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FC Nürnberg:Grummeln in Nürnberg

1. FC Nürnberg - Darmstadt 98

Platzverweis: Gelb-Rot für den Nürnberger Fabian Nürnberger.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Der Club verliert in Unterzahl 1:2 gegen Darmstadt - und hadert mit dem Schiedsrichter - auch wegen einer Doppelbestrafung.

Drei Regenschirme waren nötig, um den Mann des Tages bei der Nürnberger 1:2-Niederlage gegen Darmstadt 98 sicher und trocken in die Kabine zu bringen. Schließlich war es nach Ansicht der FCN-Fans Schiedsrichter Patrick Alt, der das Spiel mit seinen Entscheidungen zugunsten der Hessen entschieden hatte. Tatsächlich hatte der Referee zwei Nürnberger Spielern vom Platz gestellt, einen möglichen Elfmeter für den Club nicht gepfiffen, dafür aber einen für Darmstadt gegeben. Man musste also nicht Anhänger des FCN zu sein, um der Ansicht zu sein, dass Alt einen größeren Einfluss auf das Resultat hatte als die 22 Spieler. Die des Club kamen erst ungewöhnlich spät nach dem Schlusspfiff zu den Interviews. Man habe "lange gebraucht, um die Emotionen wieder in den Griff zu bekommen", berichtete Keeper Christian Mathenia. "Manchen ist das nicht gelungen. Das ist aber auch verständlich bei so einem Spielverlauf."

Dabei hatte der Nachmittag aus Nürnberger Sicht gut angefangen. Der Schuss, den Nikola Dovedan nach einer halben Stunde abgab, war dramaturgisch gut platziert. Genau in der Phase, in der ein anwachsendes Grummeln anzeigte, dass die Geduld der Zuschauer mit ihrer Mannschaft sich dem Ende zuneigte, sonderte der Österreicher den ersten Schuss aufs Tor ab. Und traf zum 1:0 für den Club. Und da Asger Sörensen (45.+3.) eine weitere Chance hatte, war die Stimmung im Max-Morlock-Stadion zur Halbzeit noch von dezentem Optimismus getragen. Dass der recht bald in offene Feindseligkeiten gegen den Schiedsrichter umschlug, lag an dessen konsequenter Auslegung einer Regel, die wohl auf jedem Bolzplatz wegen erwiesener Sportwidrigkeit ignoriert werden würde. Sörensen hatte Serdar Dursun im Strafraum zu Fall gebracht, sah Gelb und wollte die Ausführung des Elfmeters begutachten, als sich der Kölner Keller ins Spiel einschaltete. Nun korrigierte Alt seine Entscheidung und zeigte Sörensen die rote Karte - eine Doppelbestrafung, denn den Strafstoß, den Tobias Kempe zum 1:1 verwandelte (61.) gab's natürlich obendrauf. Das war aus Nürnberger Sicht auch insofern bitter, als Alt dem Club im ersten Durchgang einen Strafstoß verweigert hatte, nachdem Fabian Holland FCN-Kapitän Hanno Behrens mit einer leichten Berührung so aus der Balance gebracht hatte, dass er nicht zum Kopfball kam (24.): "Er springt voll in mich rein, so dass ich keine Chance habe, an den Ball zu kommen", beschwerte sich Behrens nach dem Spiel.

Dass der Club fast 40 Minuten in Unterzahl war, fiel nicht auf, Michael Frey hätte nach Pass von Fabian Nürnberger sogar das zwischenzeitliche 2:1 erzielen müssen, schoss aber, nachdem er Keeper Marcel Schuhen hatte aussteigen lassen, über das Tor (62.). Stattdessen traf Darmstadts Dario Dumic zum 2:1-Sieg der Hessen, die im elften Anlauf den ersten Sieg der Vereinsgeschichte in Nürnberg landeten. Doch die Geschichte dieses Spiels hätte die falsche Pointe, wenn es nicht erneut der Schiedsrichter gewesen wäre, der dem vermeintlichen Höhepunkt des Spiels noch einen weiteren hinzufügte. Nach einem Zweikampf zwischen Nürnberger und Marvin Mehlem in der Nachspielzeit ging der Darmstädter zu Boden, woraufhin Nürnberger eine wegwerfende Handbewegung ob der vermeintlichen Theatralik des Gegenspielers machte. Die trug ihm den Platzverweis ein.

Im wichtigen Spiel beim nur zwei Punkte entfernten Karlsruher SC am Freitag wird Nürnberger seinem Team also ebenso fehlen wie Sörensen und der andere Innenverteidiger Konstantin Mavropanos, der in der 12. Minute verletzt ausgewechselt worden war und mit einer Oberschenkelverletzung ausfallen wird.

© SZ vom 24.02.2020
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