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FC St. Pauli:Neun Minuten

SV Darmstadt 98 v FC St. Pauli - Second Bundesliga

Für 90 Minuten reicht es noch nicht, trotzdem setzt Zweitligist FC St. Pauli große Hoffnungen in den zurückgekehrten Stürmer Alex Meier.

(Foto: Alex Grimm/Getty Images)

Hoffnungsträger und Rückkehrer Alex Meier verliert bei seinem kurzen Zweitliga-Comeback für St. Pauli in Darmstadt.

Die 1:2-Niederlage des FC St. Pauli beim SV Darmstadt 98 kommentierte Alexander Meier so: "Es war kalt und wir haben leider verloren." Über die Kunst, die Essenz eines Fußballspiels in wenige Worte zu fassen, verfügt Meier also weiterhin. Der mittlerweile 36 Jahre alte Profi ließ schon immer lieber Taten als Worte sprechen, auch deshalb nannten die Fans von Eintracht Frankfurt den 1, 96 Meter großen Angreifer "Fußballgott". 14 Jahre kickte Meier für die Eintracht - nun feierte der Mann aus Buchholz an der Nordheide am Dienstag sein Zweitliga-Comeback für den FC St. Pauli, für den er von 2001 bis 2003 schon einmal gekickt hatte.

Lange musste sich der zuletzt wohl berühmteste unter inzwischen doch diversen Fußballgöttern der Bundesliga mit einem lila Leibchen warmlaufen, bevor er in der 84. Minute eingewechselt wurde. Rechnet man die Nachspielzeit dazu, durfte Meier neun Minuten ran. Fünf Ballaktionen hatte er: zwei Kopfballverlängerungen, zwei gute Pässe und eine misslungene Verlängerung mit der Innenseite seines rechten Fußes (die sein ehemaliger Trainer Armin Veh mal als "die beste Innenseite der Bundesliga" bezeichnete und mit der er viele seiner 119 Tore für die Eintracht erzielte). Als Meier, gelbe Schuhe, kurzer Zopf, eingewechselt wurde, beschimpfte ihn das Darmstädter Publikum - Eintracht-Legenden sind im Lilienland nicht gerne gesehen. "Das ist normale Rivalität im Fußball", meinte Meier hinterher ungerührt.

Meier hat die Eintracht im Sommer nicht freiwillig verlassen, der Verein verlängerte den Vertrag des verletzungsanfälligen Routiniers nicht mehr. Seither wartete der als tadelloser Sportsmann bekannte Stürmer auf das richtige Angebot. Dieses kam jüngst von St. Pauli, das unter Zugzwang geraten war, weil sich Torjäger Henk Veerman einen Kreuzbandriss zugezogen hatte. Am Dienstag durfte Meier also wieder ran. Für 90 Minuten reiche es aber noch nicht, gab er ehrlich zu. Zur Rolle seines prominentesten Kickers erklärte St. Paulis Trainer Markus Kauczinski vorsichtig: Meier brauche noch Zeit, das wisse dieser auch. Das Kalkül des Klubs: Im Idealfall macht Meier irgendwann die Dinger rein, die Dimitrios Diamantakos gegen Darmstadt nicht rein gemacht hat. Nach Ryo Miyaichis Führung für die Hamburger (37.) traf der Grieche zunächst den Pfosten (44.), ehe er zwei weitere klare Chancen zum 2:0 nicht nutzte (46., 53.). "Da hätten wir den Sack zumachen müssen", klagte Kauczinski, dessen Elf nach Gegentoren von Marcel Heller (81.) und Serdar Dursun (89.) ohne Punkt blieb. Mit einem Sieg hätte St. Pauli sich an der Tabellenspitze festsetzen können. So aber werden die nächsten Spiele gegen Union Berlin und beim 1. FC Köln zum Spitzenteam-Stresstest.

Kauczinski fordert: "Wir müssen wieder die Momente, die es ausmachen, nutzen." Früher ist Alexander Meier genau das sehr oft gelungen.