FC Ingolstadt 04:Angreifer gesucht

Lesezeit: 3 min

FC Ingolstadt 04: Hoffnungsschimmer: Hans Nunoo Sarpei (vorne, gegen Phillip Tietz) hat sich beim FC Ingolstadt bereits zum Führungsspieler im Mittelfeld entwickelt.

Hoffnungsschimmer: Hans Nunoo Sarpei (vorne, gegen Phillip Tietz) hat sich beim FC Ingolstadt bereits zum Führungsspieler im Mittelfeld entwickelt.

(Foto: Eduard Martin/Jan Huebner/imago)

Der Tabellenführer Darmstadt legt die Mängel des Tabellenletzten Ingolstadt beim 2:0 schonungslos offen. Trainer Rüdiger Rehm hofft noch auf eine Verstärkung an entscheidender Stelle.

Von Johannes Kirchmeier, Ingolstadt

Es war schon weit nach Spielende am Samstag im Ingolstädter Fußballstadion, der FC Ingolstadt 04 hatte wieder einmal verloren in dieser Zweitliga-Saison, da musste FCI-Trainer Rüdiger Rehm im Presseraum doch noch einen kleinen Appell loswerden. Er sprach über das Grundproblem der vergangenen Wochen: dass seine Mannschaft eigentlich einen "ganz ordentlichen Ball" spiele, doch in beiden Strafräumen scheitere man dann daran, zuzuschlagen. Auf frappierende Weise hatte diesen Mangel zuvor das Duell des Tabellenletzten mit Tabellenführer SV Darmstadt 98 offengelegt, das nur aufgrund der gnädigen Chancenverwertung der Gäste 0:2 (0:1) endete.

Mittelfeldspieler Tim Skarke schoss die Lilien mit einem so harten wie platzierten Traumschuss ins kurze Eck in Führung (15.), der eingewechselte Stürmer Aaron Seydel erhöhte kurz vor Ende per Abstauber (82.). "In den Statistiken sind viele Dinge ausgeglichen, aber eines ist halt wirklich herausragend: die Abschlussstärke und die Effizienz von Darmstadt. Aber auch die Verteidigung, das machen sie auch gut", sagte Rehm. "Hinten gewinnen sie viele Duelle, vorne suchen sie immer wieder den Abschluss." Große Chancen konnte der harmlose FCI nicht erwirtschaften, der Gegner schien sich diese mit Leichtigkeit zu erspielen, 9:33 lautete die Schussstatistik. Nach 20 Spieltagen haben die Oberbayern 15 Tore geschossen, die wenigsten der Liga. Es sind exakt so viele wie der derzeit stärkste Torjäger, Guido Burgstaller vom FC St. Pauli, alleine erzielt hat.

Der Profifußball befindet sich ja mitten im Wintertransfermarkt, also wollte Rehm mit Blick auf den FCI-Geschäftsführer Dietmar Beiersdorfer sowie Manager Malte Metzelder noch einmal klarstellen: "Wenn die Möglichkeit besteht", dann hätte er schon noch gerne einen Torjäger mehr in seinem Kader. "Aber die wachsen nicht auf den Bäumen." Es war ein Appell, um noch irgendwie den Angriff, die Aufholjagd von ganz hinten in Richtung Rest der Liga zu starten. Rehm, 43, der im Dezember als dritter Coach der Saison kam, weiß ja selbst, wie das ist, gerade nach Ingolstadt zu wechseln. Ein möglicher neuer Stürmer würde zwar in dieser Saison noch in Liga zwei kicken. Mit sieben Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz bleibt allerdings höchst vage, ob er dort auch in der kommenden Saison spielen würde - gerade ein längerer Verbleib ist aber die Grundvoraussetzung, um wieder ein eingeschworenes Team zu formen. Rehm selbst soll übrigens auch bei einem Abstieg bleiben.

"Wir lassen den Kopf oben, das kann ich versprechen", sagt Trainer Rehm

Auf drei echte Mittelstürmer, Kapitän Stefan Kutschke, Patrick Schmidt und Dennis Eckert Ayensa, kann er derzeit zurückgreifen. Treffen wollen sie alle in dieser Spielzeit nicht so wirklich - der mit drei Toren beste Schütze, Fatih Kaya, fällt nach einer Schultereckgelenksprengung noch auf unbestimmte Zeit aus. "Eine zusätzliche Spitze hätte uns heute schon noch gut getan", folgerte Rehm also, gerade weil sein Fußball kräftezehrend sei. Kutschke wirkte nach 70 Minuten permanenten Ansprintens in der Tat ziemlich geschlaucht auf dem Feld.

Aber es ist ja nicht so, als hätte sich beim FCI noch nicht viel verändert in der Winterpause. Letztlich stellt sich viel eher die Frage, wie der Verein glauben konnte, mit dem vor der Spielzeit zusammengestellten Kader den Klassenverbleib zu schaffen. In allen Mannschaftsteilen kamen in den vergangenen Wochen Fußballer hinzu. Angefangen beim Torwart Dejan Stojanovic, der auf Anhieb Rehms Nummer eins wurde, dann aber den entscheidenden Fehler vorm 1:2-Endstand in Heidenheim machte. Gegen Darmstadt verletzte er sich nun am Knie und musste zur Halbzeitpause raus, noch ist nicht klar, ob und wie lange er fehlen wird. Den stärksten Eindruck unter den Neuen macht Hans Nunoo Sarpei, der vom Erstligisten Fürth kam. Er übernimmt im defensiven Mittelfeld bereits eine Führungsrolle und hebt das spielerische Niveau.

"Aufholen. Dranbleiben. Kämpfen." Das ist der Dreiklang, den sich der Klub in der Rückrunde zu Herzen nehmen will und der Sarpeis Spiel- und Rehms Coaching-Stil ganz gut beschreibt. "Wir lassen den Kopf oben, das kann ich versprechen", sagte Rehm. "Ich habe der Mannschaft gesagt: Wir werden kämpfen!" Zwei Wochen hat er Zeit, um sein Team aufs Derby beim 1. FC Nürnberg am 4. Februar einzustellen, es ist noch einmal eine kleine und willkommene Winterpause für den Verein. Die wichtigsten Arbeitsaufträge sind Rehm ja bekannt - ob mit oder ohne zusätzlichen Mittelstürmer.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB