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FC Ingolstadt:Die frustrierende 96. Minute

SV Wehen Wiesbaden - FC Ingolstadt 04

Der Gefoulte soll immer selbst schießen: Dario Lezcano fällt hin und trifft anschließend per Elfmeter zum zwischenzeitlichen 2:0.

(Foto: Uwe Anspach/dpa)

Die Relegation zur zweiten Liga hätte so gut wie entschieden sein können, nun stellt sich Trainer Oral auf eine "Mammutaufgabe" ein.

Dario Lezcano blieb bereits kurz nach dem Beginn des Spiels abrupt stehen und wischte sich mit der rechten Hand über die linke Schulter, eine Halbzeit später wiederholte er die Szene. Wenn man nach einem Körperteil sucht, das das Relegations-Hinspiel des FC Ingolstadt 04 beim SV Wehen Wiesebaden am Freitagabend zu beschreiben vermag, dann landet man schnell bei der linken Schulter Lezcanos. Das liegt daran, dass von dieser Schulter gerade eine ungeheure Kraft ausgeht. Diese Schulter besitzt im Moment die Gabe, in den wichtigen Augenblicken eines Fußballspiels des FCI ins Bild zu huschen. Was weniger mit der Ballfertigkeit des Körperteils zu tun hat, als vielmehr damit, dass der Paraguayer seine Schulter gerne abwischt. Die Geste ist sein Torjubel.

Zum ersten Mal wischte er am Freitag schon nach 35 Sekunden, als er nach dem ersten Angriff des Spiels traf. Sekunden nach der Halbzeit stand erneut die Schulter im Fokus, Lezcano wurde elfmeterwürdig gefoult und traf erneut früh im Spielabschnitt per Strafstoß, es war sein mittlerweile elftes Tor in einer auch für ihn anfangs holprigen Saison. Dieser doppelte Blitzstart bringt den FC Ingolstadt nun in eine gute Ausgangsposition vor dem Rückspiel um einen Zweitliga-Platz am Dienstag (18.15 Uhr) daheim im Sportpark. Auch wenn am Samstag auf dem Trainingsgelände noch etwas Frust darüber herrschte, dass Daniel-Kofi Kyereh das späte 1:2 erzielte (90.+6). Lezcanos Schulter konnte nicht mehr eingreifen, sie war zu diesem Zeitpunkt schon mehr als acht Minuten lang ausgewechselt.

Durch dieses Tor hat sich der Drittligist Wehen eine nicht unwesentliche Chance aufrechterhalten, noch aufzusteigen. "Vielleicht haben wir dann die paar Momente, die man braucht in Fußballspielen, damit es in die andere Richtung kippt", sagte Wehens Trainer Rüdiger Rehm. Bereits einmal unterlag ein Drittligist daheim im Hinspiel - und stieg später auf: der SV Darmstadt 98 vor fünf Jahren gegen Bielefeld. Hoffnung macht Wehen zudem, in der starken Rückrunde bereits viermal 3:2 auswärts gewonnen zu haben, was aufgrund der Auswärtstorregel reichen würde.

Nur was Rehm am Freitag gesehen hat, hat ihm nicht gefallen. Die Schulter des Lezcanos hatte ja weitere Gelegenheiten, sich in Szene zu setzen. Kurz vor der Pause überlupfte der Paraguayer den Wehener Torwart Markus Kolke, allerdings auch knapp dessen Gehäuse. Und in der zweiten Hälfte knallte Lezcanos linke Schulter samt Körperrest beim Stand von 2:0 nach einem verdächtig irregulär aussehenden Zweikampf im Strafraum auf den Boden: "Für mich gibt es überhaupt keine Erklärung, dass man da nicht mal hinschaut", sagte FCI-Trainer Tomas Oral am Samstag entrüstet. Schiedsrichter Guido Winkmann unterließ das Videostudium, tauschte sich wohl nur mit seinem Assistenten aus: "Es waren ganz klar zwei Kontakte zu sehen. Und die Regel sagt ja aus, dass es ein Elfmeter ist, wenn ein Kontakt beim Schuss behindert", sagt Oral. Die Vermutung, die mitschwingt: Das Kräftemessen hätte eigentlich schon so gut wie entschieden sein können. So findet der Coach: "Ich glaube, dass es eine richtige Mammutaufgabe wird."

Das hat auch damit zu tun, dass ihm in Wiesbaden sein Kapitän abhandengekommen ist. Almog Cohen fehlt nach seiner fünften gelben Karte im letzten und entscheidenden Saisonspiel gesperrt, was eine empfindliche Schwächung bedeutet: Der Israeli war zuletzt der Rat- und Taktgeber auf dem Feld und gab seiner Mannschaft aus dem defensiven Mittelfeld heraus den notwendigen Halt. In den vergangenen Wochen, in denen der Klub 16 Punkte in sieben Spielen geholt hatte, habe der FCI jedoch gelernt, "mit vielen Widerständen umzugehen", findet Oral. "Wir haben es sehr gut hinbekommen, dass wir positiv bleiben und den Glauben an unsere eigene Stärke verfestigt haben. Und alles andere zählt nicht."

Am Dienstag auf seiner Position ersetzen wird Cohen, den Oral dann in seiner Nähe haben will, wohl Robin Krauße. Und als Spielführer? "Wir brauchen elf Kapitäne auf dem Platz und nicht nur einen", sagt der Coach. Er lässt offen, wer von den elf zumindest die Seitenwahl zu Beginn der Partie absolvieren wird. "Die Nominierung kann vielleicht noch dem einen oder anderen einen Kick geben." In Wiesbaden übernahm nach Cohens Auswechslung Stefan Kutschke die Kapitänsbinde - erneut eine denkbare Lösung. Oral dürfte aber durchaus auch noch eine andere linke Schulter in Betracht ziehen, zu der so ein Oberarmband in diesen Tagen ganz gut passen könnte.