FC Watford Sir Elton John ist verzückt

Ehrenpräsident, aber viel mehr noch glühender Anhänger seines FC Watfords: Sir Elton John.

(Foto: AP)
  • Nach vier Spielen mit vier Siegen steht der FC Watford auf dem dritten Tabellenplatz in der englischen Premier League.
  • Dabei war der Verein vor der Saison für der Buchmacher einer der Abstiegskandidaten.
  • Zudem gab es in den vergangenen Jahren einige Störgeräusche durch Machenschaften der Pozzo-Familie, die den Verein führt.
Von Sven Haist, Watford

Zeitlebens hat sich Sir Elton John in den Dienst des FC Watford gestellt, egal ob als Eigentümer, Fan oder mittlerweile Ehrenpräsident. Der britische Popmusiker gab Konzerte, deren Einnahmen er dem Verein überließ. Sein Engagement beim Londoner Vorstadtklub, englischer Meisterschafts-Zweiter 1982/83, steht im Kontrast zum Auftreten anderer Persönlichkeiten, die bei ihren Stadionbesuchen auf der Insel darauf aus sind, sich selbst zu profilieren. Vor Jahren mahnte Elton John, ihn mache es wütend, dass das Spiel den Menschen, die es lieben, weiter entzogen werde. Vor zwei Wochen kam das Spiel zurück zu Elton John, so wie er es sich gewünscht hatte.

An der Seite der beiden Söhne erlebte er in der Spielstätte an der Vicarage Road den Erfolg seines Vereins über Tottenham Hotspur. Beim Siegtreffer riss er die Arme in die Luft. "Das Leben könnte nicht schöner sein. Ich liebe Watford und bin so stolz auf dich", schrieb Elton John auf Instagram. Mit einem Startrekord aus vier Siegen in vier Spielen in der höchsten englischen Liga hat sich der Abstiegskandidat auf den dritten Tabellenplatz geschoben. Hinter Chelsea und vor Manchester City gleicht Watford mit zwölf Punkten einem Überraschungsgast in der Spitzengruppe, mit dem keiner etwas anzufangen weiß. Vor dem Treffen mit Manchester United am Samstag zur besten Sendezeit wird gerätselt über die Hornets, die Hornissen, wie sie wegen ihrer gelb-schwarzen Trikots genannt werden: Wie sind sie da hingekommen?

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"Wir sind ein Verein, der gegen die Quoten der Wettanbieter ankämpfen muss"

Antworten kennt Sebastian Prödl. Für Watford schuftet Österreichs Nationalspieler, im Juli 2015 ablösefrei aus Bremen gewechselt, in der Abwehr. Neben seiner Arbeitsmoral hebt sich Prödl, 31, durch Bodenständigkeit und Weitblick ab. "Der Traumstart hat uns Hoffnung gegeben, dass die Saison sorgenfrei wird", sagt er: "Wir sind ein Verein, der gegen die Quoten der Wettanbieter ankämpfen muss. Unser Klub wird als einer der ersten gehandelt, wenn es um die hintersten Tabellenplätze geht. Und unser Trainer wird als einer der ersten genannt, der entlassen wird. Manchmal müssen wir darüber schmunzeln, weil es in England eigentlich jeden treffen kann."

Erstmals nach dem Aufstieg in die Premier League im Sommer 2015 hat Watford um den italienischen Familienpatriarchen Giampaolo Pozzo, 77, der vor sechs Jahren den damaligen Zweitligisten für eine halbe Million Euro kaufte, in der Transferperiode darauf verzichtet, die Stammkräfte auszutauschen. Nur der von Absteiger West Bromwich geholte Ben Foster hat sich als Torwart neu ins Team gespielt. Den Weggang des offensiven Brasilianers Richarlison zum FC Everton für 40 Millionen Euro fing Watford über Teamgeist auf.

Die kraftvolle Spielweise setzt den Gegnern zu, das frühe Attackieren mit zwei Angreifern hat die zweitmeisten Ballgewinne in Tornähe eingebracht. Die Entlastung kommt der Abwehr zugute, die am wenigsten Schüsse aufs Tor hinnehmen musste. In José Holebas, 34, besitzt Watford den gerade auffallendsten Profi auf der Insel. An die fünf Torbeteiligungen des Linksverteidigers, der einst für den TSV 1860 München gespielt hat, kommt niemand heran.