. Auch der berühmte Abgeordnete Romario macht sich das brisante WM-Thema zu eigen, 2012 will der einstige Rekordtorjäger fürs Bürgermeisteramt in Rio de Janeiro kandidieren. Weshalb Globo alles tut, um Teixeira bei Laune zu halten - ein kritisches Wort, und Erzrivale Record könnte dem gekränkten Paten eine neue Heimat bieten.

Kein Wunder, dass Teixeiras bizarrer Selbstbereicherungsvertrag die meisten Medien kaum interessiert. Und Rousseffs Regierung hat andere Korruptionsprobleme, etwa mit der Koalitionspartei PMDB: Letzte Woche musste der Transportminister gehen, jetzt wackelt der Landwirtschaftsminister, am Wochenende verprügelte ein PMDB-Lobbyist einen Reporter der Zeitschrift Veja. Mit dem Volksheiligtum Fußball legt sich Rousseff derzeit so wenig an wie mit der superreichen, zulaufstarken Freikirche.

Und Teixeira, der Mann in allen Strafakten? Er genießt die Unantastbarkeit in vollen Zügen. Im Interview mit Piaui schlachtete er auch das vollmundig aus: Für ihn zähle allein Globos Berichterstattung. Wann immer ihn Record angreife, stärke dies nur seinen Rückhalt bei Globo. Er könne jetzt, prahlte er, "jede Untat begehen, die ich will".