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FC Ingolstadt 04:Abschied nach der Party

GER, 2.FBL, Relegation, VfL Osnabrueck vs FC Ingolstadt 04 / 30.05.2021, Bremer Bruecke, Osnabrueck, GER, 2.FBL, Relegat

Gegen Osnabrück hat Ingolstadts Abwehrchef Björn Paulsen noch ein letztes Mal ordentlich auf- und abgeräumt.

(Foto: Treese/imago)

Abwehrchef Björn Paulsen gibt gleich nach der Aufstiegsfeierei seinen Weggang vom FC Ingolstadt 04 bekannt. Ansonsten soll sich nach dem Wunsch des Sportdirektors Michael Henke aber nicht viel ändern im Kader vor der Zweitliga-Rückkehr.

Von Johannes Kirchmeier

Rap-Musik dröhnte aus den Lautsprecherboxen heraus durch die Kabine des FC Ingolstadt 04 in Osnabrück. Die Fußballer sangen mit und hüpften dabei durch ihre Umkleide, in der leere Bierflaschen, abgelegte Fußballschuhe und allerlei anderer Krimskrams herumlagen. Insofern war es eine gute Nachricht für den FCI, dass sich ob der Hindernisse auf dem Boden niemand verletzt hat aus dem Feiertross am Sonntag. Hilfreich war dabei der Umstand, dass die Spieler selbstredend noch ein paar volle Flaschen in der Hand hielten. Immer mehr schäumte es im Laufe des Videos in den Flaschen, ein paar Fußballer warfen daraus auch spritzenden Ballast ab. Wenn man so will, dann feierte der FC Ingolstadt seine Rückkehr in die zweite Fußball-Bundesliga nach dem Relegationserfolg gegen den VfL Osnabrück also mit dem Champagner des kleinen Mannes.

Die Bilder überlieferte der Außenstürmer Maximilian Beister mit Hilfe des sozialen Netzwerks Instagram. Er offenbarte damit auch einen kleinen Europameister-Moment des jüngsten Zweitligisten. "Helmut, senk den Steuersatz", sangen die Nationalspieler beim letzten deutschen EM-Titel 1996, als ihnen der Bundeskanzler Helmut Kohl die Aufwartung machte und ihnen in der Kabine des Wembley-Stadions zum Titel gratulierte. Die Ingolstädter grölten: "Peter, rück die Kohle raus!" Der Adressat war Peter Jackwerth, der Vorstandsvorsitzende des Klubs, der sich kurz zur Partymeute traute, aber sie nach der Aufforderung mit einem dicken Grinsen wieder verließ.

Der FCI will wieder mehr Ausbildungs- als Einkaufsklub sein

Die Spieler trafen damit schon einen Nerv. Es ging ja nicht nur um den Aufstieg, sondern auch um mehrere Millionen Euro TV-Gelder am Sonntag. "Überlebensnotwendig", nannte Jackwerth im Donaukurier das Vorrücken in die zweite Liga nach zwei Jahren. "Das haben wir auch immer gesagt, die dritte Liga geht eine Zeit lang, aber nicht ewig." Daher fand der Vereinsmitgründer von 2004 auch: "Das ist mein schönster Aufstieg, schöner als der in die Bundesliga, weil der regulär und auf dem Spielfeld passierte. Das heute war eine Nervenschlacht." An deren Ende ein 1:3 nach dem 3:0 im Hinspiel reichte.

Der Aufstieg ist zudem ein Beweis dafür, dass sich die neue Strategie der Ingolstädter auch im zweiten Drittligajahr bewährte: Sie wollen wieder mehr regionaler Ausbildungs- statt internationaler Einkäuferklub sein. "Der Verein hat intelligente Entscheidungen getroffen und in den vergangenen 24 Monaten eine Mannschaft aufgebaut, die eine gewisse Zukunft vor der Brust hat", lobt der Trainer Tomas Oral. Er spielt etwa auf den in der Relegation starken Flügelstürmer Filip Bilbija, 21, an, der sich zuletzt kontinuierlich steigerte - und für den Liga zwei nun der nächste Schritt zur rechten Zeit sein könnte. Ähnliches gilt für Torwart Fabijan Buntic, 24, Thomas Keller, 21, Fatih Kaya, 21, oder Merlin Röhl, 18.

Einige Verträge haben sich durch den Aufstieg bereits verlängert

Seit Wochen werkelt der Verein daran, sich für die neue Spielzeit aufzustellen. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht", sagt der Sportdirektor Michael Henke, der in der nächsten Zeit "eine schlagkräftige Mannschaft" präsentieren will. Erste Zugänge haben bereits ihre Zusagen gemacht, allzu viele werden es aber nicht werden, sagte Henke der SZ.

Ersetzen muss er in jedem Fall den dänischen Abwehrchef Björn Paulsen, der am Sonntag fast alle langen Bälle der Osnabrücker wegköpfelte und tags darauf seinen Abschied nach "zweieinhalb tollen Jahren" bekanntgab. Er ist nur einer von mehr als einem Dutzend Spielern, bei dem ursprünglich die Verträge Ende Juni ausliefen. Bei einigen darunter haben sich die Arbeitspapiere allerdings durch den Aufstieg automatisch verlängert, bestätigte Henke. Der Rest des Kaders soll sich am besten in den kommenden drei, vier Wochen endgültig klären, bevor dann schon wieder das erste Training nach dem Urlaub für den Feiertross anstehen dürfte. Schließlich dürfen die Ingolstädter bereits ab 23. Juli wieder um Zweitliga-Punkte spielen.

© SZ/lib
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