bedeckt München

Zugang beim FC Chelsea:Ausgerechnet Baba soll Mourinho helfen

Abdul Baba

Zählt zu den teuersten Auslandstransfers der Liga: Für 20 Millionen Euro plus Bonuszahlungen wechselt Rahman Abdul Baba von Augsburg zum FC Chelsea.

(Foto: Stefan Puchner/dpa)
  • José Mourinho nennt die Niederlage des FC Chelsea gegen Manchester City zwar "eine Fälschung". Sehr real ist aber, dass Chelsea nach zwei Spielen nur auf Platz 16 liegt.
  • Der Augsburger Linksverteidiger Rahman Abdul Baba soll wieder frischen Schwung ins Flügelspiel der Londoner bringen - für mindestens 20 Millionen Euro.
  • Der FC Augsburg dürfte nach dem Geldsegen auch nochmal auf dem Spielermarkt zuschlagen.

Von Kathrin Steinbichler

Niemand verliert gern, José Mourinho ist da keine Ausnahme. Der portugiesische Trainer allerdings ist bekannt dafür, Niederlagen nicht nur zu hassen, er verweigert sie einfach. Und das gerne auch dadurch, dass er den Gegner in Misskredit bringt oder äußere Umstände mit in die Verantwortung zieht. Am Sonntagabend etwa, nach dem ernüchternden 0:3 seines FC Chelsea beim nun neuen Tabellenführer Manchester City, beschied Mourinho allen Fragenden knapp: Die Niederlage sei "eine Fälschung".

Zwar hatten die mehr als 54 000 in Manchester mit eigenen Augen gesehen, dass die City-Mannschaft um den gut aufgelegten Kapitän und Torschützen Vincent Kompany die Gäste aus London taktisch und spielerisch auseinander nahm. Nur zu gern überließ Manchester City Mourinhos Männern meist das Spielgerät, um bei Fehlern seinerseits in den wichtigen Teilen des Feldes für Effizienz und Gefahr zu sorgen. Doch Mourinho wollte von jedweder Kritik an seinem Team anschließend nichts hören.

Eine tabellarische Annäherung an West Bromwich

Den Sieg und die Punkte, so Mourinho, habe der Gegner nicht verdient, das Ergebnis spiegele nicht die wahren Verhältnisse wider. Das Problem ist nur, dass die Tabelle noch immer der einzig wahre Spiegel im Ligasport ist, und dort belegt Chelsea nach den ersten beiden Spieltagen nur Platz 16. Lediglich die mehr geschossenen Tore machen den Unterschied zum punktgleichen West Bromwich Albion, das hinter Chelsea auf einem Abstiegsplatz steht. Ein Fakt, der Mourinho einen weiteren verächtlichen Laut abrang.

Schon die tabellarische Annäherung an West Bromwich ist für ihn ein Angriff auf die Berufsehre. Jener Klub liegt in den fernen West Midlands und wurde im 19. Jahrhundert von Sprungfedernfabrikarbeitern gegründet; seine Mannschaft spielt für den internationalen Finanzumschlagplatz London und gehört einem Geschäftsmann aus Russland, dessen Gesamtvermögen auf rund neun Milliarden Euro veranschlagt wird. Vergleiche sind da wohl wirklich nicht statthaft. Ein kleiner Teil der Finanzkraft von Chelsea wurde nun am Sonntag dazu verwandt, Mourinho einen länger gehegten Wunsch zu erfüllen: Nach dem Schlusspfiff in Manchester wurde der über viele Wochen verhandelte Transfer von Linksverteidiger Rahman Abdul Baba vom FC Augsburg bekanntgegeben.

Freude in Augsburg und Fürth

Der offensiv veranlagte, europaweit umworbene 21-Jährige hat einen Fünfjahresvertrag unterschrieben und soll nach dem Weggang von Filipe Luis zu Atlético Madrid endlich wieder frischen Schwung ins Flügelspiel der Londoner bringen. Nach englischen Medienberichten lässt Chelsea sich die Verpflichtung des Nationalspielers aus Ghana rund 20 Millionen Euro kosten; dazu sollen mögliche Bonuszahlungen von bis zu 10,9 Millionen Euro kommen für den Fall, dass Baba eine bestimmte Zahl von Pflichtspieleinsätzen oder auch Titel erreicht. Kein Wunder, dass nur lachende Gesichter zu sehen waren, nachdem FCA-Geschäftsführer Stefan Reuter und Baba bei einem Treffen mit einem Chelsea-Vertreter am Sonntagnachmittag am Münchner Flughafen die letzten Unterschriften unter die Verträge gesetzt hatten.

Noch nie hat Augsburg einen Transfer in dieser Dimension abgeschlossen, der gesamte Profietat des FCA liegt bei rund 30 Millionen. Im deutschen Fußball sind Auslandstransfers dieser Größenordnung kein Tagesgeschäft: Babas Wechsel steht in etwa auf einer Stufe mit dem 25-Millionen-Euro-Verkauf von Owen Hargreaves, der 2007 vom FC Bayern zu Manchester United wechselte, und zählt damit zu der Handvoll teuerster Spielerverkäufe in der Bundesligageschichte.

Über die nun ausgezahlten Millionen freut sich nicht nur der FCA, der nach den Verpflichtungen von Philipp Max (KSC) und Daniel Opare (FC Porto) wohl jetzt noch einmal auf dem Spielermarkt zuschlägt. Auch bei Zweitligist Greuther Fürth dürfte es am Sonntag Jubel gegeben haben. Als die Franken Baba kurz nach dem Zweitligastart 2014 an den FC Augsburg abgaben, ließen sie sich eine 25-prozentige Beteiligung am Erlös aus einem Weiterverkauf garantieren. Diese Voraussicht dürfte Mourinho etwas Respekt abringen.

© SZ vom 18.08.2015/chge
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema