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FC Ingolstadt:Genau der richtige Nachmittag

FC Ingolstadt 04 - Darmstadt 98

Jubelsprung zur Relegation: Torschütze Sonny Kittel.

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Ein Schlenzer von Kittel, ein Kopfball von Lezcano, ein Schuss von Kutschke: Der FC Ingolstadt sichert sich die Zweitliga-Relegation.

Wenn die letzten beiden Spieltage anstehen, dann steigt der Reiz des Fußballs noch einmal. Die Fans interessiert noch ein bisschen mehr dafür, was in den anderen Stadien passiert - denn für so manchen Verein geht es um die Existenz, oder zumindest um Auf- oder Abstieg. So wie am Sonntag für den Zweitligisten FC Ingolstadt. Doch das Interesse nach den Spielständen beantwortete der Klub so: "Zwischenstände? Heute zählen nur die Endergebnisse", leuchtete auf den Videoleinwänden auf.

Die Fans ballten natürlich trotzdem andauernd die Fäuste, mit ihren Smartphones waren sie ja sehr gut darüber informiert, dass sich so vieles an diesem Tag noch einmal fügte für den FCI und die Saison einen besonderen Schlussakt am nächsten Wochenende beim 1. FC Heidenheim bereithält. Die Ingolstädter erlebten genau jenen Nachmittag, den sie brauchten. Die Mannschaft siegte 3:0 (2:0) gegen den SV Darmstadt 98, womit dem Verein der Relegationsplatz sicher ist - und aufgrund des Ergebnisses des SV Sandhausen (0:3) sogar noch der direkte Klassenverbleib zwei Punkte hinter Sandhausen, das am Sonntag in Regensburg antritt. "Wir wollten in den vergangenen Wochen irgendwie versuchen, ein Endspiel zu haben, um die Liga halten zu können. Eines haben wir, vielleicht auch drei", sagte Ingolstadts Trainer Tomas Oral.

Erstaunlich war dabei, dass sich schon nach dem 1:0 von Sonny Kittel nach 21 Minuten so etwas wie eine Siegerstimmung im Stadion verbreitete. Kittel schlenzte seinen Freistoß aus 25 Metern so fein ins Tor, wie es nur den ganz begabten Kickern gelingt. Sein Schuss sprang an die Unterkante der Latte, kam am Boden auf, und touchierte wieder die Latte - dieses Mal hinter der Torlinie. Derzeit scheint diesem Klub so ziemlich alles zu gelingen. "Wir sind bereit für die Relegation", sagte Almog Cohen. 16 von 18 möglichen Punkten hat der FCI mit Oral geholt und weist nun in sechs Spielen nur drei Punkte weniger auf als in den 27 Partien davor. Und eine bleibt Oral ja noch, um den Stand auszugleichen.

"Das, was wir haben, wollen wir mit aller Gewalt verteidigen", sagte der Trainer bereits zuvor. Er meinte damit den 16. Platz. Seine Spieler befolgten diese Anweisung, irgendein Körperteil schmissen sie immer gegen den anfliegenden Ball und schmetterten so jegliche Darmstädter Bemühungen ab. Auf der anderen Seite ergab sich zudem die erste Chance, als Mittelfeldmann Marcel Gaus aus dem Halbfeld in den Strafraum flankte, wo der vorgesehene Abnehmer Darío Lezcano zwar nicht an den Ball kam, Darmstadts Fabian Holland den Ball aber etwas unbeholfen mit dem Oberschenkel an die Latte beförderte (11.). Sieben Minuten später drosch 98-Mittelfeldspieler Tobias Kempe den Ball an den Außenpfosten, die einzige gute Chance in der ersten Halbzeit für sein Team.

Darmstadt geriet jedoch bald in Rückstand durch Kittels Freistoß. Das Tor zeigt, wie sehr sich Orals Hauptaugenmerk auf Standardsituationen im Training mittlerweile auszahlt. Der nächste Beweis folgte kurz vor der Pause: Nun war es ein Eckball, der zum Erfolg führte. Kittel brachte den Ball an den Fünfmeterraum, wo ihn Innenverteidiger Björn Paulsen verlängerte - direkt auf den Kopf des Torschützen Lezcano (45.). Dessen Sturmpartner Stefan Kutschke sorgte dann schnell für die Entscheidung, als er nach einem feinen Konter über den flinken Außenverteidiger Paulo Otávio das 3:0 alleine vor Torwart Daniel Heuer Fernandes erzielte (55.).

Vor der Partie wies Oral einen Journalisten bei einer Frage nach dem letzten Heimspiel darauf hin: "Sie machen schon den ersten Fehler, wenn Sie vom letzten Heimspiel reden. Weil wer weiß das, ob das das letzte Heimspiel ist?" Es ist in der Tat möglich, dass die Ingolstädter ihr Relegationsrückspiel am 28. Mai daheim bestreiten. Der Gegner wäre dann der SV Wehen Wiesbaden aus der dritten Liga. Dessen Trainer Rüdiger Rehm musste sich am Sonntag auf der Tribüne schon viel notieren über die zurückgewonnene Souveränität der Ingolstädter.