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FC Schalke: Erster Tag von Magath:Monarch auf dem Schrottplatz

Bei seinem Dienstantritt beim FC Schalke kritisiert der neue Trainer Felix Magath den Klub und die Spieler - und beendet die Diskussionen um Manuel Neuer.

Um 10.07 Uhr erblickte das Schalker Volk seinen neuen König. Es jubelte, als er zur ersten Parade das Exerzierfeld betrat. Womöglich hätten sich die Menschen nicht so extrovertiert gefreut, wenn sie ihn drei Stunden später im Souterrain der benachbarten Arena hätten lästern hören. Felix Magath ist der neue Monarch beim FC Schalke 04, wo er am Donnerstag das Training eröffnete.

Felix Magath bei seiner ersten Trainingseinheit als Schalker Coach.

(Foto: Foto: dpa)

4000 Menschen säumten den Übungsplatz und freuten sich über den möglichen Beginn einer Erfolgsära. "Ich bin nach Schalke gekommen, um Titel zu holen", hatte Magath wiederholt gesagt. Weil der letzte Schalker Meistertitel 51 Jahre her ist und Magath in der vergangenen Saison einen solchen Triumph mit dem VfL Wolfsburg feierte, strahlte zum Arbeitsbeginn die Sonne über dem Stadtteil Buer. 4000 Gesichter strahlten mit.

Nach dem Training ließ Magath kein gutes Haar an der jüngsten Vergangenheit des Klubs. Das Vereinsgelände gefällt ihm nicht, "das ist viel zu weitläufig". Die Stimmung der Fußballer beim Training gefiel ihm nicht, "sie waren mir zu verhalten". Der Trainingseifer gefiel ihm auch nicht, "denn einige haben sich nicht genug gezeigt". Die Trennung von den verdienten Klubhelden Mike Büskens, Youri Mulder und Oliver Reck sei notwendig gewesen, "weil auf Schalke viele Dingen eingefahren und neue Impulse dringend notwendig waren".

Und schließlich wischte Magath gar neue Aussagen des Vereinschefs Clemens Tönnies zu einer angeblich möglichen Veräußerbarkeit von Torwart Manuel Neuer vom Tisch: "Auf Schalke wurde schon in der Vergangenheit zu viel geredet und zu wenig gearbeitet!" Magath sprach leise und intonierte bedächtig, doch seine Worte ließen Respekt vermissen. "Ich bin hier, um einen Umbruch einzuleiten", sagte er, redete aber über die Umstände, als gelte es einen Schrottplatz aufzuräumen.

Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Tönnies hatte durch Äußerungen in einem Münchner Boulevardblatt die eigentlich abgeschlossen geglaubte Debatte um einen Wechsel Neuers zu Bayern München neu entfacht. "Wenn ein Wahnsinnsangebot kommt", wurde er zitiert, "dann bringt das einen ordentlichen Kaufmann dazu, darüber nachzudenken."

Magath reagierte barsch. "Das interessiert mich nicht", sagte er streng, "ein Verkauf von Manuel Neuer wäre für mich falsch, denn ich will Titel holen, und dazu brauche ich den besten deutschen Torhüter - Manuel Neuer ist der allerallerletzte Spieler, über den abzugeben ich nachdenken würde." Magath erklärte die Diskussion um den 23-jährigen Nationaltorhüter erneut für beendet.

Auf Schalke stehen dennoch gravierende Veränderungen an und dem Trainer und Manager Magath große Herausforderungen bevor. Der 55-Jährige will dafür sorgen, "dass die Spieler mit mehr Freude zur Arbeit erscheinen"; er will sich überlegen, wie er den Alltag angesichts der Entfernungen zwischen Kabine, Trainingsplatz, Geschäftsstelle und Stadion effektiver gestalten kann.

Und er will das Verhältnis zwischen der Mannschaft und den Fans verbessern, "denn so eine tolle Resonanz wie hier zum Trainingsauftakt habe ich lange nicht erlebt". Die geringsten Möglichkeiten zur Veränderung wird Magath im Kader haben, denn die finanziellen Mittel des Klubs sind begrenzt, und nicht einmal unter diesen Argumenten gestattet Magath also einen Verkauf Neuers, für den bis zu 20 Millionen Euro aufgerufen werden könnten.

Mit 22 Spielern, einschließlich des tschechischen Neuzugangs Jan Moravek (Bohemians Prag) und des zuletzt an den HSV verliehenen Albert Streit, begann das Training und war nach 100 Minuten beendet. "Er hat uns klar gemacht, dass es nicht einfach wird", sagte der Stürmer Gerald Asamoah hinterher und lächelte tapfer. Auf Schalke wird jetzt eben alles anders. Ohne Rücksicht auf die dort so gern zitierte Tradition.

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