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FC Ingolstadt:Der Graf von Luxemburg

17 09 2018 xtgx Fussball 2 Bundesliga 1 FC Magdeburg DSC Arminia Bielefeld emspor v l Jeff; Jeff Saibene

„Er hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er ein Team formen kann und in seinem Handeln sehr klar ist.“ – Jeff Saibene, hier noch in Bielefeld, überzeugte FCI-Sportdirektor Michael Henke nicht nur durch seinen Erfolg bei der Arminia, sondern auch durch sein vorheriger Wirken bei verschiedenen Klubs in der Schweiz.

(Foto: Jan Huebner/imago)

In Bielefeld erreichte Trainer Jeff Saibene, 50, in der zweiten Liga Heldenstatus. Er wäre wohl nicht zu jedem Drittligisten gegangen, aber beim Audi-Klub überzeugten ihn die Infrastruktur und "eine gute Basis".

Björn Paulsen hat einen riesigen Bart, Benedikt Gimber hat einen nicht so riesigen Bart, Thomas Keller hat gar keinen Bart. Stefan Kutschke ist 1,94 Meter groß, Takahiro Sekine misst 1,67 Meter. Caniggia Elva hat Dreadlocks, Jonatan Kotzke trägt einen Dutt. Beim Zweitliga-Absteiger FC Ingolstadt 04 verfügen sie also über einen Kader, mit dem der neue Trainer Jeff Saibene bestens arbeiten kann. Es war ja nach eigenen Angaben das große Problem des Luxemburgers, als er im März 2017 beim Zweitligisten Arminia Bielefeld seine Arbeit aufnahm, dass er die Spieler nicht unterscheiden konnte. "Ich dachte nur: Scheiße, bei Arminia sehen alle gleich aus", erzählte Saibane einmal bei spox.com. "Manche Spieler habe ich dreimal täglich begrüßt."

So sollte es ihm mit dem Ingolstädter Kader nicht ergehen, Mittelfeldspieler Konstantin Kerschbaumer kennt er ohnehin noch aus Bielefeld, und im Gegensatz zu seinem damaligen Spontanengagement hat er nun auch Zeit genug, seine Akteure in der Saisonvorbereitung kennenzulernen. Und auch, mittels Betrachtung von Aufzeichnungen die dritte Liga kennenzulernen - in dieser hat er schließlich noch nie gearbeitet. Der 50-Jährige, dessen Verpflichtung am Mittwoch bekannt gegeben wurde, wird genau eine Woche später, am 19. Juni (10 Uhr), seine erste Einheit leiten.

Vor seinem Engagement in Bielefeld hatte Saibene verschiedene Vereine in der Schweiz trainiert, Aarau, St. Gallen und Thun. Die Arminia führte er in der Saison 2016/17 zum Klassenverbleib und in der Saison 2017/18 überraschend auf den vierten Platz, was ihm in Ostwestfalen einen regelrechten Heldenstatus einbrachte, er wurde als "Jeff le Chef" verehrt. Um ihn zu ehren, trugen die Fans sogar den alten Schlager "Oh Pardon, sind Sie der Graf von Luxemburg?" von Dorthe Kollo vor. "Er ist authentisch, eiert nicht rum und hat einen guten Draht zu den Spielern", lobte ihn damals der Sportchef Samir Arabi.

Die Hoffnungen auf eine Rückkehr von Stürmer Manuel Schäffler haben sich zerschlagen

Beim FCI sind sie davon offenkundig auch überzeugt. "Er hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er ein Team formen kann und in seinem Handeln sehr klar ist", sagte der neue Sportdirektor Michael Henke, nicht nur mit Blick auf Bielefeld, sondern auch auf verschiedene Schweizer Stationen, etwa auf den FC St. Gallen, den Saibene als Aufsteiger in die Europa League führte.

Sein Status in Bielefeld änderte sich allerdings schnell: Im Dezember 2018, als die Arminia wieder in Abstiegsgefahr geraten war, wurde er freigestellt, nachdem der Klub ihn vor lauter Begeisterung mit einem langfristigen Vertrag ausgestattet hatte. Vor ein paar Tagen erst löste Saibene den Kontrakt auf, um den Wechsel nach Oberbayern zu ermöglichen. Wie es Henke angekündigt hatte, ließ sich durch die Rahmenbedingungen beim Audi-Klub ein Trainer anwerben, der wohl nicht bei jedem Angebot aus der dritten Liga Hurra geschrien hätte. Der FCI biete "eine gute Basis" und eine "hervorragende Infrastruktur", sagte Saibene zur Begrüßung. Daher sei "diese Herausforderung sehr reizvoll" gewesen, er habe nicht lange überlegen müssen: "Fest steht jedoch, dass wir viel Arbeit vor uns haben."

Bei dieser Arbeit wird, entgegen den Hoffnungen vieler Anhänger, Manuel Schäffler nicht mithelfen. Der aus Oberbayern stammende Stürmer, der sich in der vergangenen Drittliga-Saison mit 16 Toren in 32 Spielen empfahl, hatte Gespräche mit dem FCI über eine Rückkehr in die Heimat geführt, wenig überraschend hat er nun aber doch einen neuen Vertrag beim SV Wehen-Wiesbaden unterschrieben - bei jenem Klub, der Ingolstadt in der Relegation besiegte und in der kommenden Saison in der zweiten Liga spielen wird. Von dort kommt stattdessen der vom FCI an den SVW ausgeliehene Sturmkollege Agyemang Diawusie zurück, der allerdings in der vergangenen Saison lediglich 14 Drittligaeinsätze mit zwei Toren bestritt.

Die Ingolstädter Kaderplanung ist weit vorangeschritten, aber noch nicht abgeschlossen, zumal die Besten der Abstiegssaison wohl noch gehen werden: Almog Cohen, Sonny Kittel, Dario Lezcano. Jeff Saibene wird also noch bisschen mitbestimmen können, was sein neues Team angeht. Zum Beispiel könnte der Kader noch einen Spindeldürren und einen Dicklichen vertragen.