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Formel 1:Vettel braucht dringend ein besseres Auto

Formel 1: Ferrari-Pilot Sebastian Vettel in Abu Dhabi

Für Sebastian Vettel im Ferrari war es eine Saison zum Vergessen.

(Foto: Getty Images)
  • Beim Epilog der diesjährigen Saison gefallen sich die Protagonisten in ihren gewohnten Rollen.
  • Hamilton herrscht, bei Ferrari geht es dagegen manchmal dilettantisch zu.
  • Danach könnte sich ein interessanter Fahrertausch zwischen den Topteams ereignen.

Nun also ist der Vorhang gefallen, mal wieder in Abu Dhabi, am Ende eines Jahres in der Formel 1. Aber diesmal war etwas anders. Diesmal sind die Protagonisten zum Abschied auf die Bühne getreten und haben sich noch einmal den Applaus abgeholt für exakt jene Charaktere, die sie schon das ganze Jahr zur Unterhaltung des Publikums gemimt hatten. Wahrlich niemand ist zum Abschied aus der Rolle gefallen.

Lewis Hamilton warf sich zum Abschluss noch einmal in das Gewand des unnahbaren Herrschers. Als Insignien trug er Pole-Position, Streckenrekord, Start-Ziel-Sieg und die schnellste Rennrunde vor sich her; er fuhr alleine vorne weg, die Kollegen sah er nur beim Überrunden. Max Verstappen und Charles Leclerc, die 22-Jährigen auf dem Siegertreppchen, gefielen sich mal wieder in der Darstellung von Hamiltons raubeinigen Thronfolgern, die nur noch unter sich auszukarteln haben, wer Hamilton eines Tages mal nachfolgen wird. Vielleicht folgen sie auch beide.

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Und dann war da noch Sebastian Vettel, ein viermaliger Weltmeister. Der gefallene Held. Als der Vorhang sich schloss, wussten die Zuschauer mal wieder nicht, ob sie lachen oder weinen sollten. Fünfter Platz im Rennen, fünfter Platz in der Endabrechnung, in seinem fünften Anlauf bei Ferrari, seinen fünften Titel zu gewinnen. Dazu ein Crash am Freitag und ein Dreher am Samstag. "Das Rennen war ein bisschen sinnbildlich für die Saison", fand auch Vettel, betonte aber tapfer: "Es war nicht so schlecht, wie es aussieht, denn es gab viele Kleinigkeiten, die am Ende wahrscheinlich das große Bild beeinträchtigt haben."

Im Zweifel gilt die Unschuldsvermutung

Das große Bild bei der Scuderia bleibt ein sehr rätselhaftes. Fehler passieren in der Formel 1, aber die hohe Frequenz, in der sich die Italiener mit Unkonzentriertheiten um den Ertrag bringen, war 2019 beeindruckend. Auch in Abu Dhabi blieben sich die Experten aus Maranello treu: Am Samstag schickten sie Leclerc in der Qualifikation zu spät auf die Strecke und brachten ihn so um die Möglichkeit, noch eine schnellste Runde vorzulegen. Am Sonntag füllten sie sechseinhalb Liter mehr Sprit in seinen Tank, als sie angegeben hatten.

Mehr Sprit ist nicht einmal verboten. Mehr Sprit einfüllen als angeben, ist vermutlich nur dilettantisch.

Das zusätzliche Gewicht bremst den Piloten sogar. Verboten ist lediglich, in einem Rennen mehr als die erlaubten 110 Kilogramm Benzin zu verbrennen. Und so aber geriet die Scuderia im für sie besten Fall beim Epilog der Formel 1 mal wieder unnötig in den Verdacht zu schummeln.

Warum, fragten manche, sollte ein Team mehr Benzin einfüllen, als es angibt? Es sei denn, es will das Benzin zusätzlich und heimlich in den Motor einspritzen! Die Konkurrenz hat das immer wieder vermutet - die Fia ließ es auch untersuchen. Im Zweifel gilt die Unschuldsvermutung.