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FC Ingolstadt:Volkstrauertag am ersten Advent

"Das tut jetzt schon krass weh": Die Schanzer müssen sich mit einem 1:1 gegen Meppen begnügen.

Am Ende war es nur noch ein Elfmeter für Deniz Undav. Der Meppener bekam einen langen Ball von Hassan Amin über den Kopf von Julius Düker direkt vor die Füße weitergeleitet. Und dann schoss der Stürmer - und traf durch die Beine des Ingolstädter Torhüters Fabijan Buntic hindurch ins Tor. Eine ganze Mannschaft rannte über den Platz und jubelte mit ihm, die Spieler des FC Ingolstadt 04 sanken dagegen zusammen. Mit dem letzten Angriff hatten sie gerade das 1:1 (1:0) im Drittliga-Spiel gegen den SV Meppen kassiert.

Statt bis auf zwei Punkte an den Spitzenreiter MSV Duisburg heranzurücken, beträgt der Rückstand der Ingolstädter nun als Dritter vier Punkte, zu Duisburg und Halle fehlt noch immer ein Stück - auch nach nunmehr acht unbesiegten Spielen. Wobei der FCI-Verteidiger Peter Kurzweg zu dieser Statistik anmerkte: "Das war heute eine gefühlte Niederlage." Das einte ihn übrigens mit dem Gegner: "Das war zu wenig für uns", fand auch Undav. Und irgendwie hatten sie beide Recht.

Schon nach fünf Minuten sollte ein Schrei die Partie verändern, ein lautes "Ahhh" von Maximilian Beister, das durch den mit 5901 Besuchern nicht allzu sehr gefüllten Sportpark hallte. Mit einem Mal sank der rechte Mittelfeldspieler des FCI auf dem Spielfeld zusammen. Doch zuvor leitete er eben noch flugs den Ball per Doppelpass weiter zu Björn Paulsen, Schiedsrichter Tobias Fritsch entschied auf Vorteil Ingolstadt. Der wuchtige Däne entwischte seinen Gegnern und flankte daraufhin in die Mitte, wo der Angreifer Stefan Kutschke per Direktabnahme traf - und mithilfe der Unterkante der Latte, die den Ball ins Tor lenkte. Erstmals seit September standen Beister und Paulsen wieder in der Startelf. "Ich finde, dass es die zwei recht gut gemacht haben", sagte Saibene. Beister wirbelte vorne durch die gegnerische Abwehr, Paulsen köpfte hinten den Ball weg, bevor es gefährlich wurde.

Gefährlich für den FCI wurde es jedoch immer öfter im Verlauf des Spiels, vor allem selbstverschuldet. "Einfache Ballverluste sind immer wieder ein Thema bei uns", sagte der Trainer Jeff Saibene. "Wir müssen vier, fünf Pässe spielen, um Ruhe ins Spiel zu bekommen." Doch diese Ruhe fehlte, immer wieder durfte Meppen flink kontern - das sei auch eine Qualitätsfrage, schob Saibene hinterher. Besonders in der zweiten Halbzeit nahmen die Chancen der Gäste zu, weil die Ingolstädter sich selbst immer mehr zurückzogen und eigene Konter zu lax ausspielten. Alleine Undav hätte zwischen der 63. und der 68. Minute noch dreimal treffen können, doch er scheiterte am Pfosten, an den Füßen von Buntic oder daran, aus wenigen Metern das Tor zu treffen. Ehe er es zum Schluss doch noch besser machte. "Das tut jetzt schon krass weh", sagte Kurzweg. "Weil diese Situationen müssen wir rigoros klären." Statt den Advent, so wirkte es zumindest nach dem Spiel, läutete Saibene am Sonntag daher den zwei Wochen zuvor begangenen Volkstrauertag in Ingolstadt ein. Er wusste ja, dass er gerade eines dieser Spiele erlebte, von denen man gemeinhin sagt, dass sie ein Aufsteiger oder ein Meister gewinnt.

Dabei war ihm schon auch bewusst, dass er gerade ein wichtiges Prüfexemplar der Liga getroffen hatte: Gegen vier der ersten fünf Teams hat Meppen in der Hinrunde nun nicht verloren - und gegen das fünfte, Eintracht Braunschweig, spielt der SVM ja erst noch. Die Niedersachsen können die Spitzenteams mit ihrem intensiven Fußball arg ärgern. Und sie zeigten dem Gastgeber vielleicht auch zum richtigen Zeitpunkt, kurz vor dem Spitzenspiel beim Mitabsteiger 1. FC Magdeburg, dass seine Erfolgsserie auf einem wackligen Fundament steht.

© SZ vom 02.12.2019
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