Fußball Fifa-Skandal: Blattinis Ära endet mit Wehklagen

Der eine bettelt, der andere verschwindet durch die Hintertür: Die Funktionärskarrieren von Sepp Blatter und Michel Platini dürften mit drakonischen Strafen austrudeln - das ist längst überfällig.

Kommentar von Thomas Kistner

Der eine bettelt und wehklagt, der andere verschwindet durch die Hintertür. Der Schlussakt der Causa Blattini passt dramaturgisch perfekt zu den zwei Funktionärskarrieren, die nächste Woche mit drakonischen Sperren beendet werden dürften.

Sepp Blatter und Michel Platini, der Großmeister der Sportpatronage und sein gelehriger Schüler, sind über eine von vielen anrüchigen Zahlungen gestolpert, die den Fußball-Weltverband Fifa zum Synonym für Korruption und Mafia-artige Bandenkriminalität gemacht haben. Letzteres ist die Definition, die die US-Justiz ihren Ermittlungen rund um die Fifa zugrunde legt.

Detaillierte Anklagen auf dem Tisch

Die Spruchkammer des Fifa-Ethikkomitees hat detaillierte Anklagen auf dem Tisch; es geht um zwei Millionen Franken, die Blatter 2011 als Fifa-Boss für Platini bewilligte. Nicht nur die Ethiker, auch die Schweizer Bundesanwaltschaft wittert hier Geschäftsuntreue. Das Duo Blattini erklärt den Deal als Nachzahlung für Platinis Beraterarbeit neun Jahre zuvor. Am Donnerstag spricht Blatter bei Richter Hans-Joachim Eckert vor, am Freitag hat Platini einen Termin.

Doch der Franzose pfeift darauf, er findet, das Urteil sei "schon durch einen Sprecher der Kommission der Presse mitgeteilt und damit gegen die Unschuldsvermutung verstoßen worden", so beklagen seine Anwälte. Die Pariser L'Équipe hatte Kommissionssprecher Andreas Bantel zitiert, dass Platini "mindestens eine mehrjährige Sperre" erwarte. Bantel spricht aber nicht für Eckerts Kammer, sondern für den Untersuchungsstab und ist autorisiert, dessen Anträge publik zu machen. Und er bestreitet, sich wie wiedergegeben geäußert zu haben; auch das könnte Folgen haben.

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Der suspendierte Fifa-Chef hält letzte Verteidigungsreden vor der Anhörung bei der Ethikkommission. Michel Platini wird aus Protest gar nicht zu dem Termin bei der Fifa erscheinen.

Im Hinblick auf die Strafanträge, über die Eckert urteilen muss, stehen zwei Versionen zu Gebote. Einmal lebenslang - sofern die Richter auf Korruption erkennen; ansonsten Sperren von bis zu zehn Jahren wegen Untreue, Dokumentenfälschung, Interessenskonflikt. Bekannt wurde das übrigens aus dem Umfeld der Beschuldigten, was den Verdacht nährt, dass Platini in Ermangelung eigener Entlastungsargumente formale Angriffspunkte sucht.

Ob es mit Blatter einfacher wird? Zwar war Eckert bisher mit viel Respekt vor dem Fußballpatron aufgefallen. Andererseits gilt er als Freund klarer Kante, wenn es zum Prozess kommt. Trifft das zu, wird Blatters Torschluss-Aktionismus ins Leere laufen. Der 79-Jährige rührte zuletzt ja tüchtig die Medien auf, beschreib sich selbst als über dem Ethikcode stehend und beklagte Engel, Teufel sowie die Inquisition, die ihm drohe.

Er schrieb Bittbriefe und trug Absurditäten vor wie den Zuspruch, den er von Freunden aus aller Welt erhalte. Just diese Freunde sind es aber, die Blatters Regime getragen haben. Was diese Funktionäre so gewogen hielt, wofür sie stehen, wird gerade auch in Deutschland erkennbar, wo die Justiz das Sommermärchen beleuchtet, dessen Macher noch heute große Stücke auf Blatter und seine alte Kameraden halten.

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