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Fifa:Infantino hat für Ahmad schon einen Nachfolger im Blick

Aber nun lag neben den Ermittlungen gegen Ahmad und der mysteriösen Lagardère-Vertragsaffäre auch ein vernichtender Report auf dem Tisch. Die Wirtschaftsprüfer von PwC enthüllten, wie unter Ahmad zwischen 2017 und 2019 rund 24 Millionen Dollar in dunklen Kanälen versickert sein sollen. In jenem Zeitraum habe die Fifa 51 Millionen Dollar an den Caf überwiesen, 24 Millionen davon seien an Funktionäre ausgereicht worden. Unklar ist der Verbleib von Entwicklungsgeldern in Millionenhöhe, es gibt seltsame Zahlungen auf Privatkonten von Verbandsbossen und absurde Ausgaben für Geschenke und Reisen. Richtig krachen ließen es Ahmad und Kollegen insbesondere bei einer luxuriösen Pilgerreise nach Mekka.

Erkenntnisse lieferte der PwC-Report auch zu Ahmads Ausrüster-Deal mit der französischen Firma Tactical Steel, der die Pariser Strafermittler aktiviert hatte. Demnach gebe es zum Verbleib von sechs Millionen Dollar nur Mails zwischen Ahmads Büro und Tactical Steele. Sollte sich erhärten, dass in Ahmads Caf Millionen versickerten - in Funktionärstaschen, für Reisen, Hochzeiten, Begräbnisse -, wäre erneut die US-Justiz gefragt.

Die war schon 2015 in Zürich eingerückt und hatte hohe Funktionäre festgesetzt; viele wurden später in New York verurteilt. Auch hier ging es um Misswirtschaft, allerdings im Verband Lateinamerikas. Das juristische Beben fegte die alte Fifa-Spitze um Infantinos Vorgänger Sepp Blatter hinweg.

Nun könnte die mysteriöse Kündigung des Lagardère-Deals die Justiz erneut auf den Plan rufen; seit Kurzem befragen sogar die Fifa-Ethiker Ahmad und dessen Caf-Stellvertreter Constant Omari zu Hintergründen, Sublizenzierungen und Schattenfirmen bei den Caf-TV-Geschäften. Der Kongolese Omari, wie Ahmad Mitglied im Fifa-Rat, war 2019 in seiner Heimat wegen Korruptionsverdachts vorübergehend festgenommen worden.

Er und weitere Funktionäre sollen Staatsgelder veruntreut haben. Es braucht also neue Gesichter für die Caf-Präsidentenwahl im März, und Infantino, heißt es in Afrika,soll schon einen neuen Favoriten gefunden haben: Ahmed Yahya aus Mauretanien. Dass auch der auf Ahmads Mekka-Pilgerliste steht, hat seine Caf-Kandidatur nicht verhindern können.

Und Ahmad? Mit nur fünf Jahren Sperre ist er auffallend gut bedient. Zumal den Ethikern noch etwas anderes gegen ihn vorliegt: Beschwerden wegen sexueller Belästigung zahlreicher weiblicher Angestellter. Das milde Strafmaß gegen den Infantino-Vasallen lässt ahnen, dass darüber gar nicht verhandelt wurde.

© SZ vom 24.11.2020/bek
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