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"Monchi" im Interview:"Unser wichtigstes Vermögen sind unsere Fans"

Ist nicht abzusehen, dass die großen Klubs zu billigeren Preisen einkaufen können?

Gegenfrage: Werden nicht auch die großen Klubs ihre eigenen Probleme haben? Ausnahmslos alle Klubs werden Schläge einstecken müssen, das ist offenkundig. Entscheidend ist für jeden Klub, einen adäquaten Notfallplan zu entwickeln. Sich so gut wie möglich auf verschiedene Szenarien vorzubereiten. Das wird die Kunst sein: eine Vereinspolitik zu entwickeln und Antworten auf viele hypothetische Ausnahmesituationen zu finden.

Als der Brasilianer Neymar Jr. im Sommer 2017 von Barcelona nach Paris wechselte, floss eine Ablösesumme von 222 Millionen Euro. PSG-Stürmer Kylian Mbappé war drauf und dran, den Rekord zu brechen. Wird es solche Transfers in naher Zukunft geben? Oder wird es lange dauern, bis dieses Marktsegment sich erholt?

Der Markt ist unvorhersehbar. Vor zehn Jahren galt eine Summe von 222 Millionen Euro als ein Wahnsinn, und doch kam es dazu. Ich halte den Fußball für eine Industrie sicherer Werte, denn es steht außer Frage, dass der Fußball ein soziales Phänomen ist. Hunderte Millionen Menschen lieben und konsumieren Fußball. Wenn wieder Normalität in unser Leben eingekehrt ist, wird es auch in unserer Branche Normalität geben. Wir müssen damit rechnen, dass anfangs gelitten wird. Aber ich glaube nicht, dass wir apokalyptisch sein müssen.

Wird das eher schnell passieren? Oder kommt nun eine Zeit sinkender Transfers, Gehälter, Beraterprovisionen?

Das wird vom Szenario anhängen, das sich uns kurzfristig bietet. Entscheidend ist, ob die Meisterschaften zu Ende gespielt werden oder nicht.

Welche Relevanz werden die festgeschriebenen Ablöseklauseln haben? Gemeint sind nicht die Fantasiesummen, die in den Verträgen von Spielern wie Messi stehen. Sondern beispielsweise von Spielern wie Dayot Upamecano von RB Leipzig: Vor ein paar Wochen galt ein Preis von 60 Millionen als realistisch ...

Die Klauseln existieren jetzt und werden auch in drei Monaten noch Bestand haben. Und dann wird es sich zeigen, welcher Klub eine größere oder kleinere Notwendigkeit hat zu verkaufen. Den Rest regelt der Markt: Die Klubs, die stärker auf Einnahmen angewiesen sind, werden Verhandlungen erleichtern.

Der Markt wurde von den englischen Klubs dominiert. Sie hatten gerade wegen der Fernsehgelder enorme Mittel zur Verfügung. Wird diese Vormacht anhalten?

Die TV-Gelder sind nicht nur für die Premier League, sondern auch für uns in Spanien, für die Bundesliga, die Serie A wichtig. Auch hier gilt: Wir werden alle getroffen werden. Und auch hier sind Prognosen schwierig. Es wird (wegen der noch ausstehenden TV-Geldzahlungen; Anm. d. Red.) einen Riesenunterschied machen, ob die Saison zu Ende gespielt werden kann oder nicht. Bei aller Vorsicht, die wir walten lassen müssen: Durch die Verschiebung der Europameisterschaft ist Zeit gewonnen. Dass die nationalen Meisterschaften zu Ende gespielt werden, ist eine reale Möglichkeit. Das muss unsere Arbeitshypothese sein. Ohne natürlich aus den Augen zu verlieren, dass die Dinge nicht von uns abhängen, sondern davon, wie sich diese Pandemie entwickelt.

Was sind die Werte der Profiklubs, die am Ende der Krise wirklich wichtig sein werden?

Ich weiß nicht, wie es in anderen Klubs aussieht. Aber unser wichtigstes Vermögen sind unsere Fans. Und für die gibt es keine Ablöseklausel.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir Monchi fälschlicherweise den Vornamen "Roberto" gegeben. Er heißt natürlich korrekt "Ramón".

© SZ vom 27.03.2020/ebc/cat

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