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Zuschauer in der Bundesliga:Bayern München darf vor Fans spielen

Bayern-Trainer Hansi Flick

Tritt der FC Bayern mit Trainer Hansi Flick am Freitag im leeren Stadion an?

(Foto: dpa)

Der FC Bayern ist Primus - auch beim Inzidenz-Wert. Doch trotz einer ernsten Infektionslage in München dürfen am Freitag 7500 Zuschauer ins Stadion.

Von Ulrich Hartmann

Sogar beim Inzidenz-Wert ist München Bundesliga-Primus. Allerdings ist den Verantwortlichen vom FC Bayern die Spitzenposition in dieser die Neuerkrankungen beziffernden Statistik vor dem Start in die neue Saison überhaupt nicht recht. Für den Fall von höchstens 35 Neuerkrankten pro 100 000 Einwohner am Ort haben die Bundesländer in einem gemeinsamen Beschluss erlaubt, dass ein Fünftel der Zuschauer des offiziellen Fassungsvermögens ins jeweilige Stadion zurückkehren darf. Die Inzidenz in der Stadt München lag laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zuletzt aber bei 45,53 und laut Robert-Koch-Institut bei 34. Die zulässige Auslastung der 75 000 Zuschauer fassenden Allianz-Arena mit 15 000 Zuschauern im Eröffnungsspiel der Bundesliga-Saison gegen Schalke 04 am Freitagabend (20.30 Uhr, ZDF) war also hinfällig.

Doch ihr Fußballpublikum hatten sie beim FC Bayern noch nicht abgeschrieben. Hinter den Kulissen wurde viel gearbeitet. Der Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) einigten sich am Mittwochabend zusammen mit Bayern-Präsident Herbert Hainer auf 7500 Zuschauer. Das entspricht einer Auslastung von zehn Prozent der Arena.

In Wolfsburg nur 500 Zuschauer

Die Bürokratie erschwert dem VfL Wolfsburg derweil die eigenen Vorhaben. Eigentlich hatte der Klub geplant, am kommenden Sonntag zum Spiel gegen Bayer Leverkusen die erlaubten 6000 Zuschauer ins Stadion zu lassen, allerdings wäre die Voraussetzung dafür gewesen, dass die Corona-Verordnung der niedersächsischen Landesregierung an die Entscheidung der Staatskanzleien der Bundesländer vom Dienstag angepasst wird. Weil dies aber erst in der kommenden Woche geschehen soll, muss sich der VfL am Sonntag noch mit den landesweit lediglich 500 erlaubten Zuschauern begnügen.

In diesem Jahr ist das Heimrecht am ersten Spieltag kein großes Vergnügen, denn erst ganz kurz zuvor haben die Klubs das Okay für die 20-prozentige Auslastung bekommen. Diese kurze Zeit macht sich an den beabsichtigten Zuschauerzahlen bemerkbar. Obwohl beispielsweise Borussia Dortmund 16 000 Zuschauer ins größte deutsche Stadion hereinlassen dürfte, wollen die Borussen es diesmal mit 10 000 bewenden lassen. Der VfB Stuttgart wartet die Anpassung der Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg ab und will dann prüfen, ob eine Umsetzung bereits bis Samstag möglich ist. In Bremen hingegen haben sie schon länger an ihrem Vergabesystem getüftelt, denn bereits am Mittwochmorgen erschien auf der Werder-Homepage eine detaillierte Erklärung für die Verlosung der erlaubten 8500 Sitzplätze. 5500 Dauerkarteninhaber haben sich für die Verlosung registriert und können je zwei Karten gewinnen. Wer leer ausgeht, soll mit Karten für das zweite Heimspiel gegen Arminia Bielefeld getröstet werden.

Gefährlich werden könnte der I-Wert auch dem 1. FC Köln

Gefährlich werden könnte der I-Wert auch dem 1. FC Köln vor seinem Heimspiel gegen Hoffenheim am Samstag. Die Infektionsrate in Köln liegt bei 27,6. Im benachbarten Leverkusen ist sie mit 27,5 ähnlich hoch, allerdings hat Bayer 04 erst am übernächsten Samstag ein Heimspiel gegen RB Leipzig und plant momentan, die dafür erlaubten 6000 Zuschauer zuzulassen.

Aus ganz anderen Gründen muss der Bundesliga-Absteiger Paderborn am zweiten Spieltag sein Zweitliga-Heimdebüt gegen den Hamburger SV in einem leeren Stadion austragen. Normalerweise darf der SC mit Rücksicht auf Anwohner keine Spiele austragen, die nach 22 Uhr enden. Weil sie aber mit publikumsfreien Spielen gerechnet hatten, haben sie die Partie gegen den HSV am 28. September auf 20.30 Uhr ansetzen lassen. Dabei muss es nun bleiben: ein Abendspiel ohne Zuschauer.

Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga, mahnt weiter zu sorgfältigem Vorgehen. "Die Politik bringt den Klubs ein Vertrauen entgegen, das es durch alle Beteiligten zu rechtfertigen gilt." Obwohl gemäß der bundeseinheitlichen 20-Prozent-Regel nur 4400 Zuschauer ins 22 012-Besucher-Stadion von Union Berlin dürften, beabsichtigt der Klub zum Heimspiel gegen Augsburg 5000 Fans einzulassen (22,7 Prozent). Er beruft sich auf die derzeitige Infektionsschutzverordnung des Landes Berlin, der zufolge bis zu 5000 Menschen im Stadion an der alten Försterei erlaubt sind.

© SZ vom 17.09.2020
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