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FC Liverpool:"Das kann kein Strafstoß sein"

Dem Titelverteidiger misslingt der Start in die neue Champions-League-Saison: Trainer Klopp hadert nach dem 0:2 beim SSC Neapel wieder einmal mit dem Schiedsrichter Brych.

Jürgen Klopp war ziemlich sauer nach dem 0:2 (0:0) seines FC Liverpool beim SSC Neapel am Dienstagabend, und es war sofort zu erahnen, auf wen. Nach dem Abpfiff des ersten Champions-League-Spiels dieser Saison gab Klopp auf dem Rasen nahezu jedem Spieler und Betreuer die Hand - nur dem Schiedsrichter Felix Brych nicht. Fast demonstrativ wendete sich der deutsche Trainer unmittelbar vor dem Unparteiischen ab. In der Pressekonferenz beklagte sich Klopp später dann sprachgewaltig über den Elfmeter, der zur Niederlage des Titelverteidigers FC Liverpool geführt hatte, im Übrigen die erste in dieser Spielzeit nach bislang fünf Siegen in der heimischen Liga.

Acht Minuten vor dem Ende hatte Liverpools Linksverteidiger Andy Robertson im Strafraum den Fuß in den Laufweg seines Gegenspielers José Callejón gestellt. Und der hatte es offensichtlich nur auf die folgende Oberschenkelberührung abgesehen, um einen Elfmeter zu provozieren. Schiedsrichter Brych legte sich jedenfalls direkt auf Strafstoß fest, Dries Mertens verwandelte ihn zum 1:0 für Neapel. "Wir haben den einen Punkt nicht bekommen wegen des Elfers", fand Klopp: "Für mich ist das ein klarer und offensichtlicher Fehler. Wenn der Spieler abhebt, bevor ein Kontakt da war, kann das kein Strafstoß sein."

Als Klopp dann noch auf den Videoassistenten angesprochen wurde, auf Bastian Dankert, der nicht eingegriffen hatte, rieb er sich mit der Hand erst mal beide Augen und sagte dann in sarkastischem Tonfall: "Sie werden schon eine Erklärung finden, warum sie das Richtige getan haben." Wenn man die Bilder sehe, war Klopp jedenfalls sicher, "ist alles klar".

Es war nicht das erste Mal, dass er sein Missfallen über Brych geäußert hat. Nach drei der vergangenen fünf Pflichtspiele, in denen beide mitwirkten, hatte sich der Trainer über den Unparteiischen aufgeregt. Im April 2018 klagte Klopp im Halbfinal-Hinspiel der Champions League selbst nach Liverpools 5:2 wegen eines umstrittenen Handelfmeters für AS Rom: "Das war so ein geiles Spiel - und dann gibt Brych einen Elfmeter, der keiner war." Beim DFB-Pokalfinale im Mai 2015, in dem Klopp mit Borussia Dortmund dem VfL Wolfsburg 1:3 unterlag, war er schließlich wegen eines aus seiner Sicht nicht gegebenen Strafstoßes ebenfalls auf den Fifa-Schiedsrichter aus München losgegangen: "Brych ist so zufrieden mit seiner Leistung, das ist Wahnsinn. Wie soll man sich da weiterentwickeln?"

Champions League - Group E - Napoli v Liverpool

Sauer: Jürgen Klopp.

(Foto: Andrew Couldridge/Action Images via Reuters)

In England hat sich der deutsche Trainer seit seinem Amtsantritt im Oktober 2015 außer mit seiner fachlichen Expertise auch mit seinen Ausreden nach Niederlagen einen Namen gemacht. Auf mehreren Internetseiten wird Buch geführt über Klopps Vorwände, zu denen schon der Wind, der Schnee und der Platzzustand gehörten sowie ein Fernsehsender, der die Nachspielzeit bei einer Partie beeinflusst haben soll. In Neapel befand Klopp nun, dass er viele Dinge sagen könne, die ihn dann aber alle als schlechten Verlierer dastehen lassen würden: "Dabei bin ich nicht unbedingt der beste Verlierer auf der Welt, aber auch kein schlechter."

Und was hielt Neapels Trainer Carlo Ancelotti von alldem? "Von der Bank schien es für mich ein eindeutiger Elfer zu sein, aber ich möchte das Thema nicht diskutieren." Stattdessen sagte Ancelotti in der ihm eigenen Gemütsruhe nach dem Spiel zu Klopp: "Keine Sorge: Wenn du in Neapel verlierst, wird es so kommen, dass du am Ende die Champions League gewinnst." So war es Klopp und dem FC Liverpool schließlich in der vorigen Saison ergangen.

Da gelang Neapel in der Gruppenphase zwar ein 1:0 im Heimspiel gegen Liverpool; wegen eines 0:1 in Anfield am letzten Spieltag und aufgrund der schlechteren Torbilanz reichte das jedoch nicht zum Weiterkommen. Dieses Erlebnis wird jetzt verdrängt durch die Tore von Dries Mertens (82.) und Fernando Llorente (90.+2).

Schon vor dem Schlusspfiff kannten die Fans des SSC Neapel kein Halten mehr. Nach dem zweiten Tor ihrer Mannschaft rannten sie im halb leeren Unterrang der Curva B am Zaun entlang, um möglichst nah ranzukommen an Fernando Llorente. Der Angreifer ließ sich an der Eckfahne bejubeln, nur Laufbahn und Absperrung trennten ihn von den anstürmenden Zuschauern. Der Stadionsprecher brüllte neunmal "Feeer-naaan-dooo" ins Mikrofon, die Neapolitaner schrien ebenso oft "Llooo-reeen-teee" zurück. Bis wirklich jeder im Stadion und außerhalb des Stadions mitbekommen hatte, wer dieses Tor erzielte hatte. Sogar der sonst so stoische Ancelotti lief in Siegerpose aufs Spielfeld.

SSC Napoli v Liverpool FC: Group E - UEFA Champions League

Viel gerannt, aber ohne Torerfolg: Liverpools Torjäger Mohamed Salah (links), hier gegen Kalou Koulibaly.

(Foto: Francesco Pecoraro/Getty Images)

Im Stadion San Paolo herrschte nach diesem 2:0 fast so eine heiße Stimmung wie im Inneren des Vesuv, dessen Vulkangestein am Golf von Neapel aufragt. Feiern durften die Fans ein Ergebnis, das es für den Vorjahreszweiten der Serie A nicht gegeben hatte: einen Heimsieg gegen den Titelverteidiger der Champions League. Zuletzt verlor ein aktueller Champion übrigens vor 25 Jahren einmal das erste Spiel, damals war es der AC Mailand gegen Ajax Amsterdam.

Napolis Erfolg zum Auftakt der diesjährigen Champions League sorgt für eine vielversprechende Ausgangslage in der Gruppe mit dem FC Salzburg und KRC Genk. Bei den bisherigen fünf Teilnahmen verabschiedeten sich die Neapolitaner spätestens im Achtelfinale, an erwähnenswerten Siegen waren einzig die etwas in die Jahre gekommenen Erfolge gegen den FC Chelsea und Manchester City in Erinnerung. Nun kommt ein bemerkenswerter Erfolg gegen Jürgen Klopps FC Liverpool hinzu.