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Bundesliga:Krisen gehörten quasi zum Markenkern des manisch launischen Klubs

Die Bilanz von 2:22 Toren seit dem 18. Spieltag zeigt nicht nur die Ursache der laufenden Minusserie an, sondern auch den Bedarf für die nächste Saison, und an diesem Punkt wird die Betrachtung abermals unangenehm. Die Schalker haben wenig Anlass, daran zu glauben, dass sie demnächst wieder mit internationalen Spitzenklubs konkurrieren dürfen: Für die effektive Aufrüstung des offensivschwachen Kaders fehlt das Geld. Letzteres war schon vor der Saisonpause knapp, durch die Verluste des Geisterspielbetriebs aber ist das schwarze Loch noch schwärzer geworden. Sämtliche Aktivitäten zur Erneuerung des Personals, die der Verein beim Technischen Direktor, dem Transferspezialisten Michael Reschke, in Auftrag gegeben hat, sind fürs Erste storniert worden. Die Folgewirkungen der Epidemie auf den Transfermarkt, der mutmaßlich ein Schrumpfmarkt sein wird - zum speziellen Schaden der Schalker -, lassen keinen Spielraum.

Zwar wird der Kader zur neuen Saison anders aussehen als der Kader, der gegenwärtig um Genesung ringt, aber diese Verwandlung folgt keinem Masterplan, sondern dem Zusammenbruch des Marktes in der Corona-Krise: Zehn Spieler hat der Klub derzeit in alle Welt verliehen, Bundesliga, zweite Liga, Frankreich, England, Spanien; nun muss er sich darauf einstellen, dass neun von ihnen ab dem 30. Juni wieder das - reduzierte - Budget belasten werden. Darunter befinden sich teure Heimkehrer wie Sebastian Rudy, 30, Nabil Bentaleb, 25, Mark Uth, 28, und Ralf Fährmann, 31, deren Jahresgehälter in Summe an die 20 Millionen Euro betragen. Das letzte Wort ist bei diesen Personalien nicht gesprochen, es kann schon sein, dass Rudy letztlich doch in Hoffenheim bleibt, Bentaleb endgültig nach Newcastle übersiedelt und Uth ein weiteres Jahr vom 1. FC Köln finanziert wird. Die Konditionen würden allerdings andere sein, als man vor drei Monaten noch kalkulieren durfte - es geht dann nicht mehr um finanziellen Zugewinn, sondern um die Etat-Entlastung.

Krisen gehörten in den vergangenen Jahren quasi zum Markenkern des manisch launischen Klubs. Ständig bewegte man sich zwischen Extremen. Unter Trainer Markus Weinzierl gab es 2016 fünf Niederlagen zum Saisonstart, unter Domenico Tedesco zwei Jahre später ebenfalls. Im Frühjahr 2019 folgte dem zweiten Platz der Vorsaison der Absturz in den Abstiegskampf mit Nothelfer Huub Stevens. Es sind die teuren Sünden dieser verrückten Zeit, die Schalke jetzt abermals einholen.

Den Kauf des Nationalspielers Rudy etwa leistete sich Schalke im Triumphgefühl der Vizemeisterschaft - und auch nicht deshalb, weil Rudy den Kader sinnvoll ergänzte, sondern weil Tedesco ihn haben wollte und Manager Christian Heidel dem populären Trainer keinen Wunsch versagen mochte. Breel Embolo, Jewhen Konoplyanka, Bentaleb, Rudy, Hamza Mendyl oder Rabbi Matondo - wer wissen will, wo all das schöne Geld aus den Verkäufen der Internatsspieler Leroy Sané und Thilo Kehrer geblieben ist, der landet bei diesen Namen, die in der Klubgeschichte eher keine tiefen Spuren hinterlassen werden. An einen Stürmer wie Arkadiusz Milik ist deshalb nicht zu denken.

© SZ vom 27.05.2020/sonn

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