FC Bayern in der Einzelkritik:Für Sanés Zirkelschuss hätte man Eintritt bezahlt

Lesezeit: 4 min

Der Nationalspieler untermauert seine starke Hinrunde. Aus Dayot Upamecano wird "Supermecano" und Marc Roca hat tikitakamäßig viele Ballkontakte. Der FC Bayern in der Einzelkritik.

Von Jonas Beckenkamp

Manuel Neuer

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(Foto: Sebastian Widmann/Getty Images)

Als Mann von Welt wünscht man sich gewiss einen festlicheren Jahresabschluss als einen Pandemiekick am Freitagabend in der Arena. Aber sei's drum, das Leben ist eben keine stehende Null. Die sicherte er zunächst mit einer prächtigen Parade gegen Wout Weghorst. Danach kam dann so wenig von den Wolfsburgern, dass er eigentlich einen Kältebonus verdient gehabt hätte. Bewegte sich wirklich nur beim Gang in die Kabine zur Pause - und als er wiederkehrte. Doch in der zweiten Hälfte wurde er komplett überflüssig. Die Bayern hätten tatsächlich auch einen Koffer mit Eissprays ins Tor stellen können.

Benjamin Pavard

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(Foto: Tobias Hase/dpa)

Hat daheim in Frankreich diese Woche ein Interview in der Zeitung L'Equipe gegeben, in dem er ebenfalls weltmännisch bekannt gab: "Ich habe meinen Namen in die Erfolgsliste des Clubs geschrieben. Ich habe Lust, meine Geschichte zu prägen und eine Spur zu hinterlassen." Erlebte im leeren, saukalten Stadion dann eher Spuren von Tristesse, was auch an einigen seiner Pässe lag. Steigerte sich nach der Pause, wirkte etwas agiler und spielte plötzlich sogar Steilpässe, die zu einigen Chancen führten. Hat in seiner "Erfolgsliste" nun einen Sieg gegen Wolfsburg mehr stehen. Glückwunsch!

Dayot Upamecano

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(Foto: Tobias Hase/dpa)

Hat diese Woche daheim in Frankreich kein weltmännisches Interview gegeben, dafür ist er vielleicht auch nicht der Typ. Besitzt aber ein verblüffendes Offensivgen, das ihn immer wieder weit bis in die Wolfsburger Hälfte trieb. Brachte dort aber nicht jeden Ball zum Mitspieler, weshalb Wolfsburg ein paar Mal kontern durfte. Warf seine Kräfte in einen Fernschuss, doch der landete auf einem der 70.000 herrenlosen Sitze. Besser lief es, als ihm Müller fast schon am Fünfmeterraum ein Bällchen auf den Kopf pinselte: Da traf er erstmals für den FC Bayern.

Lucas Hernandez

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(Foto: Tobias Hase/dpa)

Hat sein weltmännisches Interview schon vor zwei Wochen gegeben - ebenfalls nicht daheim in Frankreich, sondern ganz down-to-earth im Kicker. Darin beklagte er "die schwerste Zeit seiner Karriere", als er bei den Bayern anfangs oft verletzt war. Kam einmal zu spät gegen Weghorst, aber dieses Schicksal erlebten alle Münchner an diesem Abend einmal. Gab einen zurückhaltenden Part als Innenverteidiger, verdingte sich zuverlässig im Spielaufbau und hatte diesmal keine allzu schwere Zeit.

Alphonso Davies

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(Foto: Tobias Hase/dpa)

Wurde soeben zum dritten Mal zu Kanadas Fußballer des Jahres gewählt. Dazu muss man einschränkend sagen: So irre viele Fußballer von Weltrang gibt es ja nicht in "The Great White North". War hinten ausnahmsweise zweiter Sieger gegen Weghorst, was fast das 1:1 bedeutet hätte. Vorne dagegen wie ein Trapper im Banff-Nationalpark unterwegs, der immer neue Fährten aufnahm. Verwirrte die Wolfsburger mit seinen Wegen und Dribblings, doch irgendwann wurde selbst der ewige Roadrunner etwas müde. Das Jahr war lang. Zeit für ein paar wärmende Stunden am Kamin daheim in Kanada.

Marc Roca

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(Foto: Tobias Hase/dpa)

Wurde noch nicht zum Fußballer des Jahres in seiner Heimat gewählt, was aber auch daran liegt, dass er Spanier ist. Hatte in Abwesenheit diverser Kimmichs und Goretzkas fast schon tikitakamäßig viele Ballkontakte und tatsächlich kamen fast alle seine Verteilerbälle an. Spielte unauffällig, aber durchaus nicht schlecht - und kann für sich reklamieren, dass er zum Ende dieses Jahres zumindest wieder Einsatzzeiten bekommt.

Jamal Musiala

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(Foto: Andreas Schaad/AP)

Kommt zurzeit immer mehr zum Zug, weil im Mittelfeld lauter Weltmänner fehlen. Dabei weiß eigentlich jeder, dass er auch mal so einer wird. Ließ sich von Ridle Baku lupenrein tunneln, das sah dann weniger weltmännisch aus. Vergab eine hübsche Gelegenheit, als ihm nur ein Kullerbällchen rausrutschte statt eines Schusses. Wandte bei seiner zweiten Chance mehr Wucht an, doch Casteels parierte. Einige schneidige Wackler und Tiefensprints - mehr war außer seiner Flugeinlage vor Lewandowskis 4:0 diesmal nicht drin. Ist trotzdem ein Riesenfußballer.

Serge Gnabry

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(Foto: CHRISTOF STACHE/AFP)

Hat seinen Heimatklub VfB Stuttgart ganz alleine besiegt und kann es als weitgereister Schwabe deshalb auch Freitagabend im saukalten Münchner Norden. Haute kurz nach Anpfiff einfach mal mit rechts drauf, was Müllers Abstauberle ermöglichte. Litt etwas unter der bayerischen Linkslastigkeit und der Zurückhaltung seines Hintermannes Pavard, mit dem das jogo bonito nicht so flutscht wie auf der anderen Seite mit Davies. Ging irgendwann einfach fremd in der Spielfeldmitte, da gab es mehr Spielkameraden.

Thomas Müller

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(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Hat als einziger Münchner selbst in England einen Spitznamen ("Raumdeuter") und ist deshalb einer für jede Begebenheit ("can do it on a cold night in Munich"). Bekam beim 1:o von den Wolfsburgern so viel Raum, dass er vor seinem Tor noch ein leichtes Weizen und Sechs auf Kraut hätte vertilgen können. Zeigte einen launigen Auftritt, hatte hier und da mal gewinnbringend seine Haxen im Spiel und verhalf Upamecano mit seiner Vorlage zum Torjägerglück. Verteilt neben Vorlagen selber gerne Spitznamen ("Lewangoalski"), deshalb hier ein Vorschlag zur Güte, falls er Upamecano umdeuten will: "Supermecano".

Leroy Sané

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(Foto: ANDREAS GEBERT/REUTERS)

Hat seine Weltmann-Qualitäten unter anderem unter Pep Guardiola in Manchester angedeutet, doch so richtig dauerhaft zeigt er sie erst jetzt unter Nagelsmann. Legte einen munteren, biestigen Beginn hin, als wolle er seine starke Hinrunde noch einmal untermauern. Schon bemerkenswert, wie er sich mittlerweile Bälle zurück erobert, wie er Gegner stört und welche Schärfe seinem Spiel innewohnt. Beispiel: Sein Zirkelschuss zum 3:0, für den Menschen bestimmt gerne Eintritt gezahlt hätten, wenn die Mistseuche nicht wäre.

Robert Lewandowski

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(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Hat zuletzt auffällig unauffällig seine Tore bejubelt, weshalb umgehend Alarmbereitschaft um ihn herrschte. Will dieser Weltstürmer den Weltklub FC Bayern doch noch einmal verlassen? Nachdem eigentlich wie beim Reinheitsgebot des bayerischen Bieres feststand: Lewandowski und Bayern, das gehört zusammen wie Hopfen und Malz? Wirkte erst etwas freudlos und vergab seine einzige Gelegenheit freistehend. Haderte mit fehlenden Zuspielen, doch dann köpfelte ihm Musiala doch noch einmal den Ball vor die Füße - erzielte sein 19. Saisontor mit feiner Technik. Und jubelte zumindest etwas ausgiebiger als zuletzt in Stuttgart.

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